DDR von A-Z, Band 1985

Feiern, Sozialistische (1985)

 

 

Siehe auch:


 

SF. sind in der DDR zur Ablösung entsprechender kirchlicher, bisher in der Tradition verankerter Feiern geschaffen worden. Bedeutsamste SF. ist die Jugendweihe für die 14jährigen, die seit 1954 zunächst neben, später zunehmend an die Stelle der evangelischen Konfirmation getreten ist. Seit 1957 gibt es die Namensweihe, zunächst sozialistische Namensgebung genannt, die sozialistische Eheschließung (auch Eheweihe), das sozialistische Begräbnis (Grabweihe) und die sozialistische Arbeiterweihe. Material und Anleitungen für die verschiedenen Weihehandlungen und anderen Feiern werden, außer für die Jugendweihe, vom „Zentralhaus für Kulturarbeit“, Leipzig, zur Verfügung gestellt.

 

Statistische Angaben über Namensweihe, sozialistische Eheschließung und Begräbnis liegen nicht vor. Nach dem Rückgang der christlichen Säuglingstaufe verbreitet sich die Namensweihe stärker, weniger als Einzelfeier im Standesamt kurz nach der Geburt, häufiger als kollektive, von den Betrieben in gewissen Zeitabständen für die ein- bis zweijährigen Kinder der Betriebsangehörigen organisierte Feier.

 

Die sozialistische Eheschließung ersetzt nicht die standesamtliche Trauung, sondern folgt ihr ähnlich wie die kirchliche Trauung. Kirchliche Trauungen sind selten geworden; die sozialistische Eheschließung, die oft vom Betrieb eines der Ehegatten ausgerichtet wird, ist verbreiteter. Am seltensten ist das sozialistische Begräbnis, obgleich auch hier eine Zunahme beobachtet wird. Ende der 70er Jahre wurde zeitweise versucht, sozialistische Arbeiterweihen populär zu machen; es handelt sich um F. für Lehrlinge beim Übergang von der Lehre in den Beruf (Jugend, IX.; Kirchen, IV.).


 

Fundstelle: DDR Handbuch. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1985: S. 378


 

Information

Dieser Lexikoneintrag stammt aus einer Serie von Handbüchern, die zwischen 1953 und 1985 in Westdeutschland vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (ab 1969 Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen) herausgegeben worden sind.

Der Lexikoneintrag spiegelt den westdeutschen Forschungsstand zum Thema sowie die offiziöse bundesdeutsche Sicht auf das Thema im Erscheinungszeitraum wider.

Ausführliche Informationen zu den Handbüchern finden Sie hier.