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In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schulze, Max

* 10.7.1891 – ✝ 8.12.1937

Geboren am 10. Juli 1891 in Jena; dort Mechaniker bei der Firma Zeiss. Vor dem Weltkrieg in der SPD und im Arbeitersport aktiv, kam über die USPD 1920 zur KPD. Schulze war von 1925 bis 1933 Bundeshandball-Leiter des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Wegen des Versuchs der KPD, diesen (wie andere) Arbeiter-Verbände mit Beginn der ultralinken Politik 1929 zu spalten, trennte er sich 1929 von der Partei und trat politisch kaum noch hervor. Schulze emigrierte 1933 über die Tschechoslowakei nach Schweden und ging 1935 in die UdSSR, kam als Spezialist in die Putilow-Werke in Leningrad und war dort auch Mitarbeiter der deutschsprachigen »Roten Zeitung«. Während der Stalinschen Säuberungen am 4. November 1937 verhaftet, vom Staatsanwalt und dem Chef der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Gebiet am 2. Dezember 1937 zum Tode verurteilt und am 8. Dezember 1937 erschossen. Seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Dora Schulze, geborene Künne (* 28. 6. 1908) wurde ebenfalls verhaftet und am 5. 10. 1938 in Orenburg erschossen.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schumacher, Wilhelm

* 5.2.1880 – ✝ 5.10.1938

(* 1880 – † 1938) Geboren am 5. Februar 1880 in Hamburg; lernte Schneider, nach der Lehre Wanderschaft, 1910 Mitglied der SPD. Ende 1913 Sekretär und hauptamtlicher Angestellter der Gewerkschaft (Schneiderverband) in Stuttgart, 1919 Vorsitzender der Filiale Berlin des Schneiderverbandes. 1917 Übertritt zur USPD, seit Gründung 1919 Mitglied der KPD, Funktionär in Berlin. Schumacher war ab 1921 Sekretär der BL Berlin-Brandenburg für Gewerkschaftsfragen, gehörte von 1921 bis 1924 der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Er stand auf dem linken Parteiflügel, gründete Anfang 1924 den kommunistischen »Verband Internationaler Bekleidungsarbeiter«, dessen Vorsitzender und hauptamtlicher Sekretär Schumacher wurde. Zunächst Anhänger der Ruth-Fischer-Führung, geriet er (zusammen mit Paul Kaiser und Paul Weyer) Mitte 1924 in Konflikt mit der Parteilinie, da er die Spaltung der Gewerkschaften propagierte. Als er auf dem V.Weltkongreß der Komintern im Juni/Juli 1924 seine abweichende Haltung vertrat, beschloß die Tagung, »daß die Einstellung von Wilhelm Schumacher und Genossen zur Gewerkschaftsfrage und ihre Tätigkeit in der Gewerkschaftsbewegung den Beschlüssen des V. Weltkongresses der Komintern zuwiderlaufen«. Daraufhin gemeinsam mit Kaiser und Weyer Anfang September 1924 aus der KPD ausgeschlossen. Im September 1925 stand Schumacher (als ehemaliges Mitglied der BL Berlin-Brandenburg) zusammen mit Arkadi Maslow, Paul Schlecht und Anton Grylewicz vor Gericht, bekannte sich dort zum Kommunismus, obwohl er der Partei nicht mehr angehörte. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt, da es unter Amnestie fiel. Schumacher blieb Vorsitzender seiner linkskommunistischen Gewerkschaft und wurde deshalb von der KPD diffamiert. Im April 1933 von der Gestapo verhaftet, blieb er bis Ende Mai 1933 im Berliner Gefängnis Plötzensee in »Schutzhaft«, war danach erwerbslos, aber weiter illegal aktiv. Wilhelm Schumacher starb am 5. Oktober 1938 in Berlin. Sein Sohn Kurt (* 6. 5. 1905 – † 22. 12. 1942) und seine Schwiegertochter Elisabeth, geborene Hohenemser (* 28. 4. 1904 – † 22. 12. 1942), gehörten zur Widerstandsgruppe Schulze-Boysen (»Rote Kapelle«), sie wurden beide im Dezember 1942 in Plötzensee hingerichtet.

Wer war wer in der DDR

Schumann, Fritz

* 8.12.1948

Geb. in Garbisdorf (Krs. Altenburg); Vater Bauer; zehnklassige Volksschule u. landw. Berufsausbildung mit Abitur, Agrotechniker; dann Landw.-Studium an der MLU Halle, Dipl.-Agrar-Ing.; nach Forschungsstudium 1975 Prom. am Lehrstuhl Physiol. u. Ernährung der Kulturpflanzen; 1975 SED; später Mitgl. der KL Staßfurt bzw. der BL Magdeburg der SED; 1977 – 83 Vors. der LPG Groß Börnecke (Krs. Staßfurt); dann bis 1990 Dir. der Agrarindustrie-Vereinigung (AIV) Wanzleben; langj. Mitgl. des Bez.-Vorst.…

Wer war wer in der DDR

Schumann, Michael

* 24.12.1946 – ✝ 2.12.2000

Geb. in Zella-Mehlis (Thür.); Vater Werkmstr.; Grund- u. EOS in Zella-Mehlis, 1965 Abitur; Berufsausbildung zum Rinderzüchter im VEG Rohr; 1965 – 70 Studium der Philos. an der KMU Leipzig, 1970 Dipl.-Phil. (Arbeit über Hegel); 1967 SED; 1970 – 72 NVA; 1979 Prom. zum Dr. phil.; 1972 – 86 wiss. Mitarb., Assistent an der DASR Potsdam; 1983 Prom. B; 1984 Doz.; 1986 ord. Prof.; Mitgl. der Dt. Ges. für Gesetzgebung; 16.12.1989 auf dem außerordentl. SED / PDS-Parteitag Rede »Wir brechen unwiderruflich…

Wer war wer in der DDR

Schümann, Jochen

* 8.6.1954

Geb. in Berlin-Köpenick; EOS, KJS, Abitur; Mitgl. des Yachtclubs Berlin-Grünau; 1972 Spartakiadegewinner; 1974 u. 1975 Junioren-EM; bei den Europameisterschaften in der Finnkl. 1974 4. Platz, 1978 3. Platz, 1979 2. Platz u. 1983 Sieger; 1976 Olymp. Spiele: Sieger; Sportstudium an der DHfK, 1983 Dipl.-Sportlehrer; 1983 – 89 Mitarb. des Wiss. Zentrums des DDR-Segler-Verb.; 1984 wechselte er mit Thomas Flach u. Bernd Jäckel zur Soling-Kl. als Mannschaft; 1986 EM; bei den Weltmeisterschaften 1986:…

Wer war wer in der DDR

Schürer, Gerhard Paul

* 14.4.1921 – ✝ 22.12.2010

Geb. in Auerbach (b. Zwickau); Vater Anstreicher, Fabrikarbeiter; Mutter Friseuse; Volksschule in Auerbach (Sachsen); 1936 – 39 Ausbildung zum Maschinenschlosser an der Gewerbeschule Zwickau; 1936 – 39 Flieger-HJ, Segelflieger; 1939 RAD; 1939 – 45 Wehrmacht, Luftwaffe, 1942 nach schwerem Flugunfall »frontuntauglich«, 1942 – 45 Fluglehrer u. a. in Pilsen u. Dresden-Klotzsche, Uffz. 1945/46 Erdarb.; Juni – Okt. 1945 Stahlbauschlosser im Elbtaleisenwerk in Dresden; 1946 Autoschlosser, Nieter,…

Wer war wer in der DDR

Schuster, Hans

* 4.12.1928

Geb. in Freital; 1944/45 Marinehelfer, 1945 Kriegsgefangenschaft. 1946 – 48 Neulehrer; 1946 KPD/SED; 1948 – 51 Studium der Körpererziehung u. Geschichte an der Univ. Leipzig; 1956 Prom. zum Dr. paed.; 1956 – 60 stellv. Vors. des Staatl. Komitees für Körperkultur u. Sport (1957/58 amt. Vors.); 1960 – 65 u. 1967 – 69 Dir. der Forschungsstelle der DHfK in Leipzig; 1965 – 67 Rektor der DHfK (Nachf. von Heinz Schwieltmann); 1969 – 90 Dir. des Forschungsinst. für Körperkultur u. Sport (FKS) in…

