Reformismus (1979)
Siehe auch die Jahre 1975 1985
Im Verständnis des Marxismus-Leninismus eine „Erscheinungsform bürgerlicher Ideologie und Politik in der Arbeiterbewegung“. Im Unterschied zur Reform, der „notwendigen Form der gesellschaftlichen Entwicklung“, wird der R. in der DDR abgewertet, da er die „dialektische Einheit von Reform und Revolution“ zerreiße, diese beiden Begriffe einander konfrontiere und die Notwendigkeit von Reformen „verabsolutiere“ (Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Soziologie, 2., erw. Aufl., Berlin [Ost] 1977, S. 542). Neu an dieser Interpretation ist die Differenzierung zwischen Reform und R. Die Vertreter des Marxismus-Leninismus in der DDR behaupten, der R. vertrete, wie alle anderen Reformideologien auch, das Konzept, daß die Arbeiterklasse ohne Revolution auf dem Weg über Reformen den Sozialismus erreichen könne. Sie kritisieren am R. weiterhin, daß jede nur evolutionäre Veränderung gesellschaftlicher Lebensbereiche deren „Klasseninhalt“ und „Klassenfunktion“ nicht berühre. Der R. verzichte auf die „Verwirklichung der historischen Mission der Arbeiterklasse“, die Ausbeutung und Klassenherrschaft durch eine gesamtgesellschaftliche Revolution zu überwinden und den Sozialismus/Kommunismus zu errichten. Der R. ist in seinen verschiedenen Erscheinungsformen als „Trade-Unionismus“, als „Ökonomismus“ oder als „Parlamentarismus“ vom Marxismus-Leninismus stets bekämpft worden. Abweichungen; Arbeiterbewegung; Eurokommunismus; Revisionismus; Sozialdemokratismus; Syndikalismus.
Fundstelle: DDR Handbuch. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1979: S. 901