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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kozlecki, Wenzel (Julik)

* 17.9.1906 – ✝ 28.10.1995

(* 1906 – † 1995) Geboren am 17. September 1906 in Dresden; Werkzeugmacher. Er gehörte seit den zwanziger Jahren zu einer politisch aktiven Bergsteigergruppe der Naturfreunde, stand seit 1930 in Verbindung zur LO der Trotzkisten und verbreitete deren Literatur. Mit Gerhard Grabs u. a. bildete er im August 1932 die LO in Dresden, die er bis zu seiner Emigration 1933 leitete. Gemeinsam mit seiner Frau (seit 1929 verheiratet) Käthchen, geborene Hempel (* 30. 6. 1908 – † 11. 10. 1976), leistete er mit der trotzkistischen Gruppe 1933 Widerstand gegen die Nazis. Vor drohender Verhaftung mußten beide im August 1933 in die âSR fliehen. Er wurde als Julik in der trotzkistischen Auslandsleitung der LO bzw. der IKD und der illegalen Grenzarbeit aktiv, nahm 1934 als Delegierter an einer trotzkistischen Konferenz der IKD in Zürich teil. 1936/37 spielte Julik als Leiter der Reichenberger Grenzstützpunkte sowie als Mitglied des Auslandskomitees bei den Auseinandersetzungen in der trotzkistischen IKD eine wichtige Rolle. Er stand 1938 in Briefwechsel mit Trotzki, der ihn schätzte. Im September 1938 flüchteten er und Käthchen Kozlecki aus dem Sudetenland nach Prag. Im Dezember 1938 gelangte er über Rotterdam nach Mexiko, um dort als Sekretär Leo Trotzkis zu arbeiten. Seine Frau (die Scheidung erfolgte erst 1954) emigrierte nach England. Kozlecki trennte sich bereits im Herbst 1939 von Trotzki, blieb weiterhin in Mexiko und war als Handwerker tätig. Eine Rückkehr in die SBZ als Trotzkist war nicht möglich, 1962 übersiedelte er in die Bundesrepublik und soll in Nürnberg einen kleinen Betrieb besessen haben. Wenzel Kozlecki starb am 28.Oktober 1995 in Nürnberg. Über ihn und die politisch aktive Bergsteigertruppe veröffentlichte Barbara Weinhold 2004 die Arbeit »Eine trotzkistische Bergsteigergruppe aus Dresden im Widerstand gegen den Faschismus«.

Wer war wer in der DDR

Krack, Erhard

* 9.1.1931 – ✝ 11.12.2000

Geb. in Danzig (Gdańsk, Polen); Vater Heizungsmonteur, Mutter Verkäuferin; Grund- u. Hauptschule; Aug. 1945 Umsiedl. mit den Eltern nach Stralsund; 1945/46 Lehre als Installateur, anschl. Beendigung der Mittelschule; 1946 FDJ; 1951 Abitur; 1951 FDGB u. SED; 1951/52 Mitarb. der Stadtverw. Stralsund, persönl. Ref. des OB; 1952 – 56 Studium der Wirtschaftswiss. an der Univ. Rostock, Dipl.-Wirtsch.; 1956/57 Betriebsassistent auf der Warnowwerft Warnemünde; 1957 – 59 Ltr. der Abt. Betriebsorg.; 1959…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Krämer, Walter

* 21.6.1892 – ✝ 12.4.1941

Geboren am 21. Juni 1892 in Siegen/Westfalen, Sohn eines Lokführers; lernte Schlosser. Als Kriegsfreiwilliger meldete er sich 1914 zur Marine, wurde bereits 1915 wegen Rebellion zu Festungshaft verurteilt und war 1917 Teilnehmer am Aufstand der deutschen Flotte. Das Kriegsgericht verurteilte ihn zu vier Jahren Festung. Nach Ausbruch der Revolution kehrte Krämer im November 1918 nach Siegen zurück und wurde Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates. Er schloß sich der USPD an. Im März 1920, während des Kapp-Putsches, Abschnittskommandeur der Roten Ruhrarmee. Ende 1920 Mitglied der KPD, dann ab 1923 Orgleiter der KPD in Siegen. Am 28. Januar 1925 wurde Krämer im »Siegerländer Kommunistenprozeß« zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, kam 1928 durch eine Amnestie frei. Er übernahm die Leitung des UB Siegen, dann Krefeld, schließlich Wuppertal, gehörte der BL Niederrhein an und war auch zeitweise Sekretär der BL Hessen-Kassel. Er war Stadtverordneter und Stadtrat in Siegen und wurde im April 1932 im Wahlkreis Düsseldorf-West in den Preußischen Landtag gewählt. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand wurde er in »Schutzhaft« genommen und am 19. Dezember 1934 durch den 2. Senat des VGH zu drei Jahren Haft verurteilt. Im KZ Lichtenburg, anschließend im KZ Buchenwald eingesperrt, baute er das Krankenrevier mit auf. Dank medizinischer Vorbildung, die er sich während seiner Gefangenschaft angeeignet hatte, konnte er zahlreichen Häftlingen helfen, galt für sie als der »Arzt von Buchenwald«. 1939 erster Kapo des Häftlingskrankenbaus, 1941 von der SS abgelöst und im Außenkommando Goslar am 12.April 1941 ermordet. Seine posthume Würdigung erfolgte im Jahre 2000 durch den Staat Israel. Dort wurde Walter Krämer mit der Medaille und der Urkunde der Gedenkstätte Yad Vashem zum »Gerechten unter den Völkern« ernannt.

Wer war wer in der DDR

Kraszon, Paul

* 3.3.1918

Geb. in Ruda (Krs. Ratibor, Oberschles./Ruda, Polen); Vater Bergmann; Volks- u. Berufsschule; Bergmann u. Steiger in Oberschles.; Wehrmacht, Feuerwerke. 1946 Mitgl. der SED; Werkltr. des VEB Braunkohlenwerk Phännerhall in Bransbedra (Krs. Merseburg); 1952/53 Sekr. für Wirtschaft der SED-Bez.-Ltg. Chemnitz; 1953/54 Ltr. der Abt. Grundstoffindustrie im ZK der SED (Nachf. von  Eberhard Arlt); Werkltr. im VEB Steinkohlenwerk »Martin Hoop« in Zwickau; Mitgl. der SED-Stadtltg. Zwickau.Helmut…

Wer war wer in der DDR

Kraus, Alfred

* 28.3.1910 – ✝ 22.4.2001

Geb. in Neurohlau (Krs. Elbogen, Nordböhmen/Nova Role, Tschechien); Vater Maurer; Volks- u. Bürgerschule; 1924/25 Ausbildung zum Schlosser, abgebrochen; 1925 – 38 Ausbildung u. Arbeit als Bauzeichner; 1931/32 Mitgl. des ZK des KJVČ; 1932 – 34 Wehrdienst in der tschech. Armee; 1935 KPČ; 1935 – 38 Org.-Ltr. der KPČ-KL Neudeck; 1936 – 38 Mitgl. der KPČ-Gebietsltg. Westböhmen; 1938 Einberufung zum Militärdienst, Flucht vor der Besetzung des Sudetenlandes; März 1939 Verhaftung in Prag, »Schutzhaft«…

Wer war wer in der DDR

Krause, Fritz

* 13.4.1925 – ✝ 9.8.2012

Geb. in Tzschetzschnow (seit 1937: Güldendorf) (b. Frankfurt (Oder); Lehre u. Arbeit als kaufm. Angest. in der Tapetengroßhandlung »Albert Link« in Frankfurt (Oder); Wehrmacht; brit. Kriegsgef. 1947 SED; 1949 Bezirksvorsteher von Güldendorf; hauptamtl. FDJ-Funktionär, u. a. 1. Sekr. der FDJ-KL Frankfurt (Oder), 1957 –59 2. Sekr. der FDJ-BL Frankfurt (Oder); Stud. an der PHS beim ZK der KPdSU in Moskau; polit. Mitarb. der SED-BL; 1962 – 65 Mitarb. beim Rat des Bez. Frankfurt (Oder); 1965…

Wer war wer in der DDR

Krause, Wolfram

* 6.5.1933

Geb. in Berlin; Vater Maschinenschlosser; Abitur; Studium der Wirtschaftswiss. 1951 – 53 an der HfÖ Berlin u. 1953 – 58 an der Moskauer Staatl. Lomonossow-Univ., Dipl.-Wirtsch.; 1951 SED; 1958/59 Finanzplaner im VEB Elektroapparate-Werke Berlin-Treptow; 1959 – 62 polit. Mitarb. im ZK der SED; 1962/ 63 polit. Mitarb. im Büro des Ministerrats; 1963 Mitarb. u. 1968 – 74 Stellv. des Vors. der SPK; 1974 – 79 1. Sekr. der SED-KL der SPK, 1974 – 89 Mitarb. der SED-BL Berlin; 1989/90 Staatssekr. in der…