Wer war wer in der DDR

Schütt, Harry

* 4.11.1930

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Volksschule. 1945 – 49 Lehre u. Arbeit als Kfm.; 1949 Verkaufsstellenltr. in Grevesmühlen; 1949 SED; 1950 Einstellung bei der VP-See, Kadersachbearb.; 1951 Einstellung beim MfS, Abt. I (VP-Bereitschaften), Rostock; 1956 Versetzung zur HVA-HA I (pol. Spionage), MfS Berlin; dann HVA-Abt. IV (Wirtschaftsspionage); 1962 stellv. Ltr., 1966 Ltr.; 1967 – 70 Fernstudium an der HU Berlin, Dipl.-Kriminalist; 1975/76 Besuch der PHS der KPdSU in Moskau; 1977 Ltr. der…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schütz, Max

* 10.8.1894 – ✝ 25.4.1961

Geboren am 10. August 1894 in Greiz; lernte Schlosser. 1913 Mitglied der SPD. 1914 zur Marine eingezogen, bis 1918 Soldat. Danach arbeitete er bei der Reichsbahn. 1917 war er der USPD beigetreten und ging 1919 zur KPD, übte im Ruhrgebiet verschiedene ehrenamtliche Parteifunktionen aus. 1920 Delegierter des Vereinigungsparteitags mit der USPD, ab 1921 hauptamtlicher Sekretär der KPD im UB Gelsenkirchen. Delegierter auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 und auf dem VIII. Leipziger Parteitag 1923, dort als Kandidat in den ZA gewählt. Schütz gehörte im Ruhrgebiet zu den Anhängern der Linken. Auf dem IX. Parteitag 1924 wurde er als einer ihrer Führer in die Zentrale der KPD berufen und auch ins Polbüro aufgenommen. Er kam als einer der »Proletarier« (wie Paul Schlecht, Ernst Thälmann oder Wilhelm Schwan) in die Spitze der Fischer-Maslow-Führung nach Berlin, dort leitete er die Gewerkschaftsarbeit der KPD. Im Mai 1924 zog Schütz im Wahlkreis Westfalen-Süd in den Reichstag ein und wurde auch im Dezember 1924 wiedergewählt. Er hatte viele Freunde in allen Bevölkerungskreisen und lebte zeitweise sehr aufwendig, was bald Angriffe hervorrief. Deswegen führte er im Juli 1925 einen Beleidigungsprozeß gegen die SPD-Presse in Gelsenkirchen. Der Redakteur der SPD-Zeitung konnte seine Behauptungen eines »moralwidersprechenden und strafbaren Verhaltens« von Schütz nicht nachweisen und nahm sie zurück. Doch wegen der Pressekampagne zu seiner Person wurde Schütz, obwohl er in der Auseinandersetzung mit den Ultralinken hinter Ruth Fischer stand, vom X. Parteitag 1925 nicht wieder ins ZK gewählt. Bis zum »Offenen Brief« politischer Mitarbeiter des ZK in Berlin, dann aber abgelöst, weil er zur engeren Fischer-Maslow-Führung gezählt hatte. Schütz ging zur linken Opposition, unterschrieb den »Brief der 700« und wurde am 27.November 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Bis 1928 gehörte er im Reichstag zur Gruppe der linken Kommunisten, schloß sich jedoch weder dem Leninbund noch andern linken Gruppen an. Nachdem 1928 sein Reichstagsmandat erlosch, Akquisiteur, u. a. einige Zeit für die Zentrumspresse, aber auch für die Inseratenwerbung der KPD-Presse, trat jedoch nicht mehr hervor. Bekannt wurde er dann nochmals wegen seiner Haltung in der Affäre Leow. Willy Leow hatte im Oktober 1929 Max Schütz in einer Versammlung angegriffen, woraufhin dieser nachzuweisen drohte, daß Leow bereits bei der März-Aktion 1921 Parteigelder unterschlagen habe. Als die SPD-Presse diesen Brief veröffentlichte, distanzierte sich Schütz von der SPD. Ohne Zustimmung des ZK wurde er 1930 von der KPD-Ortsgruppe Glienicke/Krs. Niederbarnim (wohin er aus Berlin übergesiedelt war) wieder als Mitglied aufgenommen. 1934/35 arbeitete er als Vertreter für den Zentrumspressewerbedienst, von 1936 bis 1943 für den Arnim-Verlag. 1945 trat Schütz in Glienicke erneut in die KPD ein, spielte dort zeitweise eine führende Rolle, ab April 1946 Mitglied der SED, amtierte er auch als Bürgermeister von Glienicke. Bei den Parteiüberprüfungen 1950 aus der SED ausgeschlossen, flüchtete er in den Westen, in der Bundesrepublik nicht mehr politisch aktiv. Max Schütz starb am 25. April 1961 in Offenbach/Main.

Wer war wer in der DDR

Schwabe, Ernst-Otto

* 2.6.1929

Geb. in Berlin; Vater Uhrmacher; Volks- u. Oberschule; 1945 – 47 Lehre u. Arbeit als Maurer; 1947 / 48 Russischlehrer an einer Grundschule u. Deutschlehrer bei der SMAD in Berlin-Karlshorst; 1948 – 52 Studium der Slawistik u. Gesch. an der Päd. Fak. der HU Berlin; 1948 SED, 1953 Instrukteur der SED-KL Berlin-Lichtenberg; 1953 – 56 Übersetzer u. Redakteur beim Informationsbüro der Kommunist. u. Arbeiterparteien (Kominform) in Bukarest; 1956 – 59 Instrukteur in der Abt. Außenpolitik bzw. Internat.…

Wer war wer in der DDR

Schwabe, Uwe

* 4.5.1962

Geb. in Portitz (b. Leipzig); Mutter Kämmereifacharb.; POS, 1976 Abschluß der 10. Klasse; 1978 – 80 Ausbildung zum Instandhaltungsmechaniker im VEB Wasserwirtschaft Leipzig; 1981 – 84 NVA; 1988 Verweigerung des Reservedienstes; Arbeit in versch. Betrieben als Instandhaltungsmechaniker u. Stahlbauschlosser, 1988 – 90 als Hilfskrankenpfleger in einem Altenheim der Inneren Mission; 1987 Mitbegr. der Initiativgruppe Leben, der ersten opp. Gruppe in Leipzig außerhalb der Kirche; intensive Bearbeitung…

Wer war wer in der DDR

Schwager, Erich

* 9.1.1939

Geb. in Wien; Vater Schlosser, Mutter Schneiderin; mittlere Reife; 1954 – 56 Lehre als Betriebsschlosser; 1956 – 62 NVA, zul. Zugführer; 1962 Einstellung beim MfS, HA I (Abwehr in der NVA); 1966 – 69 Studium an der JHS Potsdam-Eiche, Dipl.-Jur.; 1971 – 75 Studium an der Militärakad. »Frunse« in Moskau; 1975 stellv. Ltr. der Abt. Äußere Abwehr des MfS; 1979 dort Ltr. des Bereichs Grenzkdo. Nord; 1983 Offz. für Sonderaufg. in der HV A, Abt. III; 1987 Oberst; 1987 Offz. für Sonderaufg.; 1988 Ltr.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schulze, Hermann

* 4.4.1897 – ✝ 11.9.1967

Geboren am 4. April 1897 in Gera-Untermhaus, Sohn einer Weberfamilie; lernte Schlosser und arbeitete in Textilfabriken. 1916 Mitglied der SPD, im Weltkrieg aktiv in der Spartakusgruppe, Teilnehmer der linksradikalen Jugendkonferenz in Jena 1916, 1917 Mitglied der USPD. Schulze nahm als Gast am Gründungsparteitag der KPD Ende 1918 in Berlin teil. Vorsitzender der KPD in Gera, dort bis 1929 Stadtrat. Er wurde 1924 und erneut 1927 in den Thüringer Landtag gewählt und war in der BL Thüringen Sekretär für Kommunalpolitik. Bei den Auseinandersetzungen in der Thüringer KPD 1928/29 schloß er sich (wie fast die ganze Fraktion) der KPO an und war dann in der KPO-Thüringen tätig. Er saß 1933 in »Schutzhaft« im KZ Sulza. 1939 Einberufung zur Wehrmacht, abkommandiert zur Bewachung von englischen und französischen Kriegsgefangenen. Schulze wurde 1943 verhaftet unter dem Verdacht, eine illegale Organisation zur Unterstützung der Kriegsgefangenen aufgebaut zu haben, in die Militärstrafanstalt Naumburg eingeliefert, aber vom Kriegsgericht im April 1944 nicht verurteilt. 1945 trat Schulze der SPD bei, war Bezirksbürgermeister in Gera-Untermhaus. 1946 in die SED übernommen, von 1948 bis 1959 Angestellter in einer Färberei, nach einem Herzanfall arbeitsunfähig, Leiter des Sportamtes und bis 1950 auch Vorsitzender des Wohnungsausschusses für Gera. Als früherer KPO-Funktionär wurde Schulze im Dezember 1950 aus der SED ausgeschlossen mit dem Vorwurf, er hätte »Nazis gedeckt«. Sogar die Verleihung der Medaille »Kämpfer gegen den Faschismus« wurde ihm verwehrt, die VdN-Bezirkskommission Gera erhielt zwischen 1958 und 1967 nicht die dafür notwendige Bestätigung aus Ost-Berlin. Hermann Schulze starb am 11. September 1967 in Gera.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schumacher, Ernst

