DDR von A-Z, Band 1979

Rehabilitierungen (1979)

 

 

Siehe auch die Jahre 1965 1966 1969 1975 1985


 

SED-Funktionäre und -Mitglieder, die seit Umschmelzung der SED zu einer „Partei neuen Typus“ (1948) aus der Partei ausgeschlossen und aus dem öffentlichen Leben entfernt worden waren, sind in den Jahren nach Stalins Tod (1953) und insbesondere nach dem XX. Parteitag der KPdSU (1956) z. T. rehabilitiert, d. h. wieder in die SED aufgenommen und mit neuen Ämtern betraut worden. Die R. betrafen sowohl ganze Gruppen (z. B. Westemigranten und ehemalige Mitkämpfer in der jugoslawischen Partisanenarmee) als auch ehemalige Spitzenfunktionäre der SED, die im Verfolg der Rajk-, Kostoff- und Slansky-Prozesse in den Ostblockstaaten auch in der DDR abgesetzt und z. T. verhaftet worden waren (Dahlem, Merker), sowie den ehemaligen Justizminister Max Fechner. Auch ein Teil der SED-Führer, die 1953 mit Wilhelm Zaisser und Rudolf Herrnstadt sympathisiert hatten, wurde rehabilitiert. Das gilt jedoch nicht für Zaisser und Herrnstadt selbst. Erst Jahre später rehabilitiert wurden Karl Schirdewan, seine Anhänger sowie weitere Funktionäre, die 1956/57 revisionistische Anschauungen vertreten hatten und deshalb gemaßregelt wurden [S. 902](Revisionismus). Keiner von ihnen erhielt politisch einflußreiche Funktionen zurück. Im Gegensatz zur UdSSR und anderen Volksdemokratien erfolgten die R. in der DDR stillschweigend und inoffiziell. Lediglich im Fall Dahlem sowie in einigen mit diesem zusammenhängenden Fällen (Ackermann, Jendretzky, Elli Schmidt) wurdedurch Beschluß des ZK der SED vom 29. 7. 1956 die Aufhebung der Parteistrafe und die R. publik gemacht. Die R. Fechners ist am 29. 6. 1958 kommentarlos durch eine Mitteilung des ZK im „Neuen Deutschland“ über die „Wiederherstellung“ seiner Parteimitgliedschaft mitgeteilt worden. Von den Sowjets ausgesprochene R. deutscher Kommunisten, die Opfer der großen Säuberungen in der UdSSR wurden, sind in der DDR nicht bekanntgegeben worden.


 

Fundstelle: DDR Handbuch. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1979: S. 901–902


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.