Wer war wer in der DDR

Kraushaar, Silke

* 10.10.1970

Geb. Sonneberg (Thür.); 1984 KJS Oberhof; ASK Vorwärts Oberhof, 1988 DDR-Mstr. (2. Pl.); 1989 Junioren-EM (5. Pl.); 1990 WSV Oberhof 05, später BSR Rennsteig Oberhof (Trainer Norbert Hahn,  Bernhard Glass); seit 1991 Sportfördergruppe der Bundeswehr in Oberhof (z. Zt. Hauptfeldwebel); dreimal Olymp. Spiele: 1998 (Gold), 2002 (Bronze), 2006 (Silber); 2004 WM, zweimal WM-Zweite (2001, 2003), 2007/08 WM-Dritte; 1998, 2004 u. 2008 EM, dreimal EM-Zweite (2000, 2002, 2003); fünfmal Siegerin…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Krausz, Georg

* 2.3.1894 – ✝ 18.3.1973

Geboren am 2. März 1894 in Humene/Slowakei, entstammte einer bürgerlichen Familie, der Vater war Professor an der Handelshochschule. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er von 1912 bis 1918 u. a. Germanistik und Psychologie an Universitäten in Budapest und in Frankreich. 1918 Studienassessor an einer Oberrealschule. Krausz schloß sich linkssozialistischen Studentengruppen an, war 1919 aktiv an den Kämpfen für die Ungarische Räterepublik beteiligt und Mitglied des »revolutionären Direktoriums« in Nord-Ungarn. Nach deren Niederschlagung floh er zunächst nach Wien, dann in die Slowakei, wurde Bezirkssekretär des KJV in der Karpato-Ukraine und 1921 Chefredakteur der kommunistischen »Volksstimme« in Bratislava. Krausz gehörte dem ersten ZK der Tschechoslowakischen KP als Vertreter der Jugend an, war 1921/22 Sekretär des ZK des KJV der Tschechoslowakei. 1921 in der âSR inhaftiert und nach Österreich ausgewiesen, übersiedelte er im April 1922 nach Deutschland, hier 1922/23 außenpolitischer Redakteur der »Roten Fahne« (unter dem Pseudonym Georg Mahlow). 1924 Chefredakteur des »Rhein-Ruhr-Pressedienstes« der KPD und von 1925 an wieder Redakteur der »Roten Fahne«. 1928 einer der aktiven und führenden Versöhnler, blieb Krausz trotz einer offiziellen »Reue-Erklärung« fest mit der Versöhnler-Fraktion verbunden. Ende 1928 aus der Redaktion der »Roten Fahne« entfernt, zunächst der Informationsabteilung des ZK der KPD zugeteilt, dann zur Redaktion der »Sozialistischen Arbeiterzeitung« nach Leipzig versetzt. Krausz persönliche Verbindungen zu Anhängern der Versöhnlergruppe in Leipzig veranlaßten die Leipziger BL nach dem XII. Weddinger Parteitag 1929, ihn als Redakteur abzusetzen und ihm wegen »fraktioneller Betätigung« ein Jahr Funktionsverbot zu erteilen. Nach Berlin zurückgekehrt, bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Beiträgen für die »Inprekorr«, deren ständiger Mitarbeiter er bereits seit 1925 war. 1930 Angestellter im sowjetischen Reisebüro »Intourist«, offiziell war er dort von 1930 bis 1936 Leiter der Werbeabteilung. Ab 1933 illegale Arbeit in Deutschland, zeitweise lehnte er eine Zusammenarbeit der Versöhnler-Gruppe mit Walter Ulbricht ab. Am 13.August 1936 verhaftet und durch das Kammergericht Berlin zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Waldheim verbüßte. 1941 in das KZ Buchenwald eingeliefert, das Krausz überlebte, weil er seine jüdische Herkunft verschleiern konnte. Nach der Befreiung des Lagers im April 1945 als Redakteur der politischen Lager-Tageszeitung und in Weimar beim Aufbau der KPD-Ortsgruppe aktiv. Im Juni 1945, noch während der amerikanischen Besetzung Thüringens, fuhr Krausz in die sowjetisch besetzte Zone, um den Heimtransport politischer Häftlinge zu besprechen. Unterwegs wurde er in Potsdam angeblich wegen ungenügender Ausweispapiere und einer Namensverwechslung von Organen der sowjetischen Besatzungsmacht festgenommen und als »amerikanischer Spion« in das nun zum Speziallager des NKWD umgewandelten ehemaligen KZ Sachsenhausen und dann Buchenwald eingesperrt. Erst nach weltweiten Protesten der Versöhnler sowie einer Intervention Wilhelm Piecks öffneten sich im Mai 1948 für Krausz die Lagertore. Er wurde Mitglied der SED, ab Juni 1948 Hauptreferent für außenpolitische Fragen im PV, 1950 stellvertretender Abteilungsleiter. Im Herbst 1950 Redakteur beim »Neuen Deutschland«, berichtete als Auslandskorrespondent u. a. aus Warschau und Prag. Inzwischen aber wegen seiner Vergangenheit wieder Überprüfungen seitens der ZPKK ausgesetzt, lieferte Krausz (um Repressalien zu entgehen?) linientreue Artikel, z. B. von den Schauprozessen in den Ostblockstaaten, u. a. im November 1952 über den Slánsk ´y-Prozeß, sowie am 6. Dezember 1952 über die »Zionistische Agentur des USA-lmperialismus«. Am 27. Dezember 1951 hatte die ZPKK beschlossen: »Genosse Krausz erhält das Mitgliedsbuch. Begründung: Die durchgeführte Untersuchung ergab, daß Georg Krausz vor 1933 und in der Illegalität bis zu seiner Verhaftung der Fraktion der Versöhnler angehörte, daß er in der Illegalität nicht zur engeren Berliner Reichsleitung der Versöhnler gehörte. Genosse Georg Krausz war von 1936 bis 1945 im Zuchthaus und KZ und anschließend von unseren Freunden bis 1948 festgesetzt. Aus der Zeit nach 1948 kennen wir keine Tatsachen, wonach er sich erneut fraktionell bestätigte.« 1954/55 stellvertretender Chefredakteur des »Neuen Deutschland«, von 1956 bis 1968 »Redakteur für besondere Aufgaben«, ab 1968 freier Mitarbeiter des SED-Zentralorgans. Von 1957 bis 1967 war Krausz Vorsitzender des Verbandes der deutschen Presse, des späteren VdJ. 1959 verlieh ihm die Universität Leipzig den Dr. h. c. Im gleichen Jahr reiste er acht Monate lang durch Südostasien, berichtete darüber in seinem Buch »Von Indien bis Laos«, das 1960 in Ost-Berlin erschien und lobte in einer Schlußbemerkung besonders die chinesischen Kommunisten. Er erhielt 1964 den Karl-Marx-Orden. Georg Krausz starb am 18. März 1973 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth / Andreas Herbst

Wer war wer in der DDR

Kreft, Harald

* 26.11.1930

Geb. in Rügenwalde (Hinterpomm. / Darłowo, Polen); Vater Seemann; Volks- u. Mittelschule; 1946 – 48 Lehre u. Arbeit als Autoschlosser, Montierer u. E-Schweißer in Arnstadt u. Rudisleben; 1948 SED; 1948 – 50 Instrukteur u. FDJ-Sekr. der FDJ-KL in Arnstadt, 1950 – 55 polit. Mitarb. im FDJ-LV Thüringen; 1955 / 56 Studium an der Sonderschule des ZK der SED für Propagandisten in Erfurt; 1956 / 57 Abt.-Ltr. für Agit. u. Prop. der FDJ-BL Erfurt; 1957 – 61 Mitarb. der SED-Stadtbezirksltg. Erfurt-Nord;…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kreikemeyer, Willi

* 11.1.1894 – ✝ 31.8.1950

Am 11. Januar 1894 in Magdeburg-Fermersleben als Sohn eines Schlossers und einer Landarbeiterin geboren, mit seinen vier Geschwistern lernte er früh die Not kennen. Er lernte Dreher und arbeitete in Magdeburg, Düsseldorf und Kiel. 1910 wurde er Gewerkschaftsmitglied und schloß sich der Sozialistischen Arbeiterjugend und 1913 der SPD an. Im Weltkrieg Obermatrose, erhielt er nicht nur das Eiserne Kreuz, sondern auch den Türkischen Roten Halbmond. Seit Dezember 1918 war Kreikemeyer in Magdeburg bei der Deutschen Reichsbahn. 1918 Mitglied der USPD, kurze Zeit später der KPD. 1922 hauptamtliches Mitglied der BL Magdeburg, ab Mai 1923 Sekretär des Freien Eisenbahnerverbandes (der KPD nahestehend). 1924 gehörte Kreikemeyer zum linken Flügel der Partei und wurde Anfang 1924 als Polleiter nach Nordbayern entsandt, um die illegale KPD zu leiten. Von der Polizei fieberhaft gesucht (Polizeibeschreibung: »1,80 m groß, kräftig, kleine Glatze«), da er als Willi und Niran ausgezeichnete Orgarbeit für die Partei leistete. Bei einer Sitzung im Mai 1924 verhaftet, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, aber schon im Juli 1924 aus Bayern ausgewiesen. Er wurde Mitte 1924 Polleiter des Bezirks Mecklenburg. Als Delegierter dieses Bezirks auf dem X. Parteitag 1925 in Berlin nahm er gegen die Ultralinken Stellung. Nach dem »Offenen Brief« 1925 kam Kreikemeyer als Kommissar des ZK nach Niedersachsen, wurde von Mitte 1926 bis 1928 Polleiter in Danzig. 1928 wechselte er zum Münzenberg-Unternehmen und arbeitete bis zur Emigration im Frühjahr 1933 als Geschäftsführer des Neuen Deutschen Verlages. Er ging später in das Saargebiet, nach Frankreich, in die Tschechoslowakei und nach Luxemburg, um, wie er 1949 in seinem Lebenslauf schrieb, illegale Druckmöglichkeiten für die KPD zu beschaffen. In Spanien 1937 Offizier der Republikanischen Armee und der XI. Internationalen Brigade, kam nach schwerer Verwundung bei Madrid nach Frankreich. Im April 1939 heiratete er Marthe Fels (* 19. 3. 1908 – † 25. 9. 1986), eine Elsässerin aus Graffenstaden. Sie arbeitete als Kassiererin bei der »Vereinigung der deutschen Emigranten« in Paris. Willi Kreikemeyer war Angehöriger eines Arbeitsbataillons bei Reims und dann bei Bordeaux, wurde nach der Kapitulation Frankreichs im Sommer 1940 entlassen und konnte sich legal in Toulouse und später in Marseille aufhalten. Im Sommer 1940 nahm er im unbesetzten Toulouse Verbindung zum Flüchtlingskomitee der Quäker auf und erhielt von dort Unterstützung für deutsche antifaschistische Emigranten, lernte Noel H. Field kennen, den Repräsentanten des »Unitarian Service Committee« (USC) in Frankreich. Mit deren Hilfe konnte Hunderten zur Flucht verholfen werden, darunter auch vielen deutschen Kommunisten. Kreikemeyer wurde im Oktober 1941 Mitarbeiter von Noel H. Field in Marseille. Zwischen den Ehepaaren Field und Kreikemeyer entstand ein freundschaftliches Verhältnis, das nach Kriegsende nicht abbrach. Nach der Befreiung von Paris gingen die Kreikemeyers in die französische Hauptstadt, wo er bis Februar 1946 Leiter der »Union Immigrés allemands antinazis« war und die Repatriierung deutscher Emigranten organisierte. Mitte Februar 1946 traf Kreikemeyer in Berlin ein. Er wurde am 21. Februar persönlicher Referent des stellvertretenden Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn, dann Vizepräsident der Reichsbahndirektion Berlin, im März 1947 deren Präsident und am 20. Januar 1949 Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn. Als die KP Ungarns 1949 Noel H. Field fälschlich der Spionage für die USA bezichtigte, mußte jeder Funktionär, der mit ihm zu tun hatte, der ZPKK Aussagen machen, Berichte schreiben usw. Da Kreikemeyer sich keiner Schuld bewußt war, informierte er wahrheitsgetreu, warf sich nur selbst vor, als alter, erfahrener Kommunist nicht erkannt zu haben, daß Field ein Spion war. Bereits am 30. März 1950 hatte die Sonderkommission der ZPKK im Fall Kreikemeyers »schwere Bedenken gegen den Genossen Kr.« erhoben. Im August 1950 verbrachte die Familie Kreikemeyer ihren Urlaub an der Ostsee, wo am 24.August 1950 (dem Tag, an dem der Beschluß des ZK über Field gefaßt wurde), ein Abgesandter der ZPKK von Berlin bei ihnen eintraf, der Kreikemeyer zu einer Aussprache einzuladen hatte, und sie fuhren am 25. August gemeinsam nach Berlin. An jenem Morgen des 25. August hatte »Neues Deutschland« das Kommunique der ZK-Tagung abgedruckt. Willi Kreikemeyer und der Funktionär der ZPKK wurden am SED-Parteihaus abgesetzt, Marthe Kreikemeyer nach Hause gefahren und seitdem haben sie sich nicht mehr gesehen. Mittags übergab ein Vertreter des MfS eine handgeschriebene Mitteilung von Kreikemeyer, darin bat er seine Frau, eine Haussuchung zu gestatten, alles beruhe auf einem Irrtum, der sicher bald geklärt werde, sie solle Geduld haben und ruhig abwarten. Um diese Zeit war Kreikemeyer – was seine Frau nicht wissen konnte – bereits aus der SED ausgeschlossen und im Gefängnis. Am 9. September schloß der Zentralvorstand der IG Eisenbahn im FDGB sein Mitglied Kreikemeyer aus und verpflichtete alle Instanzen der Industriegewerkschaft, in Belegschaftsversammlungen zu diesem Fall und zur Frage der »Wachsamkeit gegen Agenten« Stellung zu nehmen. Fast hysterisch wurden weitere »Beweisstücke für das agentenfeindliche Verhalten des Willi Kreikemeyer« vorgelegt. Am 25. Oktober 1950 veröffentlichte »Neues Deutschland« einen Bericht der Zentralen Kommission für Staatliche Kontrolle unter der Überschrift »Einige Materialien über Sabotage durch Bürokratismus, dargestellt an dem Fall Kreikemeyer«. Für Marthe Kreikemeyer wurde die Situation immer bedrohlicher. Verhöre beim Ministerium für Staatssicherheit dauerten bis in die Nacht, sie floh nach West-Berlin und ging im Februar 1955 nach Frankreich. In Strasbourg arbeitete sie als Sekretärin in einer Rheinreederei und bemühte sich hartnäckig um Aufklärung über das Schicksal ihres Mannes. Mehrmals schrieb sie an Ministerpräsident Otto Grotewohl, der ihre Post an eine Kommission weitergab. Diese beschloß auf ihrer Sitzung vom 25. April 1956 unter Punkt 7: »den staatlichen Organen zu empfehlen, der Frau Kreikemeyer keine Antwort zukommen zu lassen, da sie selbst Ausländerin ist und im Ausland lebt«. Daraufhin verbreitete Marthe Kreikemeyer am 3. August 1956 über den Sender Freies Berlin, »nach sechs Jahren Wartens bin ich nicht mehr gewillt, irgendwelche Rücksichten zu nehmen, denn das, was sich die DDR gerade auf dem Gebiet der Justiz leistet, kann der Sache des Sozialismus nicht dienen, sondern nur schaden«. Im März 1957 erfuhr Marthe Kreikemeyer, daß ihr Mann inzwischen »rehabilitiert«, aber verstorben sei. Am 9. Juli 1957 erhielt sie dann offiziell Nachricht vom Stadtbezirksgericht Berlin-Prenzlauer Berg. Darin wurde ihr mitgeteilt, daß nach Prüfung der »glaubhaft gemachten Angaben«[!] des »Antrages der Obersten Staatsanwaltschaft der DDR vom 24. 6. 1957 Willi Kreikemeyer am 31. August 1950 in Berlin verstorben«, aber »eine Eintragung in das Sterbebuch seinerzeit verabsäumt worden« sei. Leo Bauer, der am 24.August 1950 zusammen mit Kreikemeyer verhaftet worden war, erklärte dagegen, daß Kreikemeyer ihm noch Monate nach der Verhaftung gegenübergestellt wurde. Der wirkliche Grund und das Datum von Kreikemeyers Tod wurden weiterhin vertuscht. Marthe Kreikemeyer hatte inzwischen auf die »Todeserklärung« reagiert und gegen die »Feststellung« des Todesdatums protestiert. Sie verlangte, daß, falls ihr Mann tatsächlich gestorben sei, ihr ein ärztliches Attest vorgelegt werde mit Angabe der Todesursache und des Ortes, wo er begraben liege. Sie schrieb an Hermann Matern: »Angesichts der ungeheuren Verbrechen, die in den letzten Jahren begangen wurden und die in vielen anderen Ländern des sozialistischen Lagers selbstkritisch zugegeben wurden, wobei sich die S.U. besonders auszeichnete, kann ich wohl erwarten, daß zumindest diese primitivste Menschenpflicht gegenüber meinem Mann und mir erfüllt wird.« Darauf wartete Marthe Kreikemeyer vergeblich. Erst nach 1990 wurde bekannt, daß der Staatssekretär im MfS, Erich Mielke, Kreikemeyer in dessen letzten Tagen und Stunden persönlich verhörte und ihn aufforderte, »schriftlich und rückhaltlos seine Schuld zu bekennen und danach nie wieder eine Aussage zu machen, wer es auch sei, der sie von ihm verlange«. Mielke war Kreikemeyer unter dem Decknamen Fritz Leistner aus Spanien und Richard Hebel aus Frankreich bekannt. Deshalb erinnerte er bei den ZPKK-Verhören daran, daß Mielke selbst ihn damals aufgesuchte hatte, um mit seiner Unterstützung nach Mexiko zu gelangen. 1950 hätte die Offenlegung solcher brisanter Tatsachen für den MfS-Staatssekretär gefährlich werden können. Bis heute ist nicht restlos geklärt, wie, durch wen und wann Willi Kreikemeyer starb. Die »russische Variante« (Überstellung an die sowjetischen Organe) und Ermordung in der UdSSR ist ebenso unwahrscheinlich wie ein Selbstmord, denn für diese beiden Versionen gibt es keine Unterlagen, sie wären sonst für den »internen Gebrauch«, zur Rechenschaft gegenüber dem Politbüro, dokumentiert worden. Kein Arzt durfte den Leichnam untersuchen, er wurde heimlich beseitigt, verbrannt oder an einem unbekannten Ort verscharrt. Willi Kreikemeyer wurde ermordet, ein Opfer seiner eigenen Genossen. Wie die stalinistischen Säuberungen generell, ist sein Fall ein Beispiel für die barbarischen Methoden, mit denen auch innerhalb stalinistischer Parteien Menschen verfolgt und »vernichtet« wurden. Eine Arbeit über Willi Kreikemeyer von Wolfgang Kießling erschien 1998 unter dem Titel »Leistner ist Mielke – Schatten einer gefälschten Biographie«.Bernd-Rainer Barth

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kress, Willi

* 9.11.1903 – ✝ 21.1.1926

Geboren am 9. November 1903 in Hanau; kaufmännische Ausbildung. Pfingsten 1918 schloß sich der 15jährige der FSJ an. 1919 gehörte er bereits zur Leitung der FSJ-Ortsgruppe Hanau und war 1920 Vorsitzender der KJD in Karlsruhe. Ab Juli 1920 im Rheinland, wirkte er zunächst als Orgleiter, dann als Polleiter der KJD Rheinland/Westfalen-Süd. Auf dem 7. Reichsjugendkongreß 1923 in Chemnitz wurde Kress in das ZK der KJD gewählt und war von September 1922 bis Februar 1923 Sekretär des KPD-Oberbezirk West in Düsseldorf. Kress gehörte im ZK des KJVD zur Mittelgruppe. 1924 Sekretär in Württemberg, später war er im Sekretariat des KJVD in Berlin unter Hermann Jacobs bzw. Konrad Blenkle für »Gegnerarbeit« zuständig. Am 8. Oktober 1924 verhaftet und wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« vom 4. Senat des Reichsgerichts zu acht Monaten Zuchthaus verurteilt, die er in Cottbus verbüßte. Kress protestierte gegen seine Verurteilung mit einem Hungerstreik und wurde am 26. Juni 1925 entlassen. Nur drei Wochen später gehörte er zur deutschen Delegation, die zum IV. Weltkongreß der KJI im Juli 1925 nach Moskau reiste. Zurückgekehrt erkrankte Kress schwer und konnte deshalb das Ressort »Gegnerarbeit«, das er nach dem 9.Reichskongreß des KJVD in Halle im Oktober 1925 im Sekretariat wieder übernommen hatte, nicht mehr ausüben. Willi Kress starb am 21. Januar 1926. Die »Rote Fahne« würdigte ihn am 24.Januar 1926 mit einem Nachruf.

Wer war wer in der DDR

Kraatz, Helmut

* 6.8.1902 – ✝ 13.6.1983

Geb. in Wittenberg; Vater Bäckermstr.; Gymnasium in Wittenberg; 1922 – 28 Med.-Studium in Halle, Berlin u. Heidelberg, hier 1928 Prom.; 1928/29 Assistenzarzt in Hamburg; 1929 Schiffsarzt; 1930 Assistenzarzt an der Univ.-Frauenklinik Berlin (b.  Walter Stoeckel); 1940 Habil.; 1941 Doz.; NSDAP; 1941 – 44 Einberufung zum Militärdienst als Marinearzt. 1944 – 49 Oberarzt an der Univ.-Frauenklinik Berlin; 1948 hier Prof. mit Lehrauftrag; 1949 – 51 Ordinarius für Frauenheilkunde an der MLU Halle;…

Wer war wer in der DDR

Krahl, Toni

* 3.10.1949

Geb. in Berlin; 1968 Haftstrafe (später zur Bewährung ausgesetzt) wegen Flugblattaktion u. Protestdemonstration gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR; 1973 – 75 Musikschule Berlin-Friedrichshain (Spezialkl. Tanzmusik); College-Formation; ab Mai 1975 Sänger der Rockgr. City (gegr. 1972 von Fritz Puppel u. Klaus Selmke); erster Erfolgstitel »Am Fenster«; 1979 Filmmusik »Bis daß der Tod euch scheidet« (R:  Heiner Carow), erste LP »Am Fenster« (auch in der Bundesrep. Dtl.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kramer, Richard

* 21.4.1895 – ✝ 28.1.1974

Geboren am 21. April 1895 zu Küdow/Krs. Neuruppin; Landwirt in Miersdorf-Wustermark. Mitglied der KPD, Funktionär der BL Berlin-Brandenburg. Im April 1932 im Wahlkreis Frankfurt/Oder in den Preußischen Landtag gewählt. Vom 28. Februar 1933 bis 31. Juli 1933 lebte Kramer illegal in Berlin, Bitterfeld und Halle. Am 1. August 1933 wurde er verhaftet und war bis Mitte April 1934 in »Schutzhaft« in Berlin-Plötzensee und in Brandenburg. Ende November erneut festgenommen, saß er bis Ende Januar 1937 in Königs Wusterhausen im Gefängnis. Von August bis November 1940 in Potsdam inhaftiert, dann nochmals im Zusammenhang mit der Gestapoaktion »Gewitter« im August 1944 in das KZ Sachsenhausen gebracht, aus dem er im Dezember 1944 entlassen wurde. Er trat nach dem Krieg politisch nicht mehr hervor, wohnte in Westdeutschland. Richard Kramer starb am 28.Januar 1974 in Nümbrecht/Krs. Gummersbach.

Wer war wer in der DDR

Kratsch, Günther

* 21.10.1930 – ✝ 9.5.2006

Geb. in Monstab (b. Altenburg); Vater kfm. Angest.; 1937 – 45 Volksschule. 1945 – 48 Verkäuferlehre; 1948 – 50 Arbeiter im Konsum Meuselwitz; 1950 SED; 1950 Sekr. der NF Meuselwitz; 1951 Mitarb. des MfS, Dienststelle Altenburg; 1952 Versetzung zum MfS Berlin, Abt. II (Westarbeit); 1960 Abt.-Ltr. in der HA II (Spionageabwehr); 1960 – 65 Fernstudium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1973 stellv. Ltr., 1976 Ltr. der HA II; (Nachf. von  Werner Grunert); 1977 Prom. zum Dr. jur. an der JHS…

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Kraus, Werner

* 14.6.1898 – ✝ 12.11.1964

Geboren am 14. Juni 1898 in Lüdenscheid; Bauarbeiter. 1923 trat Kraus der KPD bei, 1929 als hauptamtlicher Funktionär Orgleiter des KPD-Bezirks Pommern, 1931 Polleiter. Im April 1932 wurde er im Wahlkreis Pommern als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt und im März 1933 auch in den Reichstag. Er nahm noch im Februar 1933 an der letzten Tagung der KPD-Führung in Ziegenhals bei Königs Wusterhausen teil, blieb bis April 1933 Polleiter der BL Pommern und wechselte dann nach Ostpreußen. Im Juli 1933 in einem illegalen Quartier in Königsberg verhaftet, wurde Kraus ein aktiver V-Mann für die NSDAP in der KPD. Er denunzierte alle ihm bekannten Kommunisten aus Ostpreußen und Pommern. Seinem Verrat fielen (nach Ermittlungen des Kippenberger-Apparates) allein in Ostpreußen 170 KPD-Funktionäre und aktive Mitglieder zum Opfer. Bereits 1933 offiziell SA-Sturmführer, ließ er in Zusammenarbeit mit der Gestapo drei illegale Zentralstellen der Kommunisten (der KPD, der RGO und der Sporteinheit in Berlin) auffliegen. Außerdem war er maßgeblich verantwortlich für die Liquidierung der illegalen KPD in Ostpreußen (wie er in seinem Bericht an die Gestapo im Jahre 1936 selbst hervorhob). Dafür und auf Antrag der SA-Führung wurde eine gegen ihn im November 1934 vom Generalstaatsanwalt beim Kammergericht Berlin eröffnete Anklage wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« eingestellt. Kraus wurde Mitglied der NSDAP, hauptamtlich im Propagandareferat der SA für Presse und Propaganda tätig. Ab 1937 bekam er einen »Ehrensold« von 300 Mark und für seine vier Kinder 150 Mark Kindergeld. Als er 1936 zu einer Reportage über die SA im Kurischen Haff fuhr und dabei die Grenze überschritt, wurde er von Litauischen Zöllnern verhaftet, kam aber mit drei Tagen Haft davon. Wie er später seinen SA-Vorgesetzten berichtete, hatte er Angst, an die Sowjetunion ausgeliefert zu werden. Denn zu jener Zeit waren von den deutschen Behörden drei Litauer verhaftet und angeblich erschossen worden, so daß Kraus einen Racheakt Litauens befürchten mußte. Während des Krieges als Landwehrmann »u. k.« gestellt, arbeitete er bei der Gruppe Ostland der SA auf einer Planstelle der NSDAP. Nach 1945 konnte Kraus seine Vergangenheit verschleiern, trat keiner Partei mehr bei, lebte und wohnte in Rhumspringe, einem kleinen Ort im Harz in Niedersachsen. Als Betriebsratsvorsitzender seiner Firma betätigte er sich in der Gewerkschaft, der Ortskrankenkasse usw. Obwohl parteilos, war er kurze Zeit über die Liste der SPD Mitglied im Gemeinderat in Rhumspringe. 1962 erlitt er einen Schlaganfall und zog sich zurück. Werner Kraus starb am 12.November 1964 in Rhumspringe.

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Krause, Günther

* 13.9.1953

Geb. in Halle (Saale); 1970 – 72 EOS, Abitur; 1972 – 74 Wehrdienst in der NVA; 1974 – 78 Studium des Bauingenieurwesens u. der Informatik an der HAB Weimar, Dipl.-Bauing.; 1975 CDU; 1980 – 84 außerplanmäßige Aspirantur an der HAB; Praxis im VEB Wohnungsbaukombinat Rostock; 1982 Assistent an der Ing.-HS Wismar, Sekt. Bauwesen; 1984 hochschulpädagog. Abschl., Prom. A; Oberassistent an der Ing.-HS, Ltr. des Wissenschaftsber. Informatik; 1987 Vors. des CDU-Krs.-Verb. Bad Doberan; 1987 Prom. B zum…

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Krause-Rotter, Franz

* 1904 – ✝ 22.4.1926

Franz Rotter wurde 1904 in Böhmen geboren, wo er das Gymnasium besuchte. Aus der Tschechoslowakei siedelte er 1920 nach Deutschland über, studierte in Stuttgart, schloß sich der kommunistischen Studentenfraktion an und trat 1921 der KPD bei. Er war Anhänger der linken Opposition in der Partei. Unter dem Namen Franz Krause übernahm ihn die linke Führung in den hauptamtlichen Apparat der KPD. Zunächst war Krause Leiter der Kommunistischen Jugend im Bezirk Baden. Mitte 1924 wurde er zum Chefredakteur der Saarbrücker »Arbeiterzeitung« berufen und kam Ende 1924 als Redakteur nach Berlin. Nach dem »Offenen Brief« 1925 als Anhänger der linken Opposition nach Thüringen abgeschoben. Dort starb Krause-Rotter 22jährig am 22. April 1926 an einer Infektionskrankheit.

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Krauss, Otto

* 8.11.1884 – ✝ 1.5.1971

Geb. in Gotha; Vater Handwerker; 1901 – 04 Ausbildung zum Bankkfm.; 1904/05 Bankkfm. bei der Bergisch-Märkischen Bank in Elberfeld; 1905/06 Militärdienst; 1906 – 10 Bankkfm. bei der Commerzbank Berlin; 1910 – 21 bei der Dresdner Bank Berlin; 1914 Kriegsfreiw.; 1921 – 45 Filialltr. der Dresdner Bank in Erfurt, zul. Dir.; bis 1933 Mitgl. der Liga für Menschenrechte u. der Dt. Friedensges. 1945 – 52 Filialltr. der Thür. Landesbank; Mitbegr. der LDPD in Erfurt; seit 1946 Stadtverordn., bis 1953…

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Krautter, Kurt

* 27.11.1904 – ✝ 18.6.1978

Geboren am 27. November 1904 in Berlin, Sohn eines Tischlers; lernte Kürschner. 1918 trat er in die Arbeiterjugend, 1922 in die KJD ein und wurde 1924 Mitglied der KPD. 1931/32 in Moskau Praktikant bei der RGI. 1932 kam er nach Deutschland zurück und wurde hauptamtlicher Sekretär im Reichskomitee der RGO. Ab 1933 illegale Arbeit, im September 1933 kurzzeitig inhaftiert, arbeitete Krautter nach seiner Freilassung unter Leitung von Emil Pietzuch in einer Aufklärungs- und Sabotagegruppe (»Antikriegsarbeit«), die Deutschland bei Kriegshandlungen mit der Sowjetunion durch Diversions- und Sabotageakte schwächen sollte. Vom Frühjahr bis Spätsommer 1936 war Krautter Polleiter der Prager Emigration, anschließend Polleiter in Teplice. Dem vermeintlichen Münzenberg-Anhänger Krautter verweigerte die Kaderkommission den Einsatz in Spanien. Im März 1937 ging er nach Dänemark und arbeitete mit an der illegalen Zeitschrift »Breve fra Tyskland«. Im Juni 1940 inhaftiert, zwei Monate später nach Deutschland ausgeliefert und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, ab 1943 im KZ Buchenwald. Im Juli 1945 kam er wieder nach Berlin und arbeitete zunächst als Schaffner und Personal-Sachbearbeiter bei der BVG. Er wurde Vorsitzender der Gesamtbetriebsgruppe der KPD in der BVG. Von Ende 1946 bis Dezember 1947 Referent in der SED-Landesleitung Groß-Berlin und ab Januar 1948 erneut Sachbearbeiter in der Revisionsabteilung der BVG. Krautter wurde nach einem »Volksrichterlehrgang« Vernehmungs- bzw. Haftrichter beim Amtsgericht Berlin-Mitte. 1952 zum Landgerichtsrat ernannt, war er fast ausschließlich als Haftrichter für das MfS tätig. Er erhielt 1974 den VVO in Gold. Kurt Krautter starb am 18. Juni 1978.

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Kreft, Helene

* 25.1.1897 – ✝ 5.6.1974

Geboren am 25. Januar 1897 in Danzig als Helene Kletzin, Tochter eines Maurers; arbeitete zunächst als Hausgehilfin und lernte Schneiderin. Im Juli 1920 trat sie in die KPD ein, war Zellenkassiererin und Frauenleiterin und gehörte der KPD-BL Danzig an, von 1923 bis 1929 Abgeordnete im Danziger Volkstag. 1929 mußte sie aus gesundheitlichen Gründen ihr Mandat niederlegen. Ihr Mann August Kreft (* 15. 8. 1897 – † 11. 5. 1966), ein Hafenarbeiter, war von 1931 bis 1933 Leiter des Internationalen Seemannsklubs in Danzig. Ab 1931 betätigte sich Helene Kreft für die IAH und war Vorsitzende des Roten Frauen- und Mädchenbundes im Bezirk Danzig. 1935 kandidierte sie auf der Liste »Wähler kommunistischer Weltanschauung« und beteiligte sich an der Vorbereitung der Wahl, die bereits stark unter dem Nazi-Terror litt. Helene Kreft war 1937 die letzte gewählte Abgeordnete der Opposition, die im Danziger Volkstag das Mandat niederlegte. Ab 1937 gehörte sie der illegalen Leitung der KPD für Danzig an und hielt Verbindung zur illegalen KP Polen bis zu deren Auflösung. Von 1935 bis 1945 arbeitete sie als Schneiderin. Nach dem Einmarsch der Roten Armee war sie zunächst in der Führung der Danziger Kommunisten und organisierte die sogenannten Antifa-Transporte nach Deutschland. Anfang August 1945 traf sie im mecklenburgischen Krakow am See ein und kam auch hier in die örtliche KPD-Leitung. Seit Anfang 1947 lebte sie in Greifswald, dort 1947/48 Leiterin des Frauensekretariates der SED, 1949/50 Sekretärin des DFD, anschließend Angestellte beim Kreisausschuß der Nationalen Front bzw. bei der Konsumgenossenschaft Greifswald. Helene Kreft starb am 5. Juni 1974 in Greifswald.

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Kreiser, Lothar

* 19.6.1934

Geb. in Arnsdorf (b. Dresden); Vater Landarb.; nach dem Grundschulabschl. 1949 – 52 Ausbildung zum Werkzeugmacher; Abitur an der ABF Leipzig; 1954 – 59 Studium der Philos. mit Zweitfach Mathematik an der KMU Leipzig; 1956 – 89 SED; ab 1959 Aspirantur mit Teilstudium Mathematik an der HU Berlin, 1962 Prom. mit der Arbeit »Philosoph. Probleme des Erkenntnisprozesses in der Mathematik«; 1962 Assistent, 1963 Oberassistent am Inst. für Philos. der KMU; 1967 Habil. mit »Untersuchungen zur Möglichkeit…

Wer war wer in der DDR

Kresse, Walter

* 11.3.1910 – ✝ 4.2.2001

Geb. in Leipzig, Vater Arbeiter; Volksschule, Öffentl. Höhere Handelslehranstalt, kfm. Lehre; ab 1927 kfm. Angest.; Funktionär der Turnerjugend im Arbeiter-Turn-u.-Sport-Bund; 1928 KJVD u. KPD; ab 1931 Mitgl. der BL Sachsen des KJVD, Ltr. für Agit./Prop.; 1933 Verhaftung u. Verurteilung zu drei Jahren Zuchthaus, Strafvollzug in Waldheim u. Zwickau; ab 1942 Kriegsdienst im Strafbat. 999; gerät 1943 bei Tunis in amerik. Kriegsgefangenschaft. 1946 Rückkehr aus den USA (Alabama) nach Leipzig; FDGB…

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Krabbe, Katrin

* 22.11.1969

Geb. in Neubrandenb.; Vater Trainer (Fußball); POS; Studium der Pädagogik, Unterstufenlehrerin; seit 1981 aktiv in der Leichtathletik (Spezialdisz.: Sprint) beim SC Neubrandenb. (Trainer: Otto Guth, dann Thomas Springstein); 1987 Siegerin mit der 4 x 100-m-Staffel bei den Junioren-Europameisterschaften; 1988 Siegerin über 200 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel bei den Junioren-Weltmeisterschaften; 1988 Teiln. an den Olymp. Spielen; 1988 Junioren-WR; 1989 Siegerin über 100 m u. mit der 4 x…

Wer war wer in der DDR

Kramer, Erwin

* 22.08.1902 – ✝ 10.11.1979

Geb. in Schneidemühl (Westpr./Piła, Polen); Vater Lokomotivführer; 1908 – 12 Volksschule, 1912 – 19 Realschule; 1919 KJD; 1920 – 22 Praktikant im RAW Schneidemühl; 1923 – 29 Studium der Elektrotechnik u. Eisenbahnwiss. an der TH Berlin, Ing.; 1924 – 27 Mitgl. des Roten Studentenbunds; KJVD; während des Studiums Erwerbstätigkeit in versch. Laboratorien der Berliner Elektroindustrie; 1929 KPD; 1930 – 32 Bauführer bei der Reichsbahndirektion Berlin; Angeh. des M-Apparats der KPD; 1932 Haft in…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kranz, Max Albert

* 7.3.1897 – ✝ 27.5.1982

Geboren am 7. März 1897 in Sedlitz bei Calau; kaufmännische Lehre, arbeitete dann einige Jahre in Delitzsch. Von 1916 bis 1918 Soldat. Von der Front zurückgekehrt, schloß er sich der USPD an und ging 1920 mit deren linkem Flügel zur KPD. Kranz übte in Delitzsch verschiedene Parteifunktionen aus, 1923 hauptamtlicher Sekretär und aktiv an der Vorbereitung des geplanten Oktoberaufstandes 1923 beteiligt. 1924 Anhänger des linken Parteiflügels, im Juni 1924 wurde er als Orgleiter des Bezirks Nordwest nach Bremen entsandt. Delegierter des X.Berliner Parteitags 1925, als Anhänger der Ruth-Fischer-Führung wurde er nach dem »Offenen Brief« 1925 abgelöst und als Parteisekretär nach Osnabrück abgeschoben, dann 1926 nach Ostpreußen versetzt. Kranz blieb Mitglied der KPD, betätigte sich aber nicht mehr hauptamtlich, sondern arbeitete Anfang der dreißiger Jahre als Kraftfahrer in Leipzig. 1933 von den Nazis verhaftet, saß er ein Jahr in »Schutzhaft«. Ab 1944 bewirtschaftete er die Gaststätte »Neue Schänke« in Mehltheuer bei Riesa. 1945 wieder Mitglied der KPD, aber 1950 aus der SED ausgeschlossen, zog er sich politisch zurück. Kranz wurde 1958 wegen angeblicher Steuerhinterziehung verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus Bautzen war er bis zur Rente Gaststättenleiter in Riesa und Oschatz. Max Kranz starb am 27.Mai 1982 in Riesa.

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Kratz, Heinz

* 5.2.1926 – ✝ 31.5.1992

Geb. in Leipzig, Schriftsetzerlehre, Studium an der FS für Polygraphie in Leipzig; danach Red. der Fachztschr. »Zellstoff u. Papier«; 1961 – 64 Ltr. des Verlags für Buch- u. Bibliothekswesen Leipzig; nach Angliederung dieses Verlags 1964 an den Lexikonverlag Bibliograph. Institut Wechsel zum Fachbuchverlag B. G. Teubner, 1966 – 91 Dir. einer Gruppe von Fachverlagen, zu der neben Teubner seit 1964 auch die Akadem. Verlagsgesell. Geest & Portig u. ab 1968 S. Hirzel gehörten. 1991 Reprivatisierung…

Wer war wer in der DDR

Krause, Alfred

* 28.4.1930 – ✝ 19.11.2001

Geb. in Dresden; Vater Arbeiter; 1945 Antifa-Jugend u. FDJ; 1946 SED; kfm. Lehre in Dresden; 1948 Eintritt in die DVP; 1949 Ausbildung an der Polizeischule in Torgau; anschl. Polizeikommissar u. Lehrer an der KVP-Politschule Berlin-Treptow; 1953 – 57 dort Ltr. der Abt. Kader; 1957 – 62 Studium an der Offz.-HS u. an der Militärakad. »Friedrich Engels« in Dresden; 1963 – 64 Politstellv., 1964 – 70 Kdr. des NVA-Motschützenregt. 7 in Marienberg (Erzgeb.), Oberst-Ltn.; 1970 – 72 Studium an der sowj.…

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Krause, Hans

* 22.3.1924

Geb. in Berlin; Vater Kaufm.; ab 1934 Realgymn.; 1942 Notabitur; Einberufung zur Wehrmacht; 1943 wg. Wehrkraftzersetzung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, inhaftiert in den Wehrmachtsgefängnissen Torgau u. Naumburg, 1944 Flucht, hielt sich bis Kriegsende im Spreewald versteckt. 1945 / 46 KPD / SED; Lektor im SWA-Verlag (Verlag der sow. Militärverw.) in Berlin, u. a. redaktionelle Betreuung der ersten sowj. Bücher in der SBZ (Gorki, Majakowski u. a.); 1948 / 49 Schauspielunterricht bei Helene…

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Kraußer, Peter

* 15.12.1941

Geb. in Crawinkel (Krs. Gotha); Vater Maurer; POS; 1956 FDJ; Studium am Inst. für Lehrerbildung Nordhausen u. an der PH Potsdam, Unterstufenlehrer, Erzieher u. Dipl.-Lehrer für Geschichte; 1960 – 64 Lehrer an der Sonderschule in Luckwitz; 1961 SED; 1964/65 Sekr. der FDJ-KL Hagenow, 1965 Instrukteur im FDJ-ZR; 1965 – 68 NVA; 1968 – 71 Instrukteur u. 1971 – 77 stellv. Ltr. der Abt. Prop. im FDJ-ZR; 1973 Prom. zum Dr. phil.; 1976/77 Studium an der PHS; 1977 – 88 pol. Mitarb., 1988/89 Ltr. der…

Wer war wer in der DDR

Krauss, Werner

* 7.6.1900 – ✝ 28.8.1976

Geb. in Stuttgart; Vater Archivrat u. Literaturhist.; Elementarschule u. Gymnasium, Abitur; 1918/19 Militärdienst; 1918 – 22 Studium der Germanistik, Romanistik u. Kunstwiss. an den Univ. München u. Berlin, 1922 – 26 Studium der Hispanistik an der Univ. Madrid, ab 1927 in München; 1929 Prom. zum Dr. phil. bei Karl Vossler an der Univ. München; 1931 – 40 Assistent u. Doz. am Roman. Seminar der Univ. Marburg, 1932 dort Habil. zur span. Lit.-Geschichte; 1942 außerplanmäßiger Prof.; ab 1940 in…

Wer war wer in der DDR

Krawczyk, Stephan

* 31.12.1955

Geb. in Weida; Vater Bergmann, Mutter Briefträgerin; 1974 Abitur; 1974 – 76 Wehrdienst; anschl. Beschäftigungen als Hauswart, Kulturhausmitarb.; 1976 SED; 1978 – 82 Fernstudium im Fach Konzertgitarre an der HS für Musik »Franz Liszt« Weimar; anschl. freiberufl. Liedermacher; 1982 einzige Schallplattenprod. in der DDR (mit der Gruppe »Liedehrlich«); 1984 Umzug nach Berlin; Kontakt zur Künstlerszene im Prenzlauer Berg u. zu opp. Gruppen, zunehmend offen krit.-künstler. Verarbeitung der Themen…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kreft, Paul

* 21.2.1893 – ✝ 29.4.1944

Geboren am 21. Februar 1893 in Wertheim/ Westpreußen; arbeitete als Bau- und Werftarbeiter in Danzig. Von November 1917 bis Mai 1918 Soldat im Weltkrieg. Seit 1920 Mitglied der KPD, leitete er von 1924 bis 1927 die Ortsgruppe Zoppot und war dort auch von 1924 bis 1933 Stadtverordneter der KPD. 1927 in den Volkstag Danzig gewählt, war Paul Kreft zeitweise unter Anton Plenikowski Orgleiter bzw. Kassierer der BL Danzig. Im Juni 1933 zu sieben Monaten Gefängnis und Anfang 1934 zu zwei Jahre und vier Monaten Zuchthaus verurteilt, wurde er im September 1936 entlassen. Im Juni 1937 emigrierte Kreft nach Dänemark, wurde als politischer Flüchtling anerkannt und lebte in Fredericia, wohin ihm auch seine Familie folgte. Kreft arbeitete weiter für die KPD, hatte engen Kontakt zu Konrad Blenkle u. a., war zeitweise Leiter der KPD-Gruppe in Jütland. Nach der Besetzung Dänemarks durch die Wehrmacht wurde er am 26. Juli 1940 in Kopenhagen von dänischer Polizei verhaftet und kam in das Internierungslager Horserod, dann nach Deutschland ausgeliefert und am 11. Dezember 1942 vom Hanseatischen OLG zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Zunächst in Fuhlsbüttel, am 24. April 1943 wurde er in das Zuchthaus Rendsburg/ Schleswig-Holstein verlegt, am 29. April 1944 in das Zuchthaus Brandenburg-Görden, von dort kam er am 23. Juni 1944 in die Strafanstalt Vaihingen an der Enz, wo er am 10.Dezember 1944 an den Haftfolgen starb.

Wer war wer in der DDR

Krenz, Egon

* 19.3.1937

Geb. in Kolberg (Hinterpommern / Kołobrzeg, Polen); Vater Schneider; 1943 – 53 Grundschule in Kolberg u. Damgarten; 1948 Kinderlandbew. Pionierorgan.; 1953 FDJ; Maschinenschlosser im Dieselmotorenwerk Rostock; 1953 – 57 Schüler am Diesterweg-Inst. in Putbus (Krs. Rügen); Sekr. der FDJ-GO; St.-Ex.; 1953 Kandidat, 1955 SED; 1956 Mitgl. der FDJ-KL; 1957 – 59 NVA, FDJ-Funktionen auf Div.-Ebene, Uffz.; 1959/60 2., dann 1. Sekr. der FDJ-KL Bergen; 1960/61 1. Sekr. der FDJ-BL Rostock (Nachf. von…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kresse, Kurt

* 15.5.1904 – ✝ 11.1.1945

Geboren am 15. Mai 1904 in Leipzig; lernte Buchdrucker, schloß sich 1918 der FSJ an. Einige Jahre Bergarbeiter im Ruhrgebiet, 1924 kam er nach Leipzig zurück, wieder Buchdrucker. Im gleichen Jahr Mitglied der KPD, er arbeitete ehrenamtlich für die Partei. Er baute in der Druckerei Giesecke & Devrient, mit über 600 Beschäftigten eine der größten Druckereien Deutschlands, eine Betriebszelle der KPD auf, die er bis zu seiner Entlassung 1927 leitete. Kresse wurde Mitglied der BL Westsachen, arbeitete bei der »Sächsischen Arbeiterzeitung« und war Vorsitzender des Leipziger Arbeitersportvereins Fichte-West. Im Januar 1931 soll Kresse wegen »undisziplinierten Verhaltens« aus der KPD ausgeschlossen worden sein, sich dann aber in der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit »bewährt« haben. 1933 zeitweilig in »Schutzhaft«, wurde er im Juli 1934 verhaftet und wegen Betätigung für die KG zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Kresse stand während des Krieges mit Georg Schumann und Otto Engert an der Spitze der Leipziger Widerstandsgruppe, die eine der größten in Sachsen war. Bis 1944 organisierte er die Betriebsarbeit, knüpfte Verbindungen zu anderen Widerstandsgruppen im Reich und versorgte sie mit illegalen Flugschriften, die vor allem Schumann und Engert verfaßt hatten. Diese Widerstandsgruppe wurde im Juli 1944 von der Gestapo zerschlagen. Am 19. Juli 1944 wurde Kurt Kresse verhaftet, am 21. November 1944 zusammen mit Georg Schumann und Otto Engert zum Tode verurteilt und am 11. Januar 1945 in Dresden hingerichtet. Sein jüngerer Bruder Walter Kresse (* 11. 3. 1910 – † 4. 2. 2001) war vor 1933 Landesjugendleiter der KG für rote Sporteinheit. Im November 1933 verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Von 1937 bis zu seiner Einberufung zum Strafbataillon 999 im Jahre 1942 Buchhalter in Leipzig. Ab Mai 1943 in alliierter Kriegsgefangenschaft, kehrte 1946 nach Deutschland zurück. Ab 1959 Oberbürgermeister von Leipzig, er gehörte bis März 1990 der Volkskammer an. Von 1970 bis 1989 hauptamtlicher Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindetages der DDR. 1980 erhielt er den Karl-Marx-Orden.

Wer war wer in der DDR

Krabbe, Ingeborg

* 13.6.1931

Geb. in Leipzig; ab 1949 Ausbildung an der Staatl. HS für Musik u. Darstellende Kunst in Leipzig; erstes Engagement an den dortigen Städt. Bühnen; 1954 Mitbegr. des Kabaretts »Leipziger Pfeffermühle«; Umzug nach Berlin; ab 1962 zehn Jahre Schauspielerin am Theater der Freundschaft; seit Anfang der 1960er Jahre Filmrollen, Mitwirkung in rd. 300 Produktionen des DFF u. der DEFA, insbes. in Schwänken u. Komödien; erlangte Popularität durch die TV-Serien »Maxe Baumann« (1976 – 87) u. »Drei reizende…

Wer war wer in der DDR

Krämer, Ingrid

* 29.7.1943

Geb. in Dresden; EOS, Abitur; 1955 begann ihre sportl. Laufbahn als Wasserspringerin; 1958 DDR-Mstr. (3-m-Brett) u. 3. Platz (10-m-Turm); 1960 Olymp. Spiele: Siegerin im Kunst- u. Turmspringen; 1960 u. 1962 DDR-Sportlerin des Jahres; Verdienter Meister des Sports; 1962 zweifache EM; 1963 u. 1967 Siegerin im Europapokal; 1964 Olymp. Spiele: Siegerin im Kunstspringen, 2. Platz im Turmspringen; 1967/68 Sportstudium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrerin; 1968 Olymp. Spiele: 5. Platz im…

Wer war wer in der DDR

Krasnogolowy, Hilde

* 3.8.1919 – ✝ 27.7.2010

Geb. in Köln; Vater Arbeiter; Volksschule; Ausb. zur Verkäuferin; im Beruf tätig; 1943 – 45 Lohnrechnerin bei der Wehrmacht. 1945 Landarb.; 1945 – 49 Ortssekr., dann Krs.-Sekr. der Volksolidarität in Großenhain; 1946 SED; 1949/50 Instrukteurin, dann Sekr. der SED-KL Großenhain; 1950 Instrukteurin der SED-KL Berlin-Lichtenberg; 1950 – 52 1. Sekr. der SED-KL Berlin-Treptow; 1953/54 Studium an der PHS; 1954/55 Ass. an der PHS; 1955 – 60 Instrukteurin in der Abt. Frauen des ZK der SED; 1959 – 61…

Wer war wer in der DDR

Kraus, Agnes

* 16.2.1911 – ✝ 2.5.1995

Geb. in Berlin; letzte Schülerin von Leopold Jessner; 1936 erstes Engagement bei Eugen Klöpfer an der Volksbühne Berlin in kleinen Rollen; während des Kriegs in München u. am Mainfränk. Puppentheater. Nach 1945 Engagements in Potsdam u. Wittenberg; 1956 – 76 am Berliner Ensemble (u. a. Rollen in  Bertolt Brechts »Dreigroschenoper«, »Die Tage der Commune«, »Der gute Mensch von Sezuan« und »Brotladen« sowie in Sean O’Caseys »Purpurstaub«); große Popularität erzielte A. K. durch heiter-gutmütige…

Wer war wer in der DDR

Krause, Barbara

* 7.7.1959

Geb. in Berlin; 1965 durch orthopäd. Turnen zum Schwimmsport ermuntert; 1967 Brustschwimmerin in der SG Dynamo »Helmut Just« Berlin; 1970 Wechsel zur KJS u. zum SC Dynamo Berlin (Trainer: Rolf Gläser); Spezialdisz.: Freistil; 1973 erstmalig in der DDR-Auswahl; 1975 WM mit der 4 x 100-m-Freistilstaffel; 1977 EM über 100 m Freistil, mit der 4 x 200-m-Lagen- u. der 4 x 100-m-Freistilstaffel; 1978 WM über 100 m; 1980 Olympiasiegerin über 100 m, 200 m u. mit der 4 x 100-m-Freistilstaffel; VVO;…

Wer war wer in der DDR

Krause, Rudolf

* 19.2.1939

Geb. in Poditau (Krs. Glatz, Schles. / Podtynie, Polen); EOS, Abitur; 1962 Studium der Math. an der Univ. Leipzig, 1962 Staatsexamen, Prom.; 1962 CDU; 1962 / 63 Lehrer an der OS Großdalzig (Krs. Leipzig), ab 1963 an der OS in Markkleeberg-West (Krs. Leipzig), 1979 – 87 an der EOS »Rudolf Hildebrand«; 1987 – 90 stellv. Dir. an einer Spezialschule mit math., naturwiss.-techn. Ausrichtung in Leipzig (heute Wilhelm-Ostwald-Gymn.); 1989 / 90 CDU-Vertreter am Zentralen Runden Tisch; 1989 / 90 Mitgl.…

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Kraushaar, Luise

* 13.2.1905 – ✝ 10.1.1989

Geb. in Berlin; Vater Malermstr.; Lyzeum in Berlin; kfm. Ausbildung u. Arbeit als Angest.; 1919 FSJ; 1920 KJVD; 1923 ZdA; 1924 KPD; 1929 Reichsjugendschule der KPD; ab 1931 Mitarb. des zentr. BB-Ressort im zentr. AM-Apparat (KPD-Nachrichtendienst) in Berlin; ab 1933 illeg. pol. Arbeit für den zentr. M-Apparat in Berlin; März 1934 Emigr. in die ČSR (Prag), anschl. in die UdSSR; 1934/35 Arbeit in der Chiffrierabt. der Abt. Internat. Verbindungen der KI (OMS-Apparat) in Moskau; Dez.1935 im…

Wer war wer in der DDR

Krausz, Georg

* 2.3.1894 – ✝ 18.3.1973

Geb. in Homonna (Österreich-Ungarn/Humené/Slowakei) in einer jüd. Fam.; Vater Prof. an einer Handelsschule, Mutter im KZ Auschwitz ermordet; Volks- u. Handels-HS, Gymnasium in Miskolc (Ungarn); 1912 – 18 Studium der Chemie an der TU Budapest, Kunstgeschichte, Romanistik u. Germanistik an der Univ. in Budapest u. 1914 in Frankreich; 1918 Studienassessor an einer Oberrealschule in der Slowakei; Herbst 1918 Gründungsmitgl. der KP Ungarn; 1918/19 Teiln. an der ungar. Räterev.; Mitgl. des rev.…

Wer war wer in der DDR

Krebaum, Walter

* 27.4.1921

Geb. in Rußdorf; Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Kettenstuhl- u. Textilarb.; Wehrmacht; Ofw. in der Verw. der SS-Div. »Hermann Göring«. 1945 KPD, 1946 SED; Arbeitsgebietsltr. des SED-Landesvorst. Sachsen; später Mitarb. der Abt. Landw. in der SED-Landesltg. Sachsen; Studium an der LPS Sachsen in Ottendorf; ab 1949 zunächst stellv. Ltr., dann bis 1952 Ltr. der Abt. Landw. des ZK der SED (Nachf. von  Rudolf Reutter); 1950 – 54 Kand. des ZK der SED; ab Okt. 1950 Mitgl. der…

Wer war wer in der DDR

Kreikemeyer, Willi

* 11.1.1894 – ✝ 31.8.1950

Geb. in Magdeburg; Vater Schlosser, Mutter Landarb.; Volksschule; 1908 Ausbildung zum Eisendreher; 1910 – 12 SAJ; 1913 SPD; 1913 – 18 Militärdienst (Marine); 1918 USPD; 1919 Spartakusbund; 1920 KPD; 1918 – 23 DMV; 1918 – 22 Dreher im RAW Magdeburg-Buckau; ab 1922 Mitgl. der KPD-BL Magdeburg; 1923 Sekr. im Eisenbahnerverb.; seit 1924 hauptamtl. KPD-Funktionär, u. a. in Nordbayern (dort sechs Mon. Haft), Mecklenb., Hannover u. Danzig; 1928 – 33 Geschäftsf. des Neuen Dt. Verlags unter Willi…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Kress, Wilhelm

* 18.8.1897 – ✝ 31.12.1946

Geboren am 18. August 1897 in Stuttgart-Zuffenhausen; von Beruf technischer Kaufmann. 1917 als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen, wurde politisiert und trat der Spartakusgruppe bei. Seit 1919 lebte er in Berlin, wurde Mitglied der KPD und arbeitete in der Gewerkschaftsabteilung der KPD und im Apparat der Komintern. Wahrscheinlich 1927 im Komintern-Auftrag in China, geriet Kress später in politischen Gegensatz zur Parteilinie und soll Mitglied der KPO geworden sein. Viele KPO-Mitglieder vermuteten, daß er dort für den KPD- und Komintern-Apparat tätig war. 1933 nach Frankreich emigriert, ist Kress 1935 wieder zur illegalen Arbeit nach Berlin zurückgekehrt, wo er sich für den Anschluß der KPO an die KPD einsetzte und deswegen aus der KPO ausgeschlossen wurde. Nach Frankreich zurückgekehrt, wurde er dort bei Kriegsausbruch interniert und im November 1939 zusammen mit seiner Frau Helene, geborene Jaweschitz (* 8. 10. 1902), ausgebürgert. 1943 flüchtete er in die Schweiz. Im September 1945 kehrte Kress nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der KPD, trat aber schon 1946 wieder aus. Ab Mitte 1946 war er öffentlicher Kläger bei der Spruchkammer Stuttgart. Wilhelm Kress starb am 31. Dezember 1946 an Herzversagen.

Wer war wer in der DDR

Kreter, Horst

* 10.12.1927 – ✝ 8.8.2004

Geb. in Essen; Vater kfm. Angest.; Volks- u. Mittelschule, mittlere Reife; 1943 – 45 Wehrmacht; 1945 – 49 sowj. Kriegsgefangenschaft, Mitgl. von Antifa-Komitees, Lehrer an einer Antifa-Schule. 1949 Rückkehr nach Dtl.; NDPD; Abt.-Ltr. bzw. HA-Ltr. im PV der NDPD; 1951 – 54 Studium bzw. Fernstudium an der DASR Potsdam, Dipl.-Staatswiss.; 1952 – 90 Mitgl. des Hauptaussch. der NDPD; 1952 Pol. Geschäftsf. des NDPD-Bez.-Vorst. Neubrandenb.; 1952/53 dort Abg. des Bez.-Tags; 1953 Vors. des…