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In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in der DDR

Heyden, Rudolf

* 16.1.1920

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); Volks- u. Mittelschule; 1937 – 39 Lehre als Export-Import-Kaufm. in Stettin; 1939 / 40 techn. Angest. bei der Fa. »Julius Böhm« in Stettin; 1940 – 45 Wehrmacht, 1944 Verwundung, Lazarett Rostock. Juni – Okt. 1945 Bilanzbuchhalter beim Wohnungsbauunternehmen »Neue Heimat« Rostock; 1945 KPD; ab Okt. 1945 stellv. Vors. der KPD-Ortsgr. Rostock; Nov. / Dez. 1945 Lehrgang an der KPD-LPS Mecklenb. in Kühlungsborn; ab Nov. 1945 1. Sekr. der KPD Rostock; 1946 SED, April…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Heym, Guido

* 1.5.1882 – ✝ 16.1.1945

Geboren am 1. Mai 1882 in Suhl, entstammte einer alten Suhler Sozialistenfamilie, sein Vater war Porzellandreher. Guido lernte Werkzeugschlosser und war bis 1913 in seinem Beruf. 1897 Mitglied des DMV, 1901 Eintritt in die SPD, seit 1910 Mitarbeiter sozialdemokratischer Zeitungen. 1913 Übernahme der sozialdemokratischen Partei-Buchhandlung und Lokalredakteur der Erfurter »Tribüne« in Suhl. Heym wurde auch in die Suhler Stadtverordnetenversammlung gewählt. Februar 1915 Einberufung als Landsturmmann, bis 1918 Soldat. 1917 trat Heym zur USPD über, die von seinem Vater in Suhl gegründet wurde, und kam mit deren linkem Flügel 1920 zur KPD. Er war Delegierter auf dem Spaltungsparteitag der USPD und dem Vereinigungsparteitag mit der KPD, seit 1920 Chefredakteur des Suhler KPD-Organs »Volkswille«. 1919 Mitglied des Kreistages und des Kreisausschusses Schleusingen sowie bis 1920 Abgeordneter des Provinziallandtages der preußischen Provinz Sachsen. In Suhl war er als Parteivorsitzender und Stadtverordnetenvorsteher der »ungekrönte König«, da die KPD dort die stärkste Kraft war. Heym zählte zum linken Flügel der KPD, er wurde im Mai 1924 Abgeordneter des Reichstags, im Dezember 1924 Abgeordneter des Preußischen Landtags. 1926 stand er mit der Mehrheit des UB Suhl und der fast geschlossen hinter ihm stehenden Ortsgruppe auf seiten der linken Opposition. 1927 war seine Gruppe nur noch formal in der KPD, in der Praxis unterstützte sie die Opposition Fischer-Scholem-Urbahns. Da die KP Suhl mehrheitlich noch immer zu Heym hielt, schloß das ZK ihn zunächst nicht aus. Als er jedoch ankündigte, die Zeitung »Volkswille« werde ab 1928 im Reichsmaßstab als Organ der linken Opposition erscheinen, erfolgte am 24.Dezember 1927 sein offizieller Ausschluß aus der KPD. Die Mehrheit der Ortsgruppe sowie elf von zwölf Stadtverordneten gingen mit ihm in den Leninbund, der »Volkswille« wurde das Reichsorgan des Leninbundes. Kurz vor der Wahl im Mai 1928 trat Heym mit vielen seiner Anhänger und dem Organ »Volkswille« zur SPD über. Bis 1933 blieb er für die SPD Redakteur und Abgeordneter im Kreistag, Fraktionsführer und Vorsitzender der SPD in Suhl. Nach 1933 ständig unter Polizeiaufsicht, war er zunächst Versicherungsvertreter, später Heimarbeiter. In Suhl bildete sich um Heym eine antifaschistische Gruppe, deren Aktivitäten nach Kriegsausbruch zunahmen. Anfang September 1943 verhaftet, verurteilte ihn der 2. Senat des VGH am 16. Januar 1945 zum Tode. Heym befand sich unter den Insassen des Weimarer Gestapogefängnisses, die am späten Nachmittag des 4. April 1945 mit Häftlingen des Landgerichtsgefängnisses in nordöstliche Richtung aus der Stadt getrieben wurden. Im Webicht, einem Waldstück, das von der Landstraße nach Tiefurt durchquert wird, haben die SS-Begleitmannschaften in der Nacht zum 5.April 1945 alle Häftlinge (147 Männer und zwei Frauen), darunter Guido Heym, ermordet. Sein Sohn Karl Heym (* 24. 12. 1902 – † 7. 7. 1981) leitete ab 1921 den KJVD-Unterbezirk Suhl und folgte dem Vater 1927 in den Leninbund, ein Jahr später in die SPD. Ab 1933 unterstützte er ihn im Widerstand gegen das NS-Regime. Am 8. Juni 1944 wurde er verhaftet, Anfang April 1945 gelang ihm die Flucht. Karl Heym wurde am 15. April 1945 vom amerikanischen Ortskommandanten zum Landrat des Kreises Schleusingen/Suhl ernannt und blieb dies auch nach Besetzung Suhls durch die Rote Armee. Er gehörte dem SED-Landesvorstand Thüringen an, wurde aber im Zuge der Stalinisierung der SED 1950 als Landrat abgelöst und aus allen Parteigremien entfernt. Gedemütigt und verfolgt verließ er 1951 die DDR, kehrte aber schon bald nach Suhl zurück. Karl Heym wurde nach Meuselwitz bzw. Rudolstadt verbannt und durfte erst 1956 wieder nach Suhl, wo er als Geschäftsführer der Sozialversicherung arbeitete. Die 1946 nach Guido Heym benannten Straßen und Plätze in Thüringen wurden ab 1949 stillschweigend umbenannt. Erst nach dem Ende der DDR wird Guido Heym auf einer Gedenktafel für die Opfer der NS-Diktatur im Roten Rathaus in Suhl ehrenvoll erwähnt.

Wer war wer in der DDR

Hickmann, Hugo

* 3.9.1877 – ✝ 30.5.1955

Geb. in Dessau; Gymnasium; Studium der ev. Theol.; stand dem Nationalsozialen Verein nahe; ab 1903 im höheren Schuldienst als Religionslehrer tätig; ab 1908 Prof. für Religionswiss. an der Univ. Leipzig; 1919 – 33 DVP; Vizepräses der Landessynode der ev.-luth. Kirche Sachsens; 1922 – 33 Abg. des Sächs. Landtags, 1926 – 33 dessen Vizepräs.; Vors. des Aussch. der Dt. Bibelges. u. des Dt. Ev. Gemeindetags; 1933 Domherr des Hochstifts Meißen; 1933 vorz. Versetzung in den Ruhestand, Berufsverbot;…

Wer war wer in der DDR

Hildebrand, Gerold

* 19.5.1955

Geb. in Lauchhammer; Vater Lehrer, Mutter Sachbearb.; 1961 – 69 POS in Ruhland, 1968 beteiligt am Schülerprotest gegen die Abschaffung des Ostermontags als Feiertag; EOS in Lauchhammer, 1973 Abitur; Nov. 1973 – April 1975 NVA, wg. Ablehnung des Schußwaffeneinsatzes im Grenzdienst beim Vorgespräch zum Wehrdienst Annullierung der Vorimmatrikulation für das Studium der Stomatol. durch die Charité Berlin, Begründung: fehlende sozialist. Wehrmoral; 1975 / 76 Hilfspfleger im kirchl. Waldhof (b.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hiller, Alfred Oskar

