Reformismus (1985)
Siehe auch die Jahre 1975 1979
[S. 1115]Im Verständnis des Marxismus-Leninismus der DDR eine „Erscheinungsform bürgerlicher Ideologie und Politik in der Arbeiterbewegung. Der R. vertritt die Auffassung, daß die Arbeiterklasse auf dem Wege über Reformen zum Sozialismus gelangen kann, und lehnt die proletarische Revolution, die Eroberung der politischen Macht der Arbeiterklasse und die Errichtung der Diktatur des Proletariats als einzig möglichen Weg zum Aufbau des Sozialismus ab“ (Kleines Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, 4., überarb. Aufl., Berlin [Ost] 1979, S. 279).
R. gehört zu den historisch gewachsenen Bezeichnungen für Formen der ideologisch-politischen Abweichungen. Heute richtet sich der Vorwurf des R. hauptsächlich gegen die sozialdemokratischen Arbeiterparteien, von denen die SED behauptet, sie trügen zur Stützung der kapitalistisch-imperialistischen Systeme bei (Sozialdemokratische Partei Deutschlands [SPD]). Dieser Vorwurf wird vielfach mit dem des Antikommunismus, des Opportunismus und des Revisionismus verbunden.
Ablehnung des R., so wird neuerdings von den marxistisch-leninistischen Ideologen in der DDR stärker betont, bedeutet nicht die Verurteilung jeden Versuches, durch Reformen in kapitalistischen Gesellschaften soziale Verbesserungen zu erzielen. Vielmehr wird der Kampf um Reformen im Kapitalismus ausdrücklich als notwendig anerkannt und unterstützt. Diese müssen jedoch eingebunden bleiben in die Strategie zur Überwindung dieser Gesellschaftsformation unter Führung einer marxistisch-leninistischen Partei.
Arbeiterbewegung; Eurokommunismus; Sozialdemokratismus; Syndikalismus.
Fundstelle: DDR Handbuch. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1985: S. 1115