JHK 2025

Inhaltsverzeichnis

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Demokratie und Kommunismus in Bologna 1945–1956: Zu den ambivalenten Wirkungen eines stalinistisch geprägten Führungspersonals

Paolo Capuzzo

Als einzige Regionalhauptstadt Italiens hatte Bologna von 1945 bis zum Ende der Kommunistischen Partei im Jahr 1991 durchgehend einen kommunistischen Bürgermeister. Durch sehr unterschiedliche historische Phasen hindurch gelang es dem Partito Communista Italiano (PCI, Kommunistische Partei Italiens), sich stets ein hohes Maß an Zustimmung in der Stadt zu sichern. Bei den ersten demokratischen Wahlen 1946 erhielt die Partei 38 Prozent der Stimmen, in den 1950er-Jahren überschritt sie 40 Prozent,…

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Kommunismus, Wahlkampf und Demokratieverständnis in den Niederlanden (1945–1970er-Jahre)

Harm Kaal

Der niederländische Sozialismus steht im Jahr 2024 vor einem bedeutenden Ereignis: der Wiedervereinigung der beiden Flügel der Sociaal-Democratische Arbeiders Partij (SDAP, Sozialdemokratische Arbeiterpartei), deren Wege sich 1909 getrennt hatten, als die Revisionisten die revolutionären Sozialisten hinauswarfen. Letztere gründeten eine neue Partei, die mehrere Spaltungen und Namensänderungen erfuhr.[1] Als sich der Staub in den 1930er-Jahren gelegt hatte, stieg die Communistische Partij…

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»Antifaschistische Traditionsbildung« als demokratische Praxis

Corinna Bittner

Im Archiv des Aktionskomitees für ein Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager e. V. sind 16 prall gefüllte Ordner und zwei Kisten unsortiertes Papier – Broschüren, Briefe, Karteikarten, Notizen, ein Manuskript – in den Regalen verstaut: der Nachlass von Günter Daus, »Schutzhäftling« im Konzentrationslager Börgermoor, Widerstandskämpfer, nach 1945 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und bis zu seinem Tod aktiv im »Komitee der Moorsoldaten«. Günter Daus…

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Vom Kommunismus zur wehrhaften sozialen Demokratie

Philipp Kufferath

»Meine ganze Entwicklung bringt es mit sich, dass ich der Politik der SPD vor 1933 viel kritischer gegenüberstehe, als das gemeinhin wohl in der Sozialdemokratie der Fall sein dürfte. Auch der heutigen SPD, soweit ich eine Vorstellung von ihr habe, stehe ich nicht völlig unkritisch gegenüber. Was ich vor allem bemängele ist, dass sie [zu] der KP-Einheitsfront-Taktik bisher keine konstruktive Gegentaktik entwickelt hat, dass sie sich hier stets in der Defensive befindet. Auch mangelt es ihr sehr…

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Der Ort des Kommunismus in den westeuropäischen Demokratien seit 1945

Claudia C. Gatzka / Dominik Rigoll

Kann der Kommunismus in der Geschichte westeuropäischer Demokratien einen Ort haben, und wenn ja, wie sähe dieser aus? Wären es gar viele Orte? Dass kommunistische Bewegungen zur Geschichte Europas im 20. Jahrhundert dazugehörten, steht außer Frage. Kommunistische Parteien haben früh das Interesse von Politik- und Geschichtswissenschaft auf sich gezogen, und wie keine Parteienfamilie neben ihr ist die kommunistische als transnationales Phänomen begriffen und untersucht worden – mit Moskau als…

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Kommunismus und Demokratie in der Bundesrepublik (1945–1968)

Till Kössler

Welchen Ort der Kommunismus in der Bundesrepublik haben sollte und wie mit Kommunisten umzugehen sei, waren einige der wichtigsten demokratietheoretischen und demokratiepraktischen Fragen der Nachkriegsjahre. Als Repräsentant der SED in den westlichen Besatzungszonen und der jungen Bundesrepublik stellte die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) rasch eine der zentralen Herausforderungen der neuen politischen Ordnung in Westdeutschland dar.[1] Zwar gelang es den Kommunisten, anders als in…