* 12.8.1903 – ✝ 2.10.1934

Geboren am 12. August 1903 in Kiel-Gaarden; von Beruf Schiffbauer, Mitglied des KJVD und der KPD, Mitte der zwanziger Jahre Sekretär der KJD in Württemberg und dort dem linken Flügel zugehörig. Hiller wurde auf dem 9. Reichskongreß des KJVD im Oktober 1925 in Halle in dessen ZK gewählt und kam im April 1927 auf dem 10. Reichskongreß in Hamburg in das Sekretariat des ZK, dort für das Ressort »Wirtschaftskampf« zuständig. Er nahm am V. Weltkongreß der KJI im August/September 1928 in Moskau teil und wurde zum Kandidaten des Exekutivkomitees der KJI gewählt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1929 leitete er den KJVD-Bezirk Berlin-Brandenburg und gehörte dem Sekretariat des ZK des KJVD unter Kurt Müller an. Im Februar 1932 wurde Hiller als Nachfolger Artur Beckers Vorsitzender des ZK des KJVD. Im April 1932 im Wahlkreis Berlin zum Abgeordneten des Preußischen Landtages gewählt. In der KJVD-Führung arbeitete Hiller eng mit Kurt Müller zusammen und unterstützte Heinz Neumann und Hermann Remmele gegen Ernst Thälmann. Deshalb im Herbst 1932 aus der Führung des KJVD ausgeschaltet, mußte er auf Weisung des ZK am 5. Dezember 1932 sein Mandat im Preußischen Landtag niederlegen. Alfred Hiller starb am 2.Oktober 1934 in Hamburg. Seit April 1927 mit Johanna Hakendahl (* 8. 6. 1906 – † 27. 6. 1976) verheiratet, die von 1924 bis 1928 Agitpropleiterin des KJVD-Bezirks Wasserkante war. Sie lebte 1928/29 mit ihrem Mann in Moskau und arbeitete als Stenographin im Sekretariat des EKKI. Von 1934 bis 1937 Stenotypistin, emigrierte sie 1938 über die âSR nach Großbritannien. 1946 kehrte Johanna Hiller mit ihrem neuen Lebensgefährten Alexander Starck über Jugoslawien nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED und arbeitete in der SED-Landesleitung Groß-Berlin.

Wer war wer in der DDR

Hilzheimer, Ernst

* 8.4.1901 – ✝ 9.4.1986

Geb. in Stralsund; Chemiestudium in Greifswald u. Berlin; 1928 Prom. zum Dr. phil.; bis 1933 Ltr. eines Kalibetriebs; 1933 Verlust des Arbeitsplatzes (»Mischling 1. Grades«); danach bis 1945 in versch. Arbeitslagern u. KZ (Rothenförde, Volkmirsleben, Neustaßfurt). 1945 Mitbegr. der LDPD in Mecklenb.; Krs.-Vors. der LDPD in Rostock; 1947 Stadtkämmerer, Stadtrat für Finanzen in Rostock; Abg. u. Fraktionsführer der LDPD im Landtag Mecklenb.; 1951 2. Vors. des Landesverb. Mecklenb. der LDPD; 1951…

Wer war wer in der DDR

Hinkel, Friedrich W.

* 28.12.1925 – ✝ 12.6.2007

Geb. in Berlin; Vater Kfm.; nach Besuch der Oberrealschule 1943 – 45 RAD u. Wehrmacht. 1945 – 47 Ausbildung zum Maurer u. Zimmermann; 1947 – 50 Studium an der Ing.-Schule Magdeburg, Abschl. als Hochbauing.; nach Tätigkeiten als Baultr. u. Statiker 1952 Architekt zunächst beim FDGB-Bundesvorst., anschl. bis 1959 an der DBA; Teiln. am Wiederaufbau der Dt. Staatsoper Berlin u. der Entw. der Großplattenbauweise in Hoyerswerda; 1960 – 90 wiss. Mitarb. am Inst. für Alte Geschichte u. Archäol. der DAW…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hippe, Oskar

* 1.4.1900 – ✝ 13.3.1990

Geboren am 1. April 1900 in Lützendorf/Krs. Querfurt, jüngstes von elf Kindern einer Eisenbahnerfamilie. Tischlerlehre, dann Metallarbeiter (Rohrleger) in Berlin. 1918 Soldat, Anschluß an den Spartakusbund, Mitglied der KPD. Hippe war an den Kämpfen in Berlin im Januar und März 1919 beteiligt und flüchtete anschließend nach Mitteldeutschland. 1924 Rückkehr nach Berlin, im Oktober 1926 wegen »Widerstandes gegen die Staatsgewalt« zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In der linken Opposition der KPD aktiv, wurde Hippe 1928 aus der KPD ausgeschlossen und 1927 Mitbegründer des Leninbundes. Mit der trotzkistischen Minderheit ging er 1930 zur LO und wurde 1931 als Mitglied der Reichsleitung führender Funktionär der deutschen Trotzkisten. Als Roman Well und Adolf Senin Anfang 1933 versuchten, durch eine gefälschte Ausgabe der »Permanenten Revolution« den Zusammenbruch des deutschen Trotzkismus vorzutäuschen, wurde Hippe (gemeinsam mit Erwin Ackerknecht) ins Internationale Sekretariat der Trotzkisten gewählt. Während der ständigen inneren Auseinandersetzungen, auch Spaltungen der Trotzkisten, blieb er treuer Anhänger Trotzkis. Er baute in Berlin nach 1933 eine Widerstandsgruppe auf. Anfang Januar 1934 verhaftet, fand im November der Prozeß gegen Hippe und weitere zehn Angeklagte statt, darunter Alexander Müller, Walter Haas und andere Trotzkisten, sowie Walter Czolleck, der als Sympathisant noch KPD-Mitglied war und nach der Haft als »Halbjude« ins KZ verschleppt wurde. Hippe erhielt zwei Jahre Zuchthaus. Nach seiner Freilassung trat er wieder in Verbindung zur Reichsleitung der Trotzkisten, deren konspirative Tätigkeit in Fünfergruppen fortgesetzt wurde. Nach der Ermordung Leo Trotzkis durch einen Stalin-Agenten 1940 organisierte er eine Trauerfeier für den toten Revolutionär. Hippes Frau Gertrud, geborene Mankowski (* 4. 11. 1901), war an der illegalen Arbeit beteiligt. Bereits im Sommer 1945 gründete Hippe eine »Arbeitsgemeinschaft Neues Beginnen« in Berlin, baute 1946/47 in Halle, Merseburg und Weißenfels trotzkistische Gruppen auf und gab antistalinistische hektographierte Flugschriften, u. a. »Der Marxist«, heraus. Daraufhin wurde er im September 1948 vom NKWD verhaftet und 1949 von einem sowjetischen Militärtribunal zu zweimal 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. Er mußte acht Jahre, u. a. in Bautzen, in Haft verbringen (wie auch sein Freund Walter Haas). Im Juli 1956 wurde er nach West-Berlin entlassen, blieb Trotzkist, war von 1956 bis 1968 Mitglied der SPD und hielt Kontakt zur IV. Internationale. 1979 erschienen seine Erinnerungen: »...und unsere Fahn’ ist rot.« Oskar Hippe starb am 13. März 1990 in West-Berlin.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hirsch, Werner Daniel

