DDR von A-Z, Band 1979

Widerspruch (1979)

 

 

Siehe auch die Jahre 1959 1960 1962 1963 1965 1966 1985


 

Im Marxismus wird zwischen einem W. im Sinne der formalen Logik und dem „dialektischen“ W. unterschieden. Die für den Marxismus-Leninismus als Weltanschauung, als Theorie der Erkenntnis wie als Methode zentrale Lehre vom dialektischen W. läßt sich bis auf die griechische Philosophie (Heraklit, Aristoteles) zurückverfolgen. Die philosophisch und begriffslogisch entscheidenden Untersuchungen über den W. hätten jedoch erst Marx und Engels geleistet. W. im Verständnis der Dialektik ist „jenes Verhältnis von Seiten, Kräften und Tendenzen, gegebenenfalls von Verhaltens- und Denkweisen oder auch von begrifflichen Bestimmungen, in welchem diese Seiten usw. einander bedingen und voraussetzen und sich zugleich gegensätzlich zueinander verhalten“ (Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Soziologie, 2., erw. Aufl., Berlin [Ost] 1977, S. 726). Nach marxistischer Auffassung besteht alles Geschehen in der Welt, in der Natur wie in der Gesellschaft und im Denken aus dem Verhältnis, dem sog. „Gesetz“ von der „Einheit“ und dem „Kampf“ der Gegensätze. Dieses „Gesetz“ gilt als universal gültiges Entwicklungsgesetz, es besitzt für den Kapitalismus wie für den Sozialismus Gültigkeit. Dialektische W. werden als die in der Materie ursprünglich vorhandene, „treibende Kraft aller Entwicklung“ angesehen. Der Ausbau des Gesetzes des dialektischen W. erfolgte erst durch die „Partei der Arbeiterklasse“ im reifen Marxismus-Leninismus.

 

In der vom Historischen Materialismus getragenen Soziologie in der DDR wird daran festgehalten, daß auch sozialen, sozialhistorischen und sozialpsychologischen Prozessen dialektische W. zugrunde liegen. Dabei werden Begriffe wie Konflikte, Gegensätze und W. synonym gebraucht. Soziologie und Empirische Sozialforschung.


 

Fundstelle: DDR Handbuch. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1979: S. 1173


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.