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Kommunisten im Betrieb

Johanna Wolf

Im Juni 1973 bestreikten etwa 3000 Arbeiterinnen und Arbeiter der Schiffswerft Bremer Vulkan für acht Tage ihren Betrieb.[1] In einem großen Demonstrationszug durch Bremen-Vegesack riefen sie die Stadtbevölkerung zur Solidarität auf und forderten einen 13. Monatslohn sowie eine Zulage von 70,- DM. Bald waren nicht nur Bremerinnen und Bremer, sondern auch Verantwortliche in Hamburg, Frankfurt und Bonn informiert. Denn was sich hier ereignete, war ein ernst zu nehmendes Ereignis, das – wenn es…

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Die Portugiesische Kommunistische Partei in der Nelkenrevolution 1974/75

Raquel Varela

Während der sogenannten Nelkenrevolution 1974/75 stieg der Partido Comunista Português (PCP, Portugiesische Kommunistische Partei) zu einer bedeutenden Partei im Land auf – der größten in Portugal, gemessen an seiner Mitgliederzahl. Zwischen dem 25. April 1974 und dem 25. November 1975 gehörte es zur Strategie des PCP, für die Konsolidierung eines demokratischen Regimes in Portugal zu sorgen, das im regulierten Kapitalismus der Atlantischen Allianz eine relative Unabhängigkeit von den führenden…

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Das ambivalente Erbe der kommunistischen Bewegung: Ehemalige Kommunisten als Kommunismusforscher in der »alten« Bundesrepublik

Mario Keßler

[1] Franz Borkenau, Richard Löwenthal und Ossip Flechtheim sind drei Gründerfiguren der westdeutschen Kommunismusforschung, wobei Löwenthal und Flechtheim nicht in der Bundesrepublik im staatsrechtlichen Sinn, sondern in West-Berlin wirkten. Diese Differenz war keineswegs nur formaler Natur, denn einerseits verlieh der Frontstadtstatus von West-Berlin, einer der wichtigsten Stätten der neuen Disziplin, den Auseinandersetzungen mit kommunistischem Ideengut jene gnadenlose Diktion, die sich zum…

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Wie die Randständigkeit des Kommunismus die Bundesrepublik prägte

Sonja Levsen

Lange und intensiv haben deutsche Historiker (seltener auch Historikerinnen) darüber nachgedacht, was die Bundesrepublik in den ersten Dekaden ihres Bestehens vom »Westen« unterschied. »Westen« wurde dabei meist als Chiffre für ein als weitgehend homogen gedachtes Kontinuum genutzt, das die Demokratien Westeuropas und die USA einschloss. Der »Westen« erschien in diesem Bild als liberal, demokratisch und kapitalistisch. Vor dieser imaginären Folie wurden der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft…

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Kommunistinnen, Wohlfahrt und Lokaldemokratie im »roten« Bologna

Teresa Malice

I. Lokale Wohlfahrt, Demokratie und Kommunismus als Erfolgsgeschichte – und deren marginalisierte Subjekte Ende der 1970er-Jahre war das »Bologna-Modell« in ganz Europa bekannt. Wie Donald Sassoon in der Einleitung der englischen Übersetzung von Das Rote Bologna[1] in Erinnerung ruft, hatten die Kommunisten seinerzeit in Bologna ein Sozialsystem aufgebaut, das auf einer breiten demokratischen Beteiligung beruhte. Die sozialen Rechte und die Wohlfahrt gehörten zu den Bereichen, in denen die…

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A British Road to Socialism?

Jörg Arnold

Der große Streik der britischen Bergarbeiter ist eines der wichtigsten innenpolitischen Ereignisse der jüngeren britischen Geschichte. In dem erbittert geführten Arbeitskampf standen sich eine homogene Gruppe von Industriearbeitern, organisiert in der Gewerkschaft National Union of Mineworkers (NUM), geführt von dem charismatischen Arthur Scargill, und die konservative Regierung unter Margaret Thatcher gegenüber. Die Regierung nutzte alle Machtmittel des Staates – von der Einflussnahme auf die…

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Eurokommunismus und Demokratie: Fallstudie über einen kommunistischen Kader in der spanischen Transition