* 7.12.1899 – ✝ 10.6.1941

Geboren am 7. Dezember 1899 in Deutsch-Wilmersdorf. Sein Vater war ein jüdischer Landgerichtsrat, seine Mutter entstammte dem Adel von Bismarck. Hirsch, der sich mit 16 Jahren von seiner Familie trennte, agitierte bereits im Gymnasium gegen den Krieg und für die USPD. Während des Weltkrieges Bekanntschaft mit Pazifisten im »Bund Neues Vaterland« und mit Hugo Haase von der USPD. 1917 Mitglied der USPD und der Spartakusgruppe. Im Januar 1918 erstmals kurzfristig verhaftet, er hatte für den Apparat von Leo Jogiches gearbeitet. Vor Kriegsende zur Marine eingezogen, an der Revolution in Kiel beteiligt. Während der Novemberrevolution Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Hamburg, Mitbegründer der Volksmarinedivision in Cuxhaven, er nahm als Vertreter Cuxhavens am Gründungsparteitag der KPD teil. Hirsch trat zusammen mit Leo Jogiches und Karl Minster in der Vorbereitungssitzung des Spartakusbundes gegen die Schaffung der neuen Partei auf. Nach dem Gründungsparteitag von der Zentrale nach Hamburg entsandt, kam er noch im Januar 1919 nach Berlin zurück, wo er kurz vor der Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs verhaftet wurde. Anfang 1920 Funktionär in Schleswig-Holstein, dort während des Kapp-Putsches im März 1920 Mitglied der BL, zeitweilig auch Mitglied des ZA. Nach der März-Aktion und dem Ausschluß Paul Levis 1921 schied Hirsch aus der KPD aus. Bis 1924 Seifenstanzer, dann freier Schriftsteller, ging als Korrespondent der »Vossischen Zeitung« nach Wien. 1924 erfolgte seine Wiederaufnahme in die KPD. Von September 1924 bis Juni 1925 leitete er als Chefredakteur die »Rote Fahne« in Wien. Aus Österreich ausgewiesen, wurde Hirsch Redakteur der »Roten Fahne« in Berlin bzw. der »Sächsischen Arbeiterzeitung« in Leipzig. Von 1926 bis 1928 Redakteur bzw. Chefredakteur der KPD-Zeitung »Der Kämpfer« in Chemnitz. 1927 kurze Zeit im Gefängnis, anschließend wieder in Berlin Redakteur der »Roten Fahne«. Von 1928 bis 1930 zweiter Chefredakteur der »Roten Fahne« (neben Heinz Neumann), ab Ende 1930 Chefredakteur der »Roten Fahne«. 1932 wurde Hirsch einer der Sekretäre Ernst Thälmanns und bekam damit großen Einfluß auf die Parteipolitik. Zusammen mit Thälmann am 3. März 1933 festgenommen, ist während seiner Haft u. a. im Columbiahaus, in den KZs Oranienburg und Lichtenburg schwer mißhandelt worden. Im Reichstagsbrandprozeß mußte er als Zeuge aussagen und gab zu, ein guter Freund Thälmanns gewesen zu sein. Der »Völkische Beobachter« nannte Hirsch »den Typ jener Juden, die vom Redaktionstisch der ?Roten Fahne? aus die Arbeiterschaft ... aufhetzten«. Im Zuchthaus Brandenburg wurde er, von der SS gehaßt, brutal gefoltert, insbesondere weil er sich – wie später Heinz Altmann berichtete – als mutig und standhaft erwies. Nach Intervention seiner Mutter beim NS-Minister Hermann Göring (sie war mit Emmy Göring gut bekannt) wurde Werner Hirsch nach anderthalb Jahren aus der Haft entlassen. Er flüchtete nach Prag und anschließend in die UdSSR. Hier war er zunächst persönlicher Mitarbeiter von Wilhelm Pieck. Hirsch verfaßte eine Broschüre über die NS-Verbrechen in den KZs, die 1934 von der KPD verbreitet wurde. Er bekam in Prag und dann in Moskau enge Verbindung zu Kreszentia (Zensl) Mühsam, der Witwe des von den Nazis im Juli 1934 ermordeten Anarchisten Erich Mühsam. Auch sie geriet in die Stalinschen Säuberungen und wurde als angebliches Mitglied der »trotzkistischen« und »terroristischen« Organisation von Max Hoelz und Erich Wollenberg verhaftet. Hirsch wurde nicht nur wegen dieser Beziehung beschuldigt, sondern ihm wurde auch vorgeworfen, im Reichstagsbrandprozeß wie ein »Agent Hitlers« aufgetreten zu sein. Vom Politbüro der KPD bekam er deswegen am 15. April 1935 eine »scharfe Rüge«. Seine Situation verschlimmerte sich so sehr, daß er im Juli 1936 bei der Komintern den Antrag stellte, aus dem Parteidienst entlassen zu werden und nach Paris ausreisen zu dürfen. Das machte ihn noch verdächtiger, obwohl er immer wieder seine Parteiergebenheit betonte und sich gegen die Anschuldigungen von Hans Kippenberger und anderen verwahrte, statt dessen beschuldigte er nun seinerseits diesen und weitere führende Kommunisten des »Verrats«. Sofort nach dem Schauprozeß gegen Grigori Sinowjew im August 1936 ging Hirsch mit einem »Memorandum« in die Offensive. Darin griff er Kippenberger, aber auch Leo Flieg, Heinz Neumann und Hermann Remmele als »prinzipielle Parteischädlinge« an. Am 4. November 1936 wurde Hirsch vom NKWD verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, »konterrevolutionären trotzkistischen« Gruppen anzugehören und »terroristische Anschläge« vorbereitet zu haben. Hirsch weigerte sich trotz der Folterungen, ein »Geständnis« abzulegen und beschwor seine Treue gegenüber der Partei. Bei den Verhören am 23.November 1936 und selbst noch am 17.Juni 1937 beharrte er darauf, die Anschuldigungen widersprächen »vollkommen den Tatsachen«. (Vgl. die ausführlichen Belege bei R. Müller, »Menschenfalle Moskau«, 2001.) In der Anklageschrift gegen Hirsch hieß es darüber hinaus, »daß er Agent des Abwehrdienstes der Reichswehr ist und Gen. Thälmann der Polizei auslieferte«. Trotz Haft und Folter bestritt er in der kurzen Verhandlung vor dem Obersten Gericht der UdSSR am 10. November 1937 jede Schuld, dennoch zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt und auf die berüchtigte Gefängnisinsel Solowezki transportiert. Dort hat er (nach dem Bericht des Mithäftlings Karlo Stainer) »heldenhaft« gekämpft, mehrere Hungerstreiks geführt und mußte 105 Tage in Einzelhaft im Karzer verbringen. Unter den Schikanen der NKWD-Wachmannschaften hatte er ganz besonders zu leiden, war 1941 so schwach, daß er sich kaum noch bewegen konnte. Hirsch wurde noch ins Moskauer Butyrka-Gefängnis überführt. Ob er nach NS-Deutschland ausgeliefert werden sollte, ist unbekannt, denn der kranke Werner Hirsch starb am 10.Juni 1941 in der Moskauer Haft, angeblich an Herzversagen.

Wer war wer in der DDR

Hochmuth, Walter

* 14.02.1904 – ✝ 28.12.1979

Geb. in Reichenbach / Vogtl.; Vater Bahnbeamter; Volks-, Bürger- u. Handelsschule; kfm. Lehre u. Arbeit; 1925 KJVD u. KPD; 1931 – 33 Abg. der Hamburger Bürgerschaft; 1933 Volontär bei der »Hamburger Volksztg.«; ab März 1933 illeg. Arbeit in Hamburg; Aug. 1934 Emigr. nach Dänemark; ab 1935 pol. Arbeit für die KPD in den Niederl., Belgien, Luxemburg u. Frankreich; März – Juni 1938 in den Niederl. interniert, 1938 Abschiebung nach Belgien, ab Sept. 1939 dort interniert; 1940 – 42 im Lager Gurs /… Geboren am 14. Februar 1904 in Reichenbach/ Vogtland, Sohn eines Bahnbeamten; kaufmännische Lehre. 1925 Mitglied des KJVD und der KPD. Von 1931 bis 1933 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. 1933 Volontär bei der »Hamburger Volkszeitung«, übernahm im März die Leitung der Zeitung. Hochmuth gehörte bis zu seiner Emigration nach Dänemark im August 1934 zur illegalen Leitung der Hamburger KPD. Von März bis Juni 1938 war er in den Niederlanden inhaftiert, im Juni 1938 nach Belgien abgeschoben, bei Kriegsausbruch im September 1939 bis 1942 im südfranzösischen Lager Gurs interniert. Ende 1942 Auslieferung nach Deutschland, hier bis Januar 1944 in Untersuchungshaft. Am 21. Juli 1944 verurteilte ihn der VGH in Potsdam zu fünf Jahren Zuchthaus. Im April 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit, wurde Hochmuth im Sommer d. J. Leiter der Personalabteilung in der Deutschen Verwaltung für Post- und Fernmeldewesen bzw. der DWK. Hochmuth bekam wegen seiner Westemigration zeitweise »Schwierigkeiten« und wurde Ende 1949 als Prokurist in die Deutsche Handelsgesellschaft abgeschoben. Ab April 1956 stellvertretender, ab 1957 Leiter der DDR-Handelsvertretung in Djakarta/Indonesien. Von 1959 bis 1963 Legationsrat bzw. ab Juni 1962 Generalkonsul und Leiter der DDR-Vertretung in Bagdad/Irak. 1965 Nachfolger Karl Schirdewans als Leiter der Staatlichen Archivverwaltung der DDR in Potsdam, er erhielt 1974 den VVO in Gold. Walter Hochmuth starb am 28. Dezember 1979 in Ost-Berlin.Andreas Herbst