* 21.2.1892 – ✝ 18.4.1972

Geboren am 21. Februar 1892 in Eßlingen; lernte Werkzeugmacher und ließ sich in Friedrichshafen/Bodensee nieder. 1912 Mitglied der SPD, während des Weltkrieges Verbindung zur Spartakusgruppe, 1919 Übertritt zur KPD. Er war 1920 Delegierter des Vereinigungsparteitages mit der USPD und ab 1922 Sekretär der Metallgewerkschaft in Friedrichshafen. Schumacher wurde 1924 für die KPD in den Württembergischen Landtag gewählt, dem er bis 1928 angehörte. 1924 einige Zeit verhaftet, kam als Abgeordneter frei und blieb Parlamentarier und Mitglied der BL Württemberg. Da er auf dem äußersten rechten Flügel der Partei stand, 1928 nicht mehr als Wahlkandidat aufgestellt. Im Januar 1929 trat er aus der KPD aus, wechselte kurze Zeit danach zur SPD. Schumacher wurde Angestellter des Arbeitsamtes in Friedrichshafen/ Bodensee, übersiedelte 1945 nach Stuttgart, trat wieder der SPD bei und lebte als Pensionär. Ernst Schumacher starb am 18. April 1972 in Stuttgart.

Wer war wer in der DDR

Schumann, Horst

* 6.2.1924 – ✝ 28.12.1993

Geb. in Berlin; Vater Werkzeugschlosser u. KPD-Funktionär; Volksschule; 1938 – 41 Ausbildung zum u. Tätigkeit als Klavierbauer; 1940 – 45 Angeh. der kommunist. Widerstandsgr. des Vaters Georg S. in Leipzig; 1944 Wehrmacht. 1945 KPD; Ltr. des Antifa. Jugendaussch. in Leipzig; 1946 SED; FDJ; 1947/48 1. Krs.-Sekr. der FDJ in Leipzig; 1949/50 Sekr. für Junge Pioniere u. Schulen der FDJ-LL Sachsen; 1950 – 52 dort 1. Sekr. der FDJ-LL; 1952/ 53 1. Sekr. der FDJ-BL Leipzig; 1952/53 Abg. des Bez.-Tags…

Wer war wer in der DDR

Schumann, Nils

* 20.5.1978

Geb. in Bad Frankenhausen; begann 1984 als Fußballer, danach Leichtathlet bei der SV Kyffhäuser Bad Frankenhausen, 1995 – 1996 beim ESC Erfurt, 1997 Erfurter LAC, 1998 – 2000 SV Creaton Großengottern, 2001 LG Nike Berlin; 2002 – 03 LC Creaton Erfurt; 2004 SC Magdeburg, 2005 LG Eintracht Frankfurt (Trainer: Vater Peter Sch., Dieter Hermann, Thomas Springstein,  Volker Beck); 1985 Bezirksmstr. Cross; 1995 Silber über 1.500 m bei der Dt. Jugendmeisterschaft; 1997 Junioren-EM, 1998 EM, Hallen-EM,…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schumann, Wilhelm

* 18.1.1896 – ✝ 14.2.1974

Geboren am 18. Januar 1896 in Hannoversch Münden, Sohn eines Fabrikarbeiters; Metall- und Bauarbeiter, 1913 Mitglied der SPD. Ab 1915 Soldat im Weltkrieg, geriet in französische Kriegsgefangenschaft und kam 1919 als einer der letzten aus einer Strafkompanie zurück. Nach dem Kapp-Putsch 1920 trat er in die KPD ein, später war er Orgsekretär der RGO für den Bezirk Hessen, Bürgervorsteher und Kreistagsabgeordneter in Hannoversch Münden. Schumann wurde am 5. März 1933 in den Preußischen Landtag gewählt, konnte sein Mandat aber wegen der einsetzenden Verfolgung nicht ausüben. Über ein Jahr wirkte er illegal für die KPD, geriet dann in Berlin in die Verhaftungsaktion nach dem »Röhm-Putsch« und wurde am 4. Juli 1934 festgenommen. Nach monatelangen Verhören und schweren Mißhandlungen bei der Gestapo 1935 vom 1. Strafsenat Kassel zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und danach bis April 1945 im KZ Buchenwald festgehalten. 1945 wieder Mitglied der KPD, er wurde Vorsitzender des Kreisausschusses des DGB in Hannoversch Münden sowie von August bis Oktober 1946 Mitglied des ernannten Hannoverschen Landtages. Später trat er politisch nicht mehr hervor. Wilhelm Schumann starb am 14.Februar 1974 in Hannoversch Münden.

Wer war wer in der DDR

Schürmann, Heinz

* 18.1.1913 – ✝ 11.12.1999

Geb. in Bochum; humanist. Gymnasium in Dortmund, 1932 Abitur; 1932 – 37 Theol.-Studium an der Philosoph.-Theolog. Akad. in Paderborn u. an der Univ. Tübingen; 1938 Priesterweihe in Paderborn; Vicarius substitutus in der Pfarrvikarie Osterwieck (Harz); 1939 Vikar in Bernburg; 1939 – 45 im Nebenamt Standort- u. Lazarettpfarrer; 1943 im Nebenamt Pfarrvikar in Nienburg (Weser). 1946 – 50 Präfekt am Erzbischöfl. Theolog.-Konvikt (Leoninum) in Paderborn; 1950 Dr. theol. an der Univ. Münster; 1950/51…

Wer war wer in der DDR

Schuster, Horst

* 1.6.1930

Geb. in Dresden; 1944 – 46 Lehre u. Tätigkeit in graf. Großbetrieben; 1952 – 77 Hersteller, Herstellungs-, künstler. u. techn. Ltr. im VEB Verlag der Kunst Dresden; 1960 – 65 externes Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig, Fachrichtung Buchgestaltung bei  Albert Kapr u. Walter Schiller; seit 1968 Mitgl. des VBK u. des Bundes Dt. Buchkünstler; Einzelausstellungen 1972 in Leipzig, 1974 in Berlin, 1987 in Dresden; 1977 u. 1982 Sekr. der Jury der Internat. Buchkunstausstellung Leipzig;…

Wer war wer in der DDR

Schütt, Siegbert

* 26.3.1935

Geb. in Oberhof (Krs. Rostock); Vater Tischler; Grund- u. Oberschule, Abitur; 1949 FDJ; 1953 – 57 Journalistikstud. an der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1955 SED; 1957 / 58 Dorfzeitungsred. MTS Sievershagen; 1958 – 62 Redakteur der Kreisred. Ribnitz-Damgarten der »Ostsee-Zeitung« bzw. stellv. Abt.-Ltr. für Wirtschaftspolitik, 1962 – 64 Mitgl. des Red.-Kolleg. u. Abt.-Ltr. Wirtschaftspolitik, 1964 – 73 stellv. Chefred. bzw. 1. Stellv. des Chefred., 1974 – Dez. 1989 Chefred. des SED-Bezirksorgans…

Wer war wer in der DDR

Schwab, Sepp (Max Joseph Schwab)