Pablo Gil Valero

Am 14. Juni 1976 gab das Exekutivkomitee des Partido Comunista de España (PCE, Kommunistische Partei Spaniens) über das Parteiorgan Mundo Obrero bekannt, dass im Juli eine öffentliche Sitzung des Zentralkomitees (ZK) der Partei in Spanien stattfinden würde.[1] Dies sollte seit dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs im April 1939 und seitdem die PCE-Führung ins Exil gegangen war, das erste Mal sein, dass zu einer Sitzung des ZK auf spanischem Boden eingeladen würde. Bei dieser öffentlichen Sitzung…

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Vom Kommunismus zur »Linken«: Postkommunistische Parteien in Westeuropa nach 1989

Thorsten Holzhauser

Dass das Jahr 1989 einen Einschnitt in der europäischen Demokratiegeschichte darstellt, dürfte kaum infrage stehen. Mit den Revolutionen des Jahres 1989, dem Ende des Realsozialismus und dem globalen Siegeszug des Liberalismus begann vor allem in den postsozialistischen Staaten Mittel- und Osteuropas eine neue Phase der Demokratisierung.[1] Unter dem Blickwinkel der »Ko-Transformation« hat die Zeitgeschichtsforschung zuletzt aber auch die Veränderungen in den westeuropäischen Gesellschaften in…

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Der Kommunismus in Frankreich: Ambivalenter Akteur im Prozess der Demokratisierung des politischen Lebens

Julian Mischi

Die kommunistische Bewegung protestierte in Westeuropa gegen ein politisches System, in dem soziale Eliten die Macht übernommen hatten. Mit ihrem Kampf um den Zugang der Arbeiterklasse zur Macht wiesen die Kommunistinnen und Kommunisten auf ein Problem hin, das die liberale Demokratie seit dem 19. Jahrhundert beschäftigte: das Problem der politischen Repräsentation der Arbeiterklasse, deren politische Ausgrenzung sich in ihrer sozialen Unterordnung gleichsam verdoppelte. Die Kritik an der…

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Die Demokratisierung des Staates in der Politik der italienischen Kommunistinnen im Parlament (1968–1983)

Fiammetta Balestracci

Als sich die Frauen in den 1970er-Jahren in der Politik Italiens mehr und mehr Gehör verschaffen konnten, erhielt auch die Rolle der Kommunistinnen in der Resistenza verstärkt Aufmerksamkeit und wurde durch Zeitzeugnisse hervorgehoben.[1] Zugleich nahm die Veröffentlichung von Memoiren, Autobiografien und selbstreflexiven historischen Pamphleten kommunistischer Frauen Fahrt auf, die vor allem auf die Jahre seit der Gründung der Kommunistischen Partei Italiens (Partito Comunista Italiano, PCI)…

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Beiträge von jüdischen Kommunistinnen und Kommunisten zur Erinnerungskultur der Bundesrepublik am Beispiel von Emil Carlebach und Esther Bejarano

Benet Lehmann / Yves Müller

200.000 Menschen waren am 11. September 1982 zum Konzert »Künstler für den Frieden« in das Bochumer Ruhrstadion gekommen.[1] Auf der Open-Air-Bühne stand auch »die israelische Sängerin Esther Bejarano« mit ihrer Band,[2] in der zwei junge palästinensische Musiker spielten. Bejarano wollte ein klares Zeichen gegen den kurz zuvor begonnenen Libanonkrieg setzen und sprach über die Bedeutung des Internationalismus als mögliche Lösung des Konflikts zwischen Palästina und Israel. Dabei nahm sie Bezug…

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Die Utopie als Nicht-Ort

Lea Fink

Wie richtete sich die Kritische Theorie in der Bundesrepublik politisch aus? War sie ein antikommunistisches, bürgerliches Projekt? War sie ambivalent, aber doch aufgeschlossen gegenüber dem Kommunismus? Hat sie sich gar an den Verbrechen des Realsozialismus mitschuldig gemacht? Die politische Ausrichtung der Kritischen Theorie in der Bundesrepublik wurde äußerst unterschiedlich beurteilt. Die Beantwortung der Frage, welche Haltung die Frankfurter Schule gegenüber dem Kommunismus einnahm, hing…

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Autorinnen und Autoren des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung

Herausgeberin und Herausgeber des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung 2025 Claudia C. Gatzka Dr. phil., geb. 1985 in Leipzig. 2004 bis 2011 Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte, Politikwissenschaft und Europäischen Ethnologie, 2016 Promotion in Neuester Geschichte. 2011 bis 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität zu Berlin, seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, dort seit…