Agnostizismus (1985)
Siehe auch die Jahre 1975 1979
Die philosophische Lehre von der Unerkennbarkeit (griech. agnostos = unbekannt) des wahren Seins. Im Marxismus-Leninismus der DDR wird A. eingeengt auf solche erkenntnistheoretischen Lehren, „welche die Fähigkeit des Menschen, die objektive Realität zu erkennen, bezweifeln, einschränken oder völlig leugnen und die objektive Realität entweder für nur teilweise erkennbar oder überhaupt für unerkennbar halten“ (Kleines Politisches Wörterbuch, 3., überarb. Aufl., Berlin [Ost] 1978, S. 19).
Als Begründer dieses A. gelten D. Hume und I. Kant, an die im 19. Jahrhundert vor allem die Naturphilosophen T. H. Huxley und E. Du Bois-Reymond, ferner J. St. Mill und H. Spencer anknüpfen. Aber auch der heutige Neo- Positivismus ist vom A. beeinflußt.
Die Vertreter des Historischen und Dialektischen Materialismus, angeführt von F. Engels und vor allem W. I. Lenin (Materialismus und Empiriokritizismus, 1909), kritisieren den A. als „geschichtlich bedingt“ und „theoretisch falsch“. Er sei eine Ausprägung der bürgerlichen Philosophie, die nicht erkennen will und kann, daß es eine objektive Realität und historisch-gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten gibt. Im einzelnen werden dem A. besonders „Perspektivlosigkeit“, „Relativismus“ und „weltanschaulicher Skeptizismus“ vorgeworfen.
Fundstelle: DDR Handbuch. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1985: S. 9
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