* 16.1.1897 – ✝ 30.7.1977

Geb. in München; Vater Hilfsarb., Mut- ter Dienstmädchen; 1903 – 11 Volksschule; 1911 – 15 Ausbildung zum Kfm. u. Gehilfe in einer Lederhandlung; 1913 SAJ; 1915 – 19 Militärdienst, bis Nov. 1915 an der Westfront, dann Garnisonsdienst; 1917 USPD, anschl. Bremer Linke; 1918 Mitgl. des Arbeiter- u. Soldatenrats in München; 1919 KPD; beteiligt an der Errichtung der Münchener Räterep.; Ltr. des militär. Eisenbahnwesens der Roten Armee u. des Frontabschnitts Südost; Nov. 1919 verhaftet u. wegen… Geboren am 16. Januar 1897 in München, Sohn eines Hilfsarbeiters und eines Dienstmädchens; trat 1912 in eine katholische Jugendorganisation, 1914 in die sozialistische Arbeiterjugend ein. 1915 Soldat bei der Artillerie, wurde verschüttet und nach längerer Zeit im Lazarett noch Garnisonsdienst. Schwab schloß sich den Bremer Linksradikalen an, trat 1917 in München in die USPD ein und gehörte während der Revolution zum Münchner Arbeiter- und Soldatenrat. Seit Gründung der KPD Mitglied dieser Partei, leitete in der Bayerischen Räterepublik im April 1919 das militärische Eisenbahnwesen. Nach der Niederschlagung geflüchtet, aber im November 1919 verhaftet, zu vier Jahren Festung verurteilt, saß er bis November 1923 in Niederschönenfeld, danach bis Oktober 1924 in »Schutzhaft«. Nach der Freilassung Leiter der weiter illegalen bayerischen KPD und Redakteur ihrer »Neuen Zeitung«. Im Februar 1925 abermals festgenommen und vom Staatsgerichtshof in Leipzig zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Ab Anfang 1927 beim Pressedienst des ZK der KPD in Berlin, dann Mitte 1927 bis 1930 wieder Chefredakteur der »Neuen Zeitung« in München. Im Oktober 1930 Flucht in die Sowjetunion, dort Referent des EKKI im Mitteleuropäischen Ländersekretariat, gleichzeitig auch Lektor bei der deutschen Gruppe an der Internationalen Leninschule in Moskau. 1933 wurde Schwab zur Anleitung der KPD nach Deutschland geschickt, kehrte aber nach Moskau zurück, blieb bis 1936 im EKKI und wurde nach der »Brüsseler Konferenz« Mitglied der ZKK der KPD. Unter dem Decknamen Louis Schwarz ab 1936 Leiter der AL Nord in Kopenhagen. Im April 1937 wieder in der UdSSR, er übernahm die deutsche Redaktion des Moskauer Rundfunks. Ende November 1945 kam Schwab in die SBZ, zunächst im Pressedienst der KPD sowie Chefredakteur der Funktionärzeitschrift »Neuer Weg«, von April bis August 1946 Chefredakteur des »Neuen Deutschlands«, hier dann bis 1949 stellvertretender Chefredakteur und Chef vom Dienst. Wegen des Abdrucks eines als trotzkistisch verurteilten Artikels der Parteihochschülerin Erna Stracke »Der Frieden von Brest-Litowsk« erhielt Schwab vom Politbüro am 8.März 1949 eine »ernste Verwarnung«. Ab Juni 1949 Generaldirektor der DEFA, im August 1952 Vorsitzender des nach sowjetischem Vorbild geschaffenen »Komitees für Filmwesen«. 1953 Botschafter der DDR in Ungarn und von 1956 bis 1963 Stellvertretender Minister für Auswärtige Angelegenheiten, er bekam zweimal (1957 und 1967) den Karl-Marx-Orden. Sepp Schwab starb am 30. Juli 1977 in Ost-Berlin.Michael F. Scholz / Peter Erler

Wer war wer in der DDR

Schwabe, Klaus

* 8.9.1939

Geb. in Unterweißbach (Thür.); 1953 – 56 Lehre u. Tätigkeit als Keramikbildhauer in Sitzendorf; 1956 – 60 Stud. an der FS für Angewandte Kunst Leipzig, Abt. Plastik; 1960 – 65 Stud. an der HS für bildende Künste Dresden bei  Walter Arnold, Gerd Jaeger, Hans Steger u. Herbert Naumann; 1965 – 83 freiberufl. Bildhauer in Leipzig-Mölkau; 1969 – 72 Lehrtätigkeit an der Abendakad. der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig, 1975 / 76 dort Lehrbeauftragter; 1973 Ehrenpreis der DSF, 1974 Kunstpreis der…

Wer war wer in der DDR

Schwabe, Willi

* 21.3.1915 – ✝ 17.7.1991

Geb. in Berlin; Eltern Opernsänger; Freistelle an der Kunstgewerbeschule Berlin; anschl. erste Rollen am Dt. Theater Berlin; 1934 – 36 priv. Schauspielunterricht, tätig an Wander- u. Gastbühnen; 1939 Wehrmacht; engl. Kriegsgefangenschaft. Nach 1945 Engagement an Freilicht- u. Gastspielbühnen; 1947/48 am Schloßpark-Theater Berlin; 1948/49 an der Bühne der Jugend in Berlin (West); ab 1949 am Berliner Ensemble; Bühnenrollen in Jacob M. R. Lenz /  Bertolt Brechts »Der Hofmeister«, Maxim…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schwaiger, Max

* 19.12.1888 – ✝ 22.3.1966

Geboren am 19. Dezember 1888 in München, Sohn eines Gärtnergehilfen; lernte Kupferschmied, ging auf Wanderschaft, 1913 trat er in die SPD ein. Bei Kriegsausbruch Soldat, schwer verwundet, nach dreijährigem Lazarettaufenthalt entlassen. Er ging 1918 zur USPD, wurde nach der Niederschlagung der Bayerischen Räterepublik verhaftet und zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Freilassung 1920 Mitglied der KPD und von August bis Dezember 1921 Bezirkssekretär in Südbayern, danach unter dem Namen Albert Klemm im Ruhrgebiet, zeitweilig UB-Leiter in Essen und Dortmund. Im Juni 1926 (Pseudonym Hans Eulenburg) Instrukteur in Oberschlesien, anschließend im Saargebiet. Hier verhaftet, zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt, ausgewiesen und den deutschen Behörden übergeben, war Schwaiger dann auf der Festung Landsberg/Lech inhaftiert. Durch eine Amnestie im August 1927 frei, wurde Orgleiter der BL West-Sachsen und vom Frühjahr 1929 bis Juni 1930 Kassierer im ZK der RHD. Nach dem Ausscheiden aus dem Apparat in der Erwerbslosenbewegung. Im Februar 1933 flüchtete er in die ?CSR, wurde dort festgenommen und nach Deutschland ausgewiesen. Er saß bis Ende 1934 in »Schutzhaft«, danach Arbeiter in Hennigsdorf, ab 1936 in Blankenfelde im Kreis Teltow. Im Juni 1945 Orgsekretär der KPD Teltow, bis 1951 Arbeitsrichter in den Kreisen Teltow und Luckenwalde, er erhielt 1964 den VVO in Silber. Max Schwaiger starb am 22.März 1966 in Blankenfelde.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schulze, Alfred

* 26.8.1904 – ✝ 28.8.1934

Geboren am 26. August 1904 in Hannover; gelernter Bootsbauer, wurde Anfang 1920 Mitglied der KPD und gehörte ab 1929 der KPD-BL Mecklenburg an. 1931 übernahm er den Vorsitz der RGO Mecklenburg. Im Juni 1932 wurde Schulze in den Landtag von Mecklenburg-Schwerin gewählt. Mitte März 1933 in seinem illegalen Quartier in Warnemünde verhaftet, kam Schulze in das Zuchthaus Bützow-Dreibergen, dort so schwer mißhandelt, daß seine nicht verheilte Tbc wieder ausbrach. Er wurde in die Medizinische Klinik der Universität Rostock überführt, wo Alfred Schulze am 28. August 1934 starb.