Wer war wer in der DDR

Höcker, Wilhelm

* 29.6.1886 – ✝ 15.11.1955

Geb. in Holzendorf (Krs. Neubrandenb.); Vater Zimmermann; 1893 – 01 Volksschule in Woldegk; 1901 – 04 Ausbildung zum Kfm. in Brüssow; 1905 Verkäufer in Penzlin; 1905 – 08 Militärdienst in Rostock; 1909/10 Bürogehilfe in Hamburg; 1911 tätig im elterl. Geschäft; 1911 – 14 u. 1918/19 Lagerhalter der Konsumgenossenschaft in Güstrow; 1911 SPD; 1914 – 18 Wehrdienst, Gefr.; 1919/20 Vors. der Krs.-Behörde für Volksernährung in Güstrow; 1920 – 32 Amtshauptmann (Landrat) des Krs. Güstrow, entlassen; 1920…

Wer war wer in der DDR

Hoernle, Edwin

* 11.12.1883 – ✝ 21.7.1952

Geb. in Cannstatt (Württemberg); Vater Pfarrer u. Missionar; 1889 Rückkehr aus Indien nach Beimbach; 1890 – 96 Privatunterricht, 1896 – 02 Lateinschule in Schorndorf, Gymnasium in Ludwigsburg u. Stuttgart; 1903 Militärdienst; 1904 – 09 Studium der Theol., Philos. u. Geschichte in Tübingen u. Berlin, kurzz. Vikar; 1909 Bruch mit Kirche u. Familie; 1909 – 11 Privatlehrer u. freier Schriftst. in Berlin; 1910 – 15 SPD; 1912 – 14 stellv. Chefred. der SPD-Ztg. »Schwäb. Tageswacht«; nach Maßregelung… Am 11. Dezember 1883 in Cannstatt/Württemberg als Sohn des Missionars und späteren Landpfarrers Hermann Hoernle und seiner Ehefrau Marie, der Tochter eines Orgelfabrikanten, geboren. Er verbrachte die ersten Lebensjahre in Mirat (Ostindien) und seine Kindheit in dem württembergischen Bauerndorf Beimbach. Schon als 10jähriger schrieb er Gedichte und entwickelte Widerspruchsgeist gegen seine protestantisch-pietistische Umgebung. Mit dreizehn Jahren kam er in verschiedene Knabenpensionate und löste sich dabei langsam von Elternhaus und Religion. 1902 Abitur, 1903 Militärdienst bei der Infanterie. Hoernle studierte von 1904 bis 1909 Theologie in Tübingen und Berlin, wo er mit der SPD in Berührung kam. Er lernte seine erste Frau Helene Hoernle, geb. Hess, (*14. 11. 1886 – † 24. 10. 1956), in Berlin kennen, trotz aller Anfeindungen lebten sie zunächst ohne Eheschließung zusammen. 1906 wurde ihr Sohn Alfred geboren, und sie heirateten nach der theologischen Dienstprüfung im Frühjahr 1909. Drei Monate Vikar, dann endgültige Trennung von der Kirche, Privatlehrer in Berlin, Mitarbeiter der SPD-Presse, u. a. der »Neuen Zeit«. 1910 Mitglied der SPD, Anhänger von Franz Mehring und Rosa Luxemburg, mit denen er und seine Frau bald befreundet waren. Ab 1912 zweiter politischer Feuilletonredakteur an der »Schwäbischen Tagwacht« in Stuttgart. Zusammen mit Arthur Crispien und Jacob Walcher vom württembergischen SPD-Vorstand nach Kriegsausbruch gemaßregelt, weil sie eine internationalistische linke Haltung vertraten. Hoernle wurde 1915 zweiter Redakteur der Frauenzeitschrift »Gleichheit«. Während des Krieges mehrfach verhaftet, dann an die Front geschickt und dort im September 1918 schwer verwundet. Mitbegründer des Spartakusbundes und später der KPD. In Stuttgart gehörte er dem Arbeiter- und Soldatenrat an, war von Januar bis Juni 1919 auf der Festung Ulm inhaftiert. 1919/20 Leiter der KPD in Württemberg, ab Oktober 1920 bei der Zentrale in Berlin mit dem Aufbau der Landabteilung betraut. Bis Ende 1922 zugleich für die Bildungsabteilung (später Agitprop) verantwortlich, leitete Hoernle lange Jahre auch die kommunistische Kinderarbeit. Auf dem VII. Parteitag 1921 und wieder auf dem VIII. Parteitag 1923 in die Zentrale der KPD gewählt, gehörte er in dieser Periode der rechten Politik zu den maßgebenden KPD-Führern. 1922 auf dem IV.Weltkongreß der Komintern als deutscher Vertreter ins EKKI berufen, blieb Hoernle bis Ende 1923 in Moskau. Seine bis dahin veröffentlichten Gedichtbände nannte er »Nebenprodukte kommunistischer Parteiarbeit«. Nach der Oktoberniederlage 1923 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde einer der Wortführer der Mittelgruppe. Die linke Mehrheit des IX. Parteitags verhinderte im Mai 1924 seine Kandidatur für den Reichstag. Von der Polizei gesucht, mußte Hoernle bis Dezember 1924 illegal leben, laut Steckbrief war er 1,72 Meter groß, dunkelblond und sprach schwäbische Mundart. Im Dezember 1924 dann doch in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Nach dem »Offenen Brief« 1925 übernahm er in der Zentrale wieder die Landabteilung. Vom ZK Mitte 1927 als Chefredakteur der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« nach Stuttgart entsandt. Das geschah nicht nur wegen des Funktionärmangels in Stuttgart, sondern auch, weil Hoernle – obwohl er nie auf dem linken Flügel gestanden hatte – energisch gegen die Methoden protestierte, mit denen die Linken ausgeschlossen wurden. 1928 kam er nach Berlin zurück und arbeitete bis 1933 in der Landabteilung des ZK. In der Wittorf-Affäre schwankte er nach eigenem Bekunden, war gegen Ernst Thälmann und distanzierte sich erst nach Stalins Eingreifen von den Versöhnlern. In der ultralinken Periode nach 1929 trat er nicht mehr besonders hervor. Hoernle entkam in der Nacht des Reichstagsbrandes der Verhaftung durch einen glücklichen Zufall, seine zweite Frau Hedda, geborene Ickert (* 24. 7. 1902 – † 27. 9. 1989), mit der er seit Anfang der dreißiger Jahre verheiratet war, hatte ihn versteckt. Ende 1933 emigrierte Hoernle in die Sowjetunion und wurde in Moskau Leiter der Abteilung Mitteleuropa im Agrarinstitut. Während des Krieges Mitglied des NKFD und Mitarbeiter des Weltwirtschaftsinstituts in Moskau. Im Mai 1945 Rückkehr nach Deutschland, in Berlin Mitunterzeichner des Aufrufs der KPD vom 11. Juni 1945. Ab 15.August 1945 Präsident der Deutschen Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft in der SBZ, bereits im Frühjahr 1948 bat Hoernle um seine Abberufung, trat dann aber erst im September 1949 zurück. Hoernle leitete als Dekan die agrarpolitische Fakultät der Deutschen Verwaltungsakademie in Forst Zinna. Er war Verfasser vieler Schriften, u.a. »Grundfragen der proletarischen Pädagogik« (1927), »Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft« (1928) und der Gedichtbände »Aus Krieg und Kerker« (1919), »Okulifabeln« (1920) und »Die roten Lieder« (1924). Nach längerer Krankheit starb Edwin Hoernle am 21.Juli 1952 an einem Herzleiden in einem Sanatorium in Bad Liebenstein. Seine erste Frau Helene lebte seit 1923 mit Heinrich Rau zusammen. Sie emigrierte ebenfalls in die Sowjetunion und kehrte im März 1946 nach Deutschland zurück, arbeitete in der SED-BL Schwerin. Ihr beider Sohn Alfred Hoernle war Schlosser, nach 1933 illegal UB-Leiter in Berlin-Reinickendorf. 1936 verhaftet, am 4. November 1937 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Aussagen von Mithäftlingen soll Alfred Hoernle wegen angeblicher umfangreicher Aussagen bei der Gestapo im KZ Sachsenhausen von seinen Genossen »abgehängt worden« und 1942 buchstäblich verhungert sein.Peter Erler /