Wer war wer in der DDR

Schumann, Conrad

* 28.3.1942 – ✝ 20.6.1998

Geb. in Zschochau (Sachsen); Vater Schäfermstr., Mutter Schäferin; 1948 – 56 Grundschule; 1956 – 58 Ausbildung zum Schäfer; 1958/ 59 Arbeit als Schäfer in Leutewitz; 1959 Einberufung zur Bereitschaftspolizei nach Dresden; 1961 dreimon. Ausbildung zum Uffz. in Potsdam; danach Rückversetzung nach Dresden; Anf. Aug. 1961 Versetzung als Freiw. zur Grenzsicherung nach Berlin; am 15.8.1961 Flucht als erster Volksarmist nach dem Mauerbau; sein »Schritt in die Freiheit« wird zufällig von zwei Fotografen…

Wer war wer in der DDR

Schumann, Kurt

* 29.4.1908 – ✝ 14.5.1989

Geb. in Eisenach; Vater Postbeamter; Oberrealschule in Neustadt (Orla), Abitur; 1927 – 31 Studium der Rechtswiss. an den Univ. Jena u. Göttingen; 1931 Erstes jur. St.-Ex. u. Eintritt in den thüring. Justizdienst; 1935 Zweites jur. St.-Ex. u. Eintritt in den Heeresjustizdienst; 1.5.1937 NSDAP; 1942 Kriegseinsatz als Kriegsgerichtsrat; bei Stalingrad in sowj. Kriegsgefangenschaft; Mitbegr. des Bunds Dt. Offz.; Mitgl. des NKFD. Sept. 1948 Rückkehr nach Dtl.; Mitbegr. der NDPD, am Aufbau ihres…

Wer war wer in der DDR

Schumann, Ralf

* 10.6.1962

Geb. in Meißen; begann 1977 mit Schießsport; ab 1982 beim GST-Klub für Sportschießen Leipzig; 1981 Spartakiadesieger Olympisch Schnellfeuer; 1982 4. Platz Junioren-EM; DDR-Mstr. 1985 Olympisch Schnellfeuer, 1986 u. 1988 – 90 Luftpistole; 1986 WM-Bronze; 1987 u. 1989 EM; 1988 Olympia-Silber; 1989 Weltschütze des Jahres. 1990 Leipziger SG, 1991 SG Dudweiler, seit 1994 beim SSZ Förderverein Suhl (Trainer: Peter Eisenschmidt, Peter Kraneis); Olympiasieger 1992, 1996 u. 2004; WM 1990 u. 1998,…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schumann, Georg

* 28.11.1886 – ✝ 11.1.1945

Am 28. November 1886 in Reudnitz bei Leipzig geboren, vom Vater (Steindrucker und Sozialist) wurden Georg Schumann und seine zwei Geschwister im sozialistischen Sinne erzogen. Er lernte Werkzeugmacher, wurde 1905 Mitglied der SPD, 1907 Übersiedlung nach Jena. Aktiv in der sozialistischen Jugendbewegung, kam 1912 auf die sozialdemokratische Parteischule in Jena. Dort begegnete er Rosa Luxemburg, die seine agitatorische und journalistische Begabung erkannte, und auf ihren Vorschlag hin wurde Schumann von der SPD als Redakteur angestellt. Im Oktober 1912 zunächst Lokalredakteur in Hof, dann ab 1913 Redakteur an der »Leipziger Volkszeitung«. Während des Krieges in der Gruppe Internationale aktiv, für die er in Leipzig vor allem unter der Jugend wirkte. 1915 kurze Zeit verhaftet, dann 1916 zum Train eingezogen, wo er seine Aktivitäten für die Spartakusgruppe fortsetzte. Deshalb zweimal vom Kriegsgericht wegen »Kriegsgegnerschaft und Zersetzung der Truppe« zu Festungshaft verurteilt. Zu seinen Bewachungssoldaten gehörte Max Hoelz, der später schrieb, dieser Gefangene habe ihm erste Einsichten in den Sozialismus vermittelt. Im November 1918 kehrte Schumann nach Leipzig zurück und leitete dort den Spartakusbund. Ab 1919 Polleiter des KPD-Bezirks Leipzig, 1921 des Bezirks Halle-Merseburg, 1921 zum Abgeordneten des Preußischen Landtags gewählt. Der VII. Parteitag 1921 berief ihn in die Revisionskommission und in den ZA der KPD, der VIII. Parteitag 1923 in die Zentrale der KPD. Da sich Schumann nach der Oktoberniederlage 1923 der Mittelgruppe anschloß, beriefen ihn die Linken 1924 nicht wieder in die Zentrale, er blieb bis Ende 1924 Chefredakteur der »Welt am Abend«. Im Mai 1924 wurde Schumann in den Reichstag gewählt, mußte aber auf Anweisung der linken Zentrale zugunsten von Hedwig Krüger zurücktreten. Als sein Landtagsmandat Ende 1924 erlosch, stellte ihn die Fischer-Maslow-Führung nicht mehr als Kandidat auf. Nun ohne Immunität polizeilich gesucht, ging er Anfang 1925 nach Moskau, wo er in der RGI arbeitete. Im März 1926 nach Deutschland zurückgekehrt, um wieder Polleiter des Bezirks Halle-Merseburg zu werden, wurde aber im April 1926 als Mitglied der Zentrale von 1923 verhaftet und kam erst 1927 frei. Der XI. Parteitag 1927 berief Schumann ins ZK, er wurde Polleiter des Bezirks Westsachsen (Leipzig). Im Mai 1928 zog er im Wahlkreis Leipzig als Abgeordneter in den Reichstag ein. Schumann zählte zu den führenden Köpfen der Versöhnler und war Mitstreiter Ernst Meyers. Trotz vielfältiger Proteste wurde er Anfang 1929 als Polleiter in Westsachsen abgesetzt und vom XII. Weddinger Parteitag 1929 nicht wieder ins ZK aufgenommen. Er kapitulierte Ende 1929 vor dem ZK und kam im September 1930 im Wahlkreis Thüringen erneut in den Reichstag, dessen Abgeordneter er bis 1933 blieb. Vom ZK wurde Schumann vor allem für Sozialarbeit sowie in der Erwerbslosenbewegung eingesetzt. Nach dem Reichstagsbrand illegal in Breslau, am 15. Juni 1933 verhaftet und am 15. August 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, danach 1936 im KZ. Im Frühjahr 1939 bei der großen Entlassungsaktion freigelassen, kehrte Schumann nach Leipzig zurück und arbeitete wieder als Schlosser. Er trat in Verbindung zu bekannten Kommunisten und baute während des Krieges systematisch eine der größten kommunistischen Widerstandsgruppen, die sogenannte Schumann-Engert-Kresse-Gruppe auf. Diese wirkte in Leipzig und Umgebung als »Nationalkomitee Freies Deutschland«. Zur Führung gehörte neben dem ehemaligen Versöhnler Schumann auch der ehemalige Rechte Otto Engert. Diese Gruppe propagierte entgegen der Linie der Moskauer KPD-Führung und deren Tarnpolitik offen sozialistische Prinzipien. Im Juli 1944 wurde Schumann festgenommen. Der VGH verurteilte ihn nach schwerem Martyrium am 23. November 1944 zum Tode. Georg Schumann wurde am 11. Januar 1945 in Dresden hingerichtet. Auch sein Sohn Horst Schumann (* 6. 2. 1924 – † 28. 12.1993) war in dieser Widerstandsgruppe. Nach 1945 Mitglied der KPD und FDJ, von 1950 bis 1953 1. Sekretär des FDJ-Landesverbandes Sachsen, nach einem Studium an der PHS in Moskau wurde er vom Mai 1959 bis 1967 1. Sekretär des FDJ-Zentralrats. Er war von 1959 bis Herbst 1989 Mitglied des ZK der SED, von 1960 bis 1971 Mitglied des Staatsrates der DDR und von 1970 bis 1989 1. Sekretär der SED-BL Leipzig.

Wer war wer in der DDR

Schüßler, Gerhard

* 13.11.1928

Geb. in Rochsburg (Krs. Rochlitz); Vater Arbeiter, Volks- u. Handelsschule; 1944/45 Wehrmacht; 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft. 1945 – 48 Arbeiter in der Papierindustrie; 1948 – 50 Mitarb., dann Abt.-Ltr. in der Krs.-Verw. Rochlitz; 1947 Mitgl. der SED; 1950 – 52 Studium an der DVA Forst-Zinna; anschl. dort wiss. Mitarb.; 1953 – 1955 dort stellv., ab 1955 Parteiorganisator bzw. Sekr. der SED-BPO; 1957 Prom. zum Dr. jur. an der ASR; 1958 – 63 Abg. des Bez.-Tags Potsdam; 1963 – 69 Ltr. der Abt.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schuster, Karl

* 25.1.1896 – ✝ 20.7.1978

Geboren am 25. Januar 1896 in Neuwallwitz/ Krs. Döbeln, Sohn einer Arbeiterfamilie; Maurerlehre. Ab 1916 Soldat im Weltkrieg, 1918/19 in britischer Kriegsgefangenschaft. Am 1. Januar 1920 trat er in die KPD ein, war ab 1924 Leiter von Nachrichtenabteilungen mehrerer KPD-BL. 1929/30 nahm er an einer militärpolitischen Ausbildung in Moskau teil und wurde nach seiner Rückkehr 1930 Gauführer des illegalen RFB in Niedersachsen, wo er auch den Nachrichtenapparat leitete, dann im Bezirk Wasserkante (BB-Apparat) eingesetzt. Er kam Mitte 1932 in den AM-Apparat des ZK nach Berlin und arbeitete eng mit Rudolf Schwarz zusammen. Im Dezember 1933 verhaftet und 1935 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, ab Januar 1936 im KZ Sachsenhausen. Zwar im April 1939 freigelassen, aber im Oktober 1939 erneut bis 1942 inhaftiert, im August 1944 wieder festgenommen. Im August 1945 wurde Schuster Referent in der Zentralverwaltung für Verkehr, 1947 Chef der Personalabteilung in der Deutschen Zentralverwaltung für Umsiedler, anschließend in der DWK-Hauptverwaltung Bauindustrie. Später beim Rat des Stadtbezirks Berlin-Köpenick tätig, er erhielt 1971 den VVO in Silber. Karl Schuster starb am 20. Juli 1978 in Ost-Berlin.

Wer war wer in der DDR

Schütz, Helga

* 2.10.1937

Geb. in Falkenhain (b. Goldberg, Schles. / Sokołowiec, Polen) in einer Arbeiterfamilie, lebte ab 1944 in Dresden bei der Großmutter; hier Grundschule u. Lehre als Gärtnerin; 1955 – 58 ABF in Potsdam; anschl. Studium an der Dt. HS für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, Dipl.-Dramaturgin; seit 1962 freischaff. u. a. als Szenaristin für die DEFA; schrieb Szenarien mehrerer herausragender Filme, u. a. »Lots Weib« (UA 1965), »Die Schlüssel« (1973), »Stein« (1991), R: jeweils  Egon Günther, sowie…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schwab, Wilhelm

* 7.8.1874 – ✝ 29.8.1958

Geboren am 7. August 1874 in Stuttgart, Sohn eines Drechslers und Sozialdemokraten; ging bei seinem Vater in die Lehre und arbeitete bis 1916 im väterlichen Kleinbetrieb. Mitglied der Arbeiterjugend, später Vorsitzender des Landesausschusses und der SPD, gehörte von 1911 bis 1916 dem Gemeinderat in Stuttgart an. Anhänger der linken Gruppe um Friedrich Westmeyer. Von 1916 bis 1918 saß er zweieinhalb Jahre im Zuchthaus wegen Verteilung von Flugblättern gegen die Verhaftung Karl Liebknechts und Aufforderung zum Streik. Von 1918 bis 1930 wieder Gemeinderat in Stuttgart. 1918 Mitglied der USPD, wegen eines Artikels über die Rolle des Stuttgarter Studentencorps bei der Niederschlagung der Bayerischen Räterepublik kurzzeitig inhaftiert. Seit 1919 in der KPD, Lokalredakteur des »Kommunist«, später der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« (KPD). 1929 aus der KPD ausgeschlossen und als Redakteur entlassen, nun aktiv in der KPO, weiterhin Gemeinderat. Der Tabakladen der Familie Schöttle in der Stuttgarter Friedrichstraße, den er 1931 übernahm, wurde später zur Anlaufstelle der illegalen KPO. Nach 1945 Mitglied in der KPD, ab 1946 in der »Gruppe Arbeiterpolitik«. Wilhelm Schwab starb am 29. August 1958 in Stuttgart.

Wer war wer in der DDR

Schwabe, Kurt

* 29.5.1905 – ✝ 4.12.1983

Geb. in Reichenbach (Vogtl.); 1924 – 27 Studium der Chemie an der TH Dresden; dort 1928 Prom.; 1933 Habil.; 1934 Privatdoz. an der TH Dresden u. Industriechemiker in Kriebstein; 1939 Prof. für chem. Technol. an der TH Dresden; 1944 – 57 Ltr. des Forschungsinst. für Chem. Technol. in Meinsberg (Sachsen). 1949 Prof. u. Dir. des Inst. für Elektrochemie u. Physikal. Chemie der TH Dresden u. zeitw. kommissar. Dir. des Inst. für Kolloidchemie; 1961 – 65 Rektor der TU Dresden (Nachf. von  Werner…

Wer war wer in der DDR

Schwäblein, Jörg

* 15.5.1952

Geb. Benshausen (Krs. Suhl); 1970 Abitur in Zella-Mehlis u. Werkzeugmacher; 1970 – 74 Studium der Elektrotechnik an der TH Ilmenau, Dipl.-Ing.; 1970 CDU; 1974 – 90 Entwicklungsing. u. Gruppenltr. im VEB Kombinat Mikroelektronik Erfurt; 1986 Nachfolgekand. des Bezirkstags Erfurt; 6.12.1989 – 31.5.1990 CDU-Abg. im Bezirkstag Erfurt, Vors. des Untersuchungsaussch. gegen Amtsmißbrauch u. Korruption; stellv. CDU-Kreisvors. Erfurt; seit 1990 wiss. Mitarb. u. Berater des CDU-Landesvorst. Thür. Okt.1990…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schwalbach, Hans (Johann)

* 2.11.1905 – ✝ 23.12.1994

(* 1905 – † 1994) Geboren am 2. November 1905 in Berlin, Sohn des Maschinenschlossers Georg Schwalbach, eines bekannten Weddinger Sozialisten und späteren Kommunisten. Hans Schwalbach war Mitglied des Jung-Spartakusbundes und der KPD und arbeitete als kaufmännischer Angestellter. Als er arbeitslos wurde, eröffnete er einen Zeitungshandel. 1926 gehörte er zu den führenden Mitunterzeichnern des »Briefes der 700«. Aus der KPD ausgeschlossen, wurde er Mitglied des Leninbundes und leitete bis 1933 mit Kurt Landau die trotzkistische Linke Opposition der KPD (Bolschewiki-Leninisten), die nach ihrer Zeitung häufig Gruppe Funke bzw. Landau-Gruppe genannt wurde. Von der Gestapo 1933 gesucht, flüchtete Schwalbach nach Frankreich und wurde durch die NS-Behörden im April 1934 ausgebürgert. Er überlebte den Krieg, kehrte aber nicht nach Deutschland zurück, wohnte zuletzt in Lyon. Hans Schwalbach starb dort am 23. Dezember 1994. Seine Frau Ruth, geborene Schedlich (* 25. 2. 1904 in Berlin), Buchhalterin, war in der Linken Opposition engagiert. Im August 1933 festgenommen, dann am 5. Januar 1935 vom Kammergericht Berlin zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Seit September 1936 in Frankreich, wurde sie am 26. November 1940 in Paris verhaftet und nach NS-Deutschland überführt, Ende Februar 1941 aus dem Berliner Polizeigefängnis am Alexanderplatz freigelassen. Nach 1945 Mitglied der KPD und einige Zeit der SED, sie arbeitete zunächst beim Bezirksamt Wedding, später beim Deutschen Außenhandel Textil in Ost-Berlin, wo sie Anfang 1951 wegen ihrer »negativen Auffassungen über unsere fortschrittliche Entwicklung« entlassen wurde.

Wer war wer in der DDR

Schumacher, Ernst

* 12.9.1921 – ✝ 7.6.2012

Geb. in Urspring (Oberbayern); Vater Molkereiarb., Mutter Damenschneiderin; humanist. Gymnasium in Kempten (Allgäu); 1940 – 43 Kriegsdienst; nach schwerer Verwundung an der Ostfront Studium der Germanistik u. Theaterwiss. an der Univ. München. 1946 – 49 als Publizist tätig, Red.-Mitgl. der linkskath. Jugendztg. »Ende u. Anfang« in Augsburg; seit 1947 eigene dramat. Versuche; 1949 KPD; später DKP; 1949 – 54 Korrespondent des Berliner Rundfunks u. des Dtl.-Senders; 1953 Prom. an der Univ. Leipzig…

Wer war wer in der DDR

Schumann, Frank

* 24.10.1951

Geb. in Torgau (Elbe); Vater Pfarrer; EOS mit Berufsausbildung zum Spezialglasfacharb., Abitur; 1970 – 73 NVA; 1973 SED; 1973/74 Volontär bei der Ztg. »Junge Welt«; 1974 – 78 Studium an der Sekt. Journalistik der KMU Leipzig, Dipl.-Journalist; 1978 – 81 Red.; 1981 – 88 stellv. Ltr. bzw. Ltr. der Abt. Wiss.; Febr. 1989 Ltr. der Abt. Kultur; 1989/90 Stellv. Chefred. bzw. Chefreporter der Ztg. »Junge Welt«; als IM »Karl« beim MfS erf. 1990 Vors. des Forums Berliner Linke e. V.; 1991 Mitbegr. u.…

Wer war wer in der DDR

Schumann, Margit

* 14.9.1952

Geb. in Waltershausen (Krs. Gotha); Vater Malermstr.; 1959 – 72 POS, KJS, Abitur; 1958 – 68 aktive Rennschlittenfahrerin bei der SG GutsMuths Schnepfenthal, 1968 – 80 beim ASK-Vorwärts Oberhof; ab 1971 NVA, zul. Major; 1972 – 82 Studium an der DHfK Leipzig, Dipl.-Sportlehrerin; 1971 Junioren-EM; fünfmal Teiln. an Europameisterschaften: 1973, 1974 u. 1975 EM, 1977 2. u. 1979 3. Platz, viermal Teiln. an Weltmeisterschaften: 1973, 1974, 1975 u. 1977 jeweils WM; dreimal Teiln. an Olymp. Spielen:…

Wer war wer in der DDR

Schumann, Theo

* 24.7.1928 – ✝ 21.7.1990

Geb. in Altenberg (Erzgeb.); Studium an der HS für Musik »Carl M. v. Weber« in Dresden Theorie u. Tonsatz, Klavier u. Klarinette; 1954 – 57 Engagement im Orchester Schwarz-Weiß u. im Orchester Kurt Hohenberger; 1958 erste eigene Jazzband; Zusammenarbeit mit  Klaus Lenz; 1962 erste Jazz-Single; ab 1962 Mitw. bei der »Dresdner Extra-Ausgabe«; 1963 erste eigene Beat-Gruppe; 1965 erste Aufn. beim Rundfunk der DDR mit der Theo-Schumann-Big-Beat-Combo: »Das Resultat waren sonderbare Konglomerate aus…

Wer war wer in der DDR

Schur, Gustav-Adolf (genannt Täve)

* 23.2.1931

Geb. in Heyrothsberge (b. Magdeburg), Vater Heizer; Volksschule; 1945 – 48 Lehre als Maschinenmechaniker; anschl. als Maschinenschlosser tätig; 1949 – 64 aktiv im Radsport (Straße), zuerst bei SG Grün-Rot bzw. BSG Aufbau Börde Magdeburg, ab 1953 beim SC DHfK Leipzig; 12malige Teiln. an der Internat. Friedensfahrt ab 1952; zweimal Einzelsieger (1955, 1959), fünfmal Mannschaftssieger u. 9 Etappensiege; zweimal WM (1958, 1959) u. 1960 Vize-WM; Olymp. Bronzemedaille 1956 u. Silbermedaille 1960 im…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schüssler, Otto (Fischer

* 1905 – ✝ 1982

(* 1905 – † 1982) Geboren 1905; wurde Angestellter einer Buchhandlung in Leipzig. Er war zunächst in der KAPD aktiv, gründete 1928 gemeinsam mit Erwin Ackerknecht und Roman Well die Gruppe »Bolschewistische Einheit«, gehörte dann im Leninbund zur trotzkistischen Minderheit. Seit 1930 zählt er zur Führungsgruppe der LO. Im April 1932 ging Schüssler als Sekretär Trotzkis für einige Monate nach Prinkipo. Er hat Ende 1932 Roman Well wegen dessen positiver Einschätzung des Berliner Verkehrsarbeiterstreiks, d. h. der Zusammenarbeit von Kommunisten mit Nazis im November 1932, scharf kritisiert. Unter seinem Pseudonym Oskar Fischer veröffentlichte Schüssler noch 1933 eine Dokumentation: »Leninismus gegen Stalinismus. Lehren der deutschen Katastrophe«. Darin enthüllte er anhand von Zitaten die verderbliche Sozialfaschismus-Politik der KPD. Ab April 1933 leitete Schüssler/Fischer die Redaktion des trotzkistischen Exil-Organs »Unser Wort« und war von September 1933 bis 1939 führend im Auslandskomitee der Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD). Schüssler/Fischer nahm 1938 als einer der beiden deutschen Delegierten an der Gründungskonferenz der IV. Internationale teil. Im Februar 1939 ging er nach Mexiko, wurde erneut Sekretär Trotzkis, kam im Mai 1940 kurzzeitig in Haft. Er blieb auch nach der Ermordung Trotzkis im August 1940 in Mexiko in der trotzkistischen Gruppe aktiv. Weil Schüssler als Theoretiker zu beweisen versuchte, daß die Sowjetunion unter Stalin ein »faschistisches Land« sei, wurde er ausgeschlossen. Er hielt weiterhin Verbindung zu radikalen Kreisen, korrespondierte mit Johre ( Joseph Weber) und publizierte in der Zeitschrift »Dinge der Zeit«. Während des Kalten Krieges trat er für einen Krieg der »Demokratien« gegen den »russischen Faschismus« ein. Otto Schüssler starb 1982 in Mexiko.

Wer war wer in der DDR

Schütt, Hans-Dieter

* 16.8.1948

Geb. in Ohrdruf (Thür.); Vater Lehrer; EOS, Facharbeiterausbildung mit Abitur; 1963 FDJ; 1967 – 69 Gummifacharb. bei »Elgawa« in Leipzig sowie Arbeit in versch. Buchhandlungen; 1969 – 73 Studium an der Theter-HS Leipzig; Dramaturgie u. Regieass. in Magdeburg u. Gera; 1973 Mitarb. der FDJ-Ztg. »Junge Welt« als Filmkritiker; später stellv. Ltr. der Kulturabt.; stellv. Chefred.; 1976 SED; 1981 – 84 Abt.-Ltr. u. 1984 – 89 Sekr. des ZR der FDJ; 1984 – Nov. 1989 Chefred. der »Jungen Welt« (Nachf. von …

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schütz, Walter

* 25.10.1897 – ✝ 29.3.1933

Am 25. Oktober 1897 in Wehlau/Ostpreußen geboren, arbeitete nach der Lehre als Maschinenschlosser in Königsberger Betrie­ben. 1921 trat er der KPD bei, war von 1922 bis 1924 und über­nahm verschiedene Funktionen in Ost­preußen. Seit 1927 hauptamtlicher Funktionär der KPD. 1928 einige Monate Orgleiter der Bezirksleitung Ostpreußen. Im Juni 1929 Delegierter Ostpreußens zum 12. Reichsparteitag in Berlin Der seit 1925 der Königsberger Stadtverordnetenversammlung angehörende Schütz zog im September 1930 für die KPD im Wahlkreis 1 Ostpreußen als Abgeordneter in den Reichstag ein, dem er bis März 1933 angehörte. Schütz tauchte nach dem Reichstagsbrand unter, wurde aber bereits am 29. März 1933 von SA‑Leuten in einer illegalen Wohnung in Königsberg aufgespürt, in eine SA-Kaserne geschleppt und dort so bestialisch misshandelt worden, dass er den Verletzungen im Krankenhaus erlag. Das Krankenhauspersonal wurde angewiesen, den Totenschein auf „Herzschlag“ auszustellen. Seine Frau Elise, geborene Sahnwald (* 6.4.1899 -  † 14.12.1977), emigrierte mit ihrem Sohn Gustav (* 2.9.1920) in die Sowjetunion. In einer vertraulichen Information von Paul Jäkel an das ZK der KPD und die deutsche Vertretung beim EKKI vom 29. April 1938 tauchte Elise Schütz neben Erich Wundersee und Berta Köppe auf. Alle drei hätten seit Ende 1937 keine Parteibeiträge gezahlt. Elise Schütz wurde 1940 von den Nazi-Behörden ausgebürgert. Gustav Schütz, der zunächst im Kinderheim Iwanowo bei Moskau aufwuchs, ging 1936 als Kadett an die Moskauer Militärschule. Als Angehöriger der Roten Armee, er war Artillerieleutnant, fiel er Ende 1941. Elise Schütz wurde am 14.11.1940 ausgebürgert, arbeitete dann für die MOPR in Moskau, Parteiname „Jäger“. Ende August 1941 Evakuierung nach Mittelasien, Arbeit im Heim für Spanienkämpfer in Osch. Im März 1947 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED. Sie lebte dann in Schwerin, Greifswald und Ludwigslust und heiratete den Spanienkämpfer Ferdinand Ruth (* 23.5.1909 - † 30.9.1986).

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schwab, Alexander

* 5.7.1887 – ✝ 12.11.1943

(* 1887 – † 1943) Geboren am 5. Juli 1887 in Stuttgart, Sohn eines Kapellmeisters; studierte u. a. Philosophie, Germanistik und Nationalökonomie in Rostock, Jena, Heidelberg und Freiburg. Nach der Promotion 1915 Lehrer an der Freien Schulgemeinde Wickersdorf. 1914 Kriegsfreiwilliger, wegen Erkrankung entlassen, danach Journalist und Kaufmann. Anschluß an die Arbeiterbewegung, 1917 Mitglied der USPD, 1918 des Spartakusbundes, enge Freundschaft zu Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Schwab wurde 1919 zunächst Mitglied der KPD, in der Führung der Kommunistischen Linken in Berlin aktiv, 1920 Mitbegründer der KAPD und mit Karl Schröder ihr ideologischer Kopf. Leiter der KAPD-Delegation zum III. Weltkongreß der Komintern 1921 in Moskau, wo er scharfe Kritik an der Westeuropa-Politik Lenins äußerte. 1922 Austritt aus der KAPD, Schwab baute sich in den folgenden Jahren eine unabhängige Existenz als Journalist und Wirtschaftsschriftsteller auf (Pseudonym Albert Sigrist), gründete dann die Sozialwissenschaftliche Vereinigung. Seit 1929 Pressechef der Reichsanstalt für Arbeitslosenvermittlung und Arbeitslosenversicherung, dort im April 1933 entlassen. Er saß ein halbes Jahr in »Schutzhaft« und gab nach seiner Freilassung mit Franz Jung die »Wirtschaftskorrespondenz« heraus. Schwab setzte seinen Widerstand gegen das NS-Regime fort und übernahm die Reichsleitung der »Roten Kämpfer«, reiste nach Prag und verfaßte die RK-Rundschreiben. Er wurde im November 1936 verhaftet und am 30. Oktober 1937 vom 2. Senat des VGH im Prozeß »Schwab und Genossen« zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Zunächst im Zuchthaus Brandenburg, später ins KZ nach Sonnenburg und Börgermoor eingeliefert. Alexander Schwab starb (angeblich an Lungenentzündung) am 12. November 1943 im Zuchthaus Zwickau.

Wer war wer in der DDR

Schwabe, Rainer

* 16.3.1938 – ✝ 4.9.2009

Geb. in Berlin; Vater Schneider; Grund- u. Oberschule; 1956 / 57 Transportarb. im VEB Berliner Glühlampenwerk; 1957 / 58 Sachbearb. im VEB Deutfracht Berlin; 1959 – 64 Befrachter u. Abt.-Ltr. im Betriebsteil Befrachtung des VEB Deutrans; Fernstud. an der FS für Außenhandel, 1961 Außenhandelswirtschaftler; 1963 SED; 1964 / 65 Angeh. der Bereitschaftspolizei; 1965 – 70 Abt.-Ltr., 1970 – 72 Dir. Verkehr im VEB Deutfracht Berlin; Außenhandelsstud. an der HfÖ Berlin, 1970 Dipl.-Ök.; 1973 Prokurist…

Wer war wer in der DDR

Schwaen, Kurt

* 21.6.1909 – ✝ 9.10.2007

Geb. in Kattowitz (Oberschles. / Katowice, Polen); Vater Kolonialwarenhändler; Gymnasium in Kattowitz; 1929 – 33 Studium der Musikwiss., Germanistik, Kunstgeschichte u. Philos. in Breslau u. Berlin; 1932 KPD; 1933 – 35 illeg. Arbeit für die KPD; 1935 Verhaftung u. Zuchthaus bis 1938; nach 1938 Korrepetitor u. a. bei Mary Wigman u. Oda Schottmüller; 1943 – 45 Strafbat. 999. 1945 – 47 Begleiter u. a. von M. Vogelsang bei Tanzabenden; 1946 KPD/SED; 1947 – 49 Instrukteur der Berliner Musikschulen;…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schwan, Wilhelm

* 6.2.1884 – ✝ 2.2.1960

Geboren am 6. Februar 1884 in Steele/Krs. Essen, Sohn eines Bergmanns; Bergarbeiter, 1905 während des Bergarbeiterstreiks wegen Bedrohung von Streikbrechern zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Von 1905 bis 1908 Militärdienst. 1912 Mitglied der SPD. Von 1914 bis 1917 war Schwan bei der Artillerie, dann wieder Bergarbeiter. Er schloß sich der USPD an, erhielt vom Militärkommando Münster Redeverbot, weil er als Vertrauensmann im Bergarbeiterverband gemeinsam mit Ulrich Rogg Spartakusbriefe verteilt hatte. Im November 1918 Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Hamm, 1919 »Schutzhaft« in Werl und Münster, schließlich vom Kriegsgericht Münster zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Während des Kapp-Putsches kämpfte er gegen die Truppen der Generäle Lichtschlag und Watter. In Abwesenheit zum Tode verurteilt, flüchtete er ins besetzte Gebiet. Mit der linken USPD kam Schwan (Delegierter des Vereinigungsparteitages) zur KPD. Deren Zentrale setzte den populären Redner als Sekretär im UB Duisburg ein, er wurde auf dem VIII. Parteitag 1923 in die Gewerkschaftskommission und als Kandidat in den ZA gewählt. Bis 1924 leitete er, der sich nach der Oktoberniederlage 1923 dem linken Flügel angeschlossen hatte, den UB Duisburg illegal weiter. Der Bezirksparteitag Ruhr im März 1924 berief ihn zum Sekretär für Gewerkschaftsfragen in die BL Ruhr. Im Juni wurde Schwan als Nachfolger Kurt Rosenbaums Polleiter des wichtigen Bezirks Ruhr. Im Mai und im Dezember 1924 im Wahlkreis Düsseldorf-West als Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Am 1. Februar 1925 übernahm er Funktionen bei der Zentrale in Berlin, im Juli 1925 erneut Polleiter im Ruhrgebiet. Der X. Parteitag im Juli 1925 berief Schwan ins ZK der Partei. Im August Mitglied der Delegation, die in Moskau gegen die Fischer-Führung verhandelte, er unterschrieb den »Offenen Brief«, wurde sofort auf Vorschlag Ernst Thälmanns ins Polbüro aufgenommen und bildete zusammen mit Thälmann und Philipp Dengel das Präsidium des Polbüros. Schwan gehörte im September 1925 neben Thälmann, Dengel, Arthur Ewert, Wilhelm Florin und Ottomar Geschke auch dem Sekretariat an. Doch Ende 1925 verließ er das Polbüro, im März 1926 wurde er aus dem ZK entfernt. Er schloß sich der Ruth-Fischer-Opposition an und versuchte, im Ruhrgebiet die linke Opposition aufzubauen, unterzeichnete am 11. September 1926 den »Brief der 700«. Auf der Tagung des ZK am 5.November 1926 trat Schwan gegen die Parteilinie auf und wurde sofort gemeinsam mit Werner Scholem und Hugo Urbahns aus der KPD ausgeschlossen mit der Begründung der »Duldung von Korruption im Ruhrgebiet«. Im Reichstag gehörte er zur Gruppe der linken Kommunisten, war aber in keiner Organisation, auch nicht im Leninbund, sondern schied aus der aktiven Politik aus. Nach dem Erlöschen seines Reichstagsmandats 1928 im Anzeigengeschäft tätig, später Handelsvertreter. Ende Februar 1933 wurde sein Geschäft als getarntes KPD-Unternehmen geschlossen, Schwan verhaftet und ins KZ gebracht, nach einigen Monaten entlassen. 1935 emigrierte er ins Saargebiet, wo er als Handelsvertreter arbeitete, war dann in Berlin, hier 1938 nochmals für vier Monate inhaftiert. Während des Zweiten Weltkrieges in Rüstungsbetrieben dienstverpflichtet. Im Mai 1945 wieder Mitglied der KPD, ab Juni Leiter des Wohnungsamtes Berlin-Lichtenberg, später Personalleiter einer »Personen-Beförderungs-Gesellschaft«. Er wurde am 26. April 1949 aus der SED ausgeschlossen. Als er Widerspruch einlegte, beschäftigte sich die ZPKK am 3.August 1950 mit dem »Fall Schwan«. Sie bestätigte den Beschluß der LPKK auf Ausschluß wegen »parteischädigenden Verhaltens«. Schwans Name tauchte in einer Aufzählung der Ausgeschlossenen als »besonders charakteristischer Fall« auf, er wurde als »Trotzkist mit kriminellem Einschlag« genannt. Wilhelm Schwan starb am 2.Februar 1960 in Ost- Berlin. Seine Ehefrau, Anna Schwan, geborene Kobs (* 12. 7. 1889) flüchtete im März 1960 in die Bundesrepublik Deutschland.