Wer war wer in der DDR

Heyl, Erich

* 22.9.1909 – ✝ 9.2.1981

Geb. in Sömmerda; Vater Schlosser; Volks- u. Mittelschule; 1923 – 26 Lehre als kaufm. Angest.; 1926 – 33 Arbeit als Vertreter, zeitw. arbeitslos; 1930 KPD, ab 1932 Vors. der KPD-Ortsgr. Sömmerda u. Mitgl. der erweiterten KPD-BL Großthür.; 1933 – 35 Bauarb.; ab 1933 illeg. Arbeit, für drei Monate in »Schutzhaft«; 1935 – 41 kaufm. Angest. u. Buchhalter; 1941 – 45 Wehrmacht; 1945 / 46 sowj. Kriegsgef. 1946 SED; 1946 – 48 Sekr. der SED-Ortsgr. Sömmerda; 1948 Vors. des SED-KV Erfurt-Weißensee; 1948 /…

Wer war wer in der DDR

Heymann, Stefan

* 14.3.1896 – ✝ 4.5.1967

Geb. in Mannheim in einer jüd. Familie; Vater kfm. Vertreter für Rohtabak; Volksschule, Gymnasium; Ausbildung in einer Bank; 1913 SAJ; 1914 – 18 Militärdienst; 1918 – 23 Bankangest., dort Betriebsratsvors.; Vors. der Mannheimer Betriebsrätezentr.; 2. Vors. der Bankangestelltengewerkschaft des AFA-Bunds; gemaßregelt; 1919 KPD; dort Pol.-Ltr. der Jugend u. Agit./Prop.-Ltr. der BL Baden; ab 1923 Tätigkeiten im M-Apparat (KPD-Nachrichtendienst); Dez. 1923 verhaftet, Sept. 1924 vom Staatsgerichtshof… Geboren am 14. März 1896 in Mannheim, entstammte einer gutsituierten jüdischen Angestelltenfamilie. Nach dem Besuch des Gymnasiums zunächst Möbelzeichner, ab 1913 Lehre bei einer Bank in Mannheim. Sehr nationalistisch eingestellt, meldete er sich 1914 als Kriegsfreiwilliger, an der Westfront verwundet, 1917 bei den Fliegern, gegen Kriegsende nochmals verwundet. Die Kriegserlebnisse änderten Heymanns Anschauungen, er wurde – nach dem Krieg in einem Lazarett im Spessart liegend – Anarchist. Anfang 1919 versuchte er – nach Mannheim zurückgekehrt – eine »Partei der Jugend« zu gründen und stand in enger Verbindung zu den Anarchisten Ernst Toller und Erich Mühsam. Als Mühsam im Februar 1919 (nach der Ermordung Kurt Eisners) in Mannheim die wenige Tage existierende »Räterepublik Kurpfalz« ausrief, gehörte Heymann zu den führenden jungen Köpfen dieser Aktion. Im Juni 1919 trat er der KPD bei, war in der FSJ (später KJD) zunächst Ortsgruppenleiter in Mannheim und von 1920 bis 1922 Bezirksleiter für Baden. Bis zum Herbst 1923 in einem Betrieb beschäftigt, dort Betriebsratsvorsitzender und gleichzeitig zweiter Vorsitzender der Mannheimer Betriebsrätezentrale. Bei den Aufstandsvorbereitungen im Oktober 1923 wurde Heymann mit seinen militärischen Erfahrungen in den AM-Apparat aufgenommen und Kampfleiter für Unterbaden (Pseudonym Dietrich). Nach dem Verbot der KPD während einer Sitzung in Stuttgart im Dezember 1923 verhaftet und im September 1924 (im Prozeß gegen Karl Schneck u.a.) vom Staatsgerichtshof in Leipzig zu dreieinhalb Jahren verurteilt. Nach der Entlassung trat er am 1. Januar 1926 in die Redaktion der Mannheimer »Arbeiter-Zeitung« ein, wurde 1929 ihr Chefredakteur. Heymann, der von 1926 bis 1928 Gauvorsitzender des RFB Baden-Pfalz war, gehörte zum stalinistischen Flügel der Partei in Baden. 1928 zog er für den in den Reichstag gewählten Abgeordneten Paul Schreck auch in den badischen Landtag ein, wurde aber 1929 nicht wiedergewählt. Als verantwortlicher Redakteur vom Reichsgericht im Oktober 1930 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, seine Strafe wurde wegen Haftunfähigkeit im Mai 1930 unterbrochen. Von Juni 1930 bis September 1932 war er politischer Redakteur der »Roten Fahne« in Berlin, dann vom September 1932 bis Januar 1933 politischer Redakteur im KPD-Pressedienst. Ab 15.Februar 1933 Chefredakteur der Breslauer »Arbeiter-Zeitung« und mit Beginn der Illegalität Sekretär für Agitation bzw. Polleiter der BL Schlesien. Am 12. Mai 1933 verhaftet und im September 1934 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Da Heymann im Zuchthaus Wohlau erklärte, aus Deutschland auswandern zu wollen, wurde er nach Verbüßung der Strafe am 8. Mai 1936 freigelassen, aber bereits wenige Tage später von der Gestapo wieder festgenommen. Er kam im März 1938 zunächst ins KZ Dachau, im September nach Buchenwald und im Oktober 1942 nach Auschwitz, in das Nebenlager der IG-Farben in Monowitz. Er wurde Schreiber im Krankenblock, in der illegalen KPD-Gruppe leitete er die rechte Fraktion; bei Auflösung des Lagers wurde er zurück nach Buchenwald transportiert. Nach der Befreiung gehörte er mit Eugen Kogon und Erich Römhild einer Kommission an, die für den US-General Eisenhower einen Bericht über das KZ Buchenwald verfaßte. Mit seiner zweiten Frau Liesel Martin, geborene Lapper (* 23. 3. 1907 – †Juli/ Aug. 1961), bildete er das Antifa-Komitee in Thüringen, schloß sich der KPD an und war bis Oktober 1945 im Sekretariat der BL Thüringen. Ab April 1946 Sekretär für Agitation und Propaganda des SED-LV Thüringen, ab September 1948 Leiter der Abteilung Kultur und Erziehung des PV in Berlin. 1951 wurde Heymann Gesandter der DDR in Budapest, von November 1953 bis 1957 DDR-Botschafter in Warschau, danach von 1957 bis 1959 Abteilungsleiter Presse und Information im Außenministerium. Im Juli 1960 attackierte ihn die SED, weil er die Mao-These verbreitet hatte, die Amerikaner seien »Papiertiger«. Anschließend Professor an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in Potsdam, 1963 emeritiert, bekam 1966 von dieser Akademie die Ehrendoktorwürde verliehen und 1965 das Banner der Arbeit. Stefan Heymann starb am 3. Februar 1967 in Ost-Berlin.Bernd-Rainer Barth

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Hiebsch, Hans

* 10.8.1922 – ✝ 6.3.1990

Geb. in Bodenbach (Böhmen, ČSR / Děčín, Tschechien); Vater Schlosser; Gymnasium in Tetschen, dort 1942 Abitur; anschl. Wehrmacht; ab 1943 Studium der Psychol. an der Dt. Univ. Prag. 1945 Umsiedl. u. Neulehrer im Landkrs. Wittenberg; 1947 SED; 1951 – 54 Aspirantur an der Univ. Leipzig, dort 1952 Dipl.-Psychologe, 1954 Prom. mit der Arbeit »Zur Phänomenologie des Sprachgeschehens. Eine experimentelle Untersuchung der Struktur u. Dynamik des Sprechvorgangs«, anschl. Ass. u. 1956 Wahrnehmungdoz. für…

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Hildebrandt, Regine

* 26.4.1941 – ✝ 26.11.2001

Geb. in Berlin; Vater Pianist, Korrepetitor an der Staatl. Ballettschule; Max-Planck-OS in Berlin-Mitte; 1959 Abitur; Mitgl. der Jungen Gemeinde; 1959 – 64 Biologiestudium an der HU Berlin, Dipl.-Biol.; seit 1961 Mitgl. der Berliner Domkantorei; 1964 – 78 stellv. Ltr. der Pharmakolog. Abt. im VEB Berlin-Chemie; 1978 Prom. auf dem Gebiet der Arzneimittelforschung an der HU, Dr. rer. nat.; 1978 – 90 Bereichsltr. in der Zentralstelle für Diabetes u. Stoffwechselkrankheiten Berlin, Schwerpunkt…

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Hilmer, Richard

* 26.5.1885 – ✝ 1949

Geboren am 26. Mai 1885 in Halle/Saale; lernte Dreher, später Expedient. Ab 1906 Mitglied der SPD, seit 1920 in der KPD. Er war von 1921 bis 1929 in der Berliner Bezirksversammlung Prenzlauer Berg und dann 1929 bis 1933 in der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin. Hilmer unterschrieb im Februar 1930 den kritischen »Brief der 60« oppositionellen Berliner Funktionäre und wurde aus der KPD ausgeschlossen. Er arbeitete am Organ »Mitteilungsblatt der Gruppe Unabhängiger Kommunisten Deutschlands (60 Ausgeschlossene)« mit. Im Februar 1931 gehörte er zu jenen 30 Funktionären, die im SPD-Organ »Vorwärts« (s. Hermann Letz, Erich Raddatz, Frieda Rosenthal) aus Protest gegen die ultralinke Politik der KPD ihren Eintritt in die SPD bekannt gaben. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten stand er unter Beobachtung der Gestapo. Nach Kriegsende und Befreiung wird er Mitglied der SPD, 1946 der SED. Richard Hilmer verstarb im März 1949 in Berlin.

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Himmelheber, Else

* 30.1.1905 – ✝ 27.11.1944

Geboren am 30. Januar 1905 in Stuttgart-Ostheim, bei Kriegsende schloss sie sich der FSJ an und leitete den Jungspartakusbund in Stuttgart. Seit 1926 in der KPD, hielt sie beim XI. Reichsparteitag im Jahre 1927 in Essen ein Referat über die Frauenarbeit und zog Ende 1928 nach Berlin. Nach einem längeren Aufenthalt in der Sowjetunion hauptamtliche Mitarbeiterin im ZK der KPD, Abteilung Frauen. Sie war Hauptrednerin auf dem Kampfkongreß der Frauen von Rhein und Ruhr im Herbst 1931 in Düsseldorf. Anfang September 1932 beendete sie ihre hauptamtliche Tätigkeit im ZK, meldete sich erwerbslos und leistete 1933 illegale Arbeit mit Karl Fischer bei der Reorganisation der KPD in Kassel. Am 20. November 1933 wurde Else Himmelheber festgenommen und am 29. Juni 1934 vom OLG Kassel zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, anschließend in das KZ Moringen überführt. Dort 1938 freigelassen durch einen Befehl des SS-Reichsführers Heinrich Himmler, der jedes Jahr nach Moringen kam und scheinbar willkürlich entschied, welchen Häftlingen er die Freiheit schenkte. Ein Kriterium allerdings traf auf alle Amnestierten zu: Himmler begnadigte nur Blondinen. Else Himmelheber färbte sich nach ihrer Freilassung die Haare schwarz, weil sie dem Rasse-Ideal der Nazis nicht entsprechen wollte. In die elterliche Wohnung nach Stuttgart zurückgekehrt, traf sie 1943 Friedrich Schlotterbeck wieder, mit dem sie seit der KJVD-Zeit befreundet war. Im Mai 1944 – eine Woche vor dem geplanten Hochzeitstermin – mußten beide auf getrennten Wegen wegen ihrer illegalen Arbeit vor der Gestapo fliehen. Friedrich Schlotterbeck gelang die Flucht in die Schweiz, Else Himmelheber wurde im Zug verhaftet und in der Stuttgarter Gestapozentrale monatelang verhört und gefoltert, weil sie Angaben über ihre Verbindungen und Untergrundtätigkeit verweigerte. Am 27. November 1944 wurde sie von Stuttgart nach Dachau transportiert. Dort wurde Else Himmelheber am 30. November 1944 ermordet. Die Eltern ihres Verlobten Friedrich Schlotterbeck und dessen Schwester wurden in Stuttgart hingerichtet.

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Hintze, Fritz

* 18.4.1915 – ✝ 30.3.1993

Geb. in Berlin; Vater Reichsbahninspektor; Reformgymnasium, Abitur; 1935 bis 1940 Studium der Ägyptol., semit. Sprachen u. allg. Sprachwiss. an der Univ. Berlin; 1936 – 40 wiss. Hilfsarb. beim ägypt. Wörterbuch an der Preuß. AdW; 1940 – 45 Militärdienst, Ltn.; 1944 Prom. an der Univ. Berlin. 1945 – 47 wiss. Mitarb. beim ägypt. Wörterbuch an der DAW; 1947 Habil. an der Univ. Berlin; 1947 – 54 wiss. Mitarb. am Inst. für Orientforschung der DAW; 1947 Doz., 1951 Prof. mit Lehrauftrag, 1953 Prof. mit…

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Hirsch, Karl-Georg

* 13.5.1938

Geb. in Breslau (Wrocław, Polen); 1945 Umsiedl. nach Leipzig; 1952 – 60 Ausbildung u. Tätigkeit als Stukkateur; 1960 – 65 Studium an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig bei  Gerhard Kurt Müller; 1965 – 67 freischaff. in Leipzig, Beginn einer umfgr. Illustrationsarbeit vorwiegend im Holzstich, den K.-G. H. zu seinem spezif. Ausdrucksmittel entwickelte, seit den 70er Jahren auch verstärkte Hinwendung zu freier Grafik; ab 1967 Ass. an der HS für Grafik u. Buchkunst Leipzig; seit 1970 Ltr. der…

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Hirschmeier, Alfred

* 19.3.1931 – ✝ 27.3.1996

Geb. in Berlin-Pankow; Vater Schuhmacher; Grund- u. Mittelschule; 1947 Beginn des Studiums an der HS für bildende u. angewandte Kunst in Berlin-Weißensee; 1952 Abschl. als Bühnen- u. Kostümbildner an der Mstr.-Schule für Kunsthandwerk Berlin; 1953 – 55 Assistent bei den Filmarchitekten Willi Schiller u. Otto Erdmann sowie 1953 – 89 Szenograph im DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg; 1986 – 90 Mitgl. der AdK; seit 1989 Lehrauftrag an der HS für Film- u. Fernsehkunst »Konrad Wolf« in…

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Hockarth, Paul

* 21.6.1902 – ✝ 7.1.1974

Geb. in Langensalza (Thür.); Vater Arbeiter; Volksschule; Lehre u. Arbeit als Schriftsetzer; 1917 USPD; 1919 UB-Ltr. der FSJ in Gotha; 1920 KPD; Instrukteur der KJI in Österreich; zeitw. Bez.-Ltr. des KJV in Tirol-Vorarlberg; ab Nov. 1920 Pol.-Ltr. des KJV-UB Gotha, 1923 Mitgl. der KJVD-BL Thür.; 1924 sechs Wochen Haft wegen Herstellung der illeg. Ztg. »Rev.«; 1924 – 33 Mitgl. der KPD-BL (Groß-) Thür., zeitw. Agit./Prop.- bzw. Pol.-Ltr. des UB Weimar; 1925 – 30 techn. Ltr. der »Neuen Ztg.« in…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoefer, Hermann Martin

* 21.8.1868 – ✝ 23.4.1945

(* 1868 – † 1945) Geboren am 21. August 1868 in Hamburg. Sein Vater, ein katholischer Schuhmacher, war vom Rheinland nach Hamburg ausgewandert. Er trennte sich von der Kirche; seine Schusterstube schmückten Bilder von Marx und Engels. In dieser Atmosphäre wuchs Hermann Martin Hoefer auf und besuchte von 1884 bis 1887 die Präparandenschule. Von 1887 bis 1890 am Lehrerseminar, seit 1890 Volksschullehrer in Hamburg. Hoefer trat 1892 der SPD bei, als aktiver Sozialist mehrfach gemaßregelt, war er in der Armen- und Wohlfahrtspflege in Hamburg tätig. Er ging wegen ihrer Burgfriedenspolitk 1917 von der SPD zur USPD, 1920 zur KPD und übernahm verschiedene Funktionen. Von 1928 bis 1930 war er Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und der KPD-BL. 1933 wurde ihm die Lehrerpension gestrichen, seine Tochter wurde fristlos aus dem Schuldienst, sein Sohn aus dem Jugendamt entlassen. Von 1933 bis 1935 war Hoefer mehrmals im KZ. Durch Zimmervermietung und einen kleinen Kaffeehandel schlug sich die Familie mühsam durchs Leben. 1944 wurde er im Krankenhaus, wo er gegen Magengeschwüre behandelt wurde, verhaftet. In einem Prozeß gegen Hermann Hoefer und seine Tochter Grete erhielten beide längere Haftstrafen. Hoefer wurde am 23. April 1945 schwerkrank aus dem Zuchthaus Coswig und seine Tochter aus dem KZ Gribow befreit. Völlig geschwächt mußte er in einem Rollstuhl von seiner Tochter nach Hamburg befördert werden. Von mehreren Aufenthalten in verschiedenen Krankenhäusern unterbrochen, erreichten sie am 23. November 1945 Hamburg. Dort starb Hermann Hoefer in einem Krankenhaus am 13.Dezember 1945 an den Folgen der Haft.

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Hofé, Günter

* 17.3.1914 – ✝ 27.12.1988

Geb. in Berlin; Vater Kunstschlosser; Oberrealschule, Abitur; 1934 – 39 Mitarb. der Dt. Bank, Lehrzeit; Bankkfm., Direktionsassistent; Studien an der Bank-HS Berlin, außerdem in England u. Frankreich; 1936 – 38 u. 1939 – 45 Wehrmacht, zul. Major; 1945 brit. Gefangenschaft. 1945 Transportarb.; 1946 – 48 Mitarb. im Volksbildungsamt Berlin-Köpenick; Doz. u. Ltr. der VHS; 1948/49 Lektor im Kulturellen Beirat für das Verlagswesen; 1948 NDPD; 1949 Cheflektor, ab 1950 Ltr. des Verlags der Nation…

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Heyl, Wolfgang

* 21.8.1921 – ✝ 14.5.2014

Geb. in Borna (b. Leipzig); Vater Kfm.; dort Volks- u. Oberschule; Ausbildung zum Zimmermann; 1939 NSDAP; 1941 – 45 Wehrdienst, zul. Obltn.; 1945 kurzz. sowj. u. amerik. Gefangenschaft. 1945 – 47 Zimmermann; 1945 FDGB; 1947 – 52 Mitarb. der IHK Borna, zul. Geschäftsf.; 1949 CDU; 1949 – 53 Mitgl. der Stadtverordnetenvers. Borna; 1952 – 54 Organisationssekr. bzw. stellv. Vors. des CDU-Bez.-Verb. Leipzig; 1953 – 58 dort Abg. des Bez.-Tags; 1954 – 58 Vors. des CDU-Bez.-Verb., Mitgl. des…

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Heynisch, Werner

* 27.2.1924 – ✝ 5.4.1977

Geb. in Plauen (Vogtl.); Vater Milchhändler u. Schlosser; Volksschule; 1938 – 40 Ausbildung zum Schlosser in Plauen, gleichz. Abschl. mittlere Reife (Fernlehrgang); 1941/42 Ing.-Schule Zwickau; 1942/43 RAD; 1943 – 45 Wehrmacht, Wachtmstr.; April/Mai 1945 amerik. Gefangenschaft. 1945/46 Techniker im Straßenwasserbauamt Plauen; Abitur an der Wirtschafts-OS; 1946 SPD/SED; 1946 – 51 Student an der TH Dresden, Fachrichtung Konstruktiver Ing.-Bau, Dipl.-Ing.; 1951 Ing., 1957 Techn. Dir. des VEB…

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Hilbig, Klaus

* 10.2.1930 – ✝ 16.3.1986

Geb. in Leipzig; Vater Hufschmied u. E-Schweißer, Mutter Arbeiterin; Volksschule in Leipzig, 1940 OS; 1941 nach Bad Warmbrunn (Niederschles.). Aussiedl. nach Ronneburg (Thür.); 1946 SED; 1948 Abitur in Gera; 1948 – 51 Studium an der Ges.-Wiss. Fak. der Univ. Jena; 1950 1. Sekr. der FDJ-GO der FSU Jena; 1951 – 60 Chefred. der Wochenztg. »Der Junge Pionier«, später »Die Trommel«; Mitgl. der ZL der Pionierorg. »Ernst Thälmann«; 1954 Abschl. eines Fernstudiums am IfL; 1960/61 Aspirant am IfG beim ZK…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hildebrandt, Wilhelm Friedrich

* 5.10.1887 – ✝ 14.10.1942

(* 1887 – † 1942) Geboren am 5. Oktober 1887 in Westen/Hannover als Sohn eines Landarbeiters. Lernte vier Jahre Schlosser und Maschinenbauer, siedelte nach Hamburg über und war im Weltkrieg Soldat. 1918 Mitglied der USPD, 1920 mit der linken USPD Übertritt zur KPD; in der KPD gehörte Hildebrandt dem linken Flügel an. 1925 zum Mitglied der BL Wasserkante berufen, im gleichen Jahr als Nachfolger Hans Gostomskis in die Hamburger Bürgerschaft nachgerückt, 1927 und 1928 dann zum Abgeordneten in die Bürgerschaft gewählt. Hildebrandt stellte sich in der Wittorf-Affäre gegen Ernst Thälmann und wurde im Mai 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Er legte sein Mandat in der Bürgerschaft nicht nieder, sondern blieb bis zur Neuwahl 1931 unabhängiger Abgeordneter. Später trat er politisch nicht mehr hervor, war wieder als Schlosser beschäftigt. Wilhelm Hildebrandt starb am 14. Oktober 1942 in Hamburg.

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Hilsberg, Stephan

* 17.2.1956

Geb. in Müncheberg (Krs. Strausberg), aufgewachsen in Berlin; Vater Pfarrer, Mutter Katechetin; 1962 – 72 POS, keine Zulassung zur EOS; 1972 – 74 Lehre als Facharb. für Datenverarbeitung; 1976 – 79 als Programmierer im Biochem. Inst. der Charité Berlin tätig; Klavierunterricht, nicht zum Musikstudium zugelassen; 1974 – 76 NVA-Grundwehrdienst; 1985 Aufn. eines Fernstudiums, Berufsziel Ing. für Informationsverarbeitung; seit 1988 Engagement in kirchl. Friedenskrs.; Ltr. des Arbeitskrs. Theol. u.…

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Himmler, Johanna

* 20.9.1894 – ✝ 13.10.1972

Geboren am 20. September 1894 in Chemnitz als Johanna Mildner, Tochter eines Bürodieners; Lehre als kaufmännische Angestellte, anschließend in der Konfektionsbranche und im Handel tätig. 1917 trat sie der Spartakusgruppe und 1918 der KPD bei. Im Sommer 1921 fuhr sie als Delegierte zum 2. Internationalen Frauenweltkongreß nach Moskau, dann Übersiedlung nach Nordhausen, wo sie bis 1923 lebte und arbeitete. Danach in Chemnitz Telefonistin, heiratete den Redakteur der KPD-Zeitung »Der Kämpfer« Hans Himmler (* 18. 11. 1890 – † 31. 3. 1970). Johanna Himmler wurde im Januar 1927 in Chemnitz in die Stadtverordnetenversammlung und im September 1930 im Wahlkreis Chemnitz-Zwickau in den Reichstag gewählt, dem sie bis 1933 angehörte. Bis zum Sommer 1933 als Reichsinstrukteurin der IAH im Einsatz, am 4. Juli 1933 wurde Hanna Himmler verhaftet und bis 1934 in »Schutzhaft« gehalten. Nach ihrer Entlassung zunächst erwerbslos, dann Büroangestellte. Am 14. Juli 1939 erneut verhaftet und vom OLG Dresden im November d. J. zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Im August 1944 wieder festgenommen, kam sie bis April 1945 ins KZ Ravensbrück. Von Juli 1945 bis 1953 unbesoldete Stadträtin in Nordhausen (ihr Mann war dort Oberbürgermeister), außerdem Vorsitzende des Antifa-Frauenausschusses sowie 1. Vorsitzende der VVN Nordhausen. Für die SED war sie von 1946 bis 1952 Abgeordnete im Thüringer Landtag. Als Parteiveteranin starb Johanna Himmler am 13.Oktober 1972 in Nordhausen.

Wer war wer in der DDR

Hintzenstern, Herbert von

* 24.10.1916 – ✝ 22.1.1996

Geb. in Magdeburg; Vater Textilkfm., Mutter Kunsthandwerkerin; 1936 Abitur am Dom- u. Klostergymnasium Magdeburg; 1936 – 40 Studium der Theol., Kunst- u. Musikwiss. an den Univ. Halle u. Jena, dort Konviktinspektor u. Sprecher der Theologiestudenten; 1940 Prom. mit der Arbeit »Houston St. Chamberlains Darstellung des Urchristentums« an der Theolog. Fak. der Univ. Jena, die gedruckte Buchfassung wurde 1941 auf Anweisung des Amtes Rosenberg eingestampft; 1940 Ordination; anschl. Vikar in Jena u.…

Wer war wer in der DDR

Hirsch, Ralf

* 25.7.1960

Geb. in Berlin; POS in Berlin; 1974 Austritt aus der FDJ; erste Kontakte zur kirchl. Jugendarbeit; 1977 wegen »fehlgeleiteter pol. Anschauungen« auf Beschluß des Rats des Stadtbez. Einweisung in das Jugendhaus Hummelshain; Abschl. der Schlosserlehre; 1979 Entlassung mit Auflagen für drei Jahre (Meldepflicht, Umgangsverbot, Reiseverbot); Schlosser im Transformatorenwerk Berlin; ab 1980 Mitarb. in einem Kirchhofsbüro bei der Auferstehungsgemeinde; org. Ltg. von Blues-Messen in ev. Kirchen; Mitgl.…

dissidenten.eu

Hlusman, Semen

* 1946

Semen Hlusman wurde 1946 in Kiew geboren und wuchs in einer Arztfamilie auf. Auch er studierte Medizin und schloss 1969 sein Studium am Kiewer Medizinischen Institut ab. Er wurde Facharzt für Psychiatrie und arbeitete in Krankenhäusern in Schytomyr, Korosten und Kiew. Als Hlusman 1971 eine Stelle im *Psychiatrischen Krankenhaus besonderen Typs in Dnipropetrowsk angeboten wurde, lehnte er ab. Er wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, dass hier die Psychiatrie für politische Zwecke missbraucht wurde…

Wer war wer in der DDR

Hockauf, Frida

* 24.9.1903 – ✝ 30.1.1974

Geb. in Reichenau (b. Zittau, Sachsen/Bogatynia, Polen) in einer Weberfamilie; nach dem Volksschulabschl. 1918 – 21 als Hausmädchen u. ab 1921 als Weberin beschäftigt; 1922 Textilarbeiterverb.; 1929 – 35 arbeitslos. 1945 – 51 Sozialhelferin in der Zittauer Stadtverw.; 1946 SED; ab 1951 Weberin im VEB Mechan. Weberei Zittau; begr. im Nov. 1953 anläßl. einer Selbstverpfl. zu erhebl. Planübererfüllung die Losung »So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben«, mit der eini- ge Mon. nach den…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoelz, Max

* 14.10.1889 – ✝ 15.9.1933

Geboren am 14. Oktober 1889 in Moritz bei Riesa als zweites von sechs Kindern einer Landarbeiterfamilie; nach schwerer Jugend als Ackerknecht, dann als Hausdiener in Pensionen, u. a. in Baden-Baden tätig. 1908 übersiedelte er nach London, war Küchenjunge und Wagenwäscher und studierte gleichzeitig am Polytechnikum in Chelsea. 1910 nach Deutschland zurückge- kehrt, schloß sich Hoelz dem CVJM und der evangelischen Organisation »Weißes Kreuz« an. In Falkenstein im Vogtland wurde er Gehilfe eines Landvermessers. 1914 meldete er sich freiwillig, war bis 1918 an der Front und wurde mit dem EK II ausgezeichnet. Zur Arbeiterbewegung hatte der unpolitische Hoelz zunächst keinerlei Verbindung, erst nachdem er im November 1918 in den Soldatenrat von Falkenstein gewählt worden war, schloß er sich der USPD an. Dort gründete er schließlich im Frühjahr 1919 eine Gruppe der KPD. Der hervorragende Organisator wurde Vorsitzender des Arbeitslosenrates, seine Entschlossenheit und seine aktionistischen Bravourstücke machten ihn überall rasch bekannt. Hoelz setzte sich vehement für die unteren Schichten ein, organisierte jedoch auch anarchistische Aktionen. Dabei terrorisierte der Rebell das Besitzbürgertum, erpreßte von den Fabrikanten Abgaben und verteilte das Geld an die Armen. Von der Polizei gesucht, flüchtete Hoelz 1919 und wirkte für die KPD als Agitator in Sachsen und Bayern. Während des Kapp-Putsches kehrte er nach Falkenstein zurück, baute im Vogtland eine »Rote Armee« auf, nach deren Niederlage emigrierte er in die Tschechoslowakei. Wegen seiner disziplinlosen Haltung im Frühjahr 1920 aus der KPD ausgeschlossen, trat er Ende 1920 der linksradikalen KAPD bei. Nach Ausbruch der Kämpfe im März 1921 in Mitteldeutschland leitete er die »Roten Garden« und war durch seine Taten in aller Munde. Er ging nach der Niederschlagung der März-Aktion nach Berlin, wo er im April 1921 verhaftet wurde. Ein Sondergericht verurteilte Hoelz im Juni 1921 zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe. Immer wieder wurde die Nachprüfung des Urteils verlangt (er war angeblich für einen Mord verantwortlich) – etwa im April 1927 von Bert Brecht, Albert Einstein, Heinrich George, Heinrich und Thomas Mann und vielen anderen Persönlichkeiten. Im Juli 1928 durch eine Amnestie wieder frei, übersiedelte Hoelz 1929 in die Sowjetunion. 1933 lebte er in Gorki, war aber zunehmend in Gegensatz zur stalinistischen Praxis geraten, obwohl er gerade in der UdSSR als revolutionärer Führer groß herausgestellt wurde. Max Hoelz zählte zu den populärsten deutschen Kommunisten der Weimarer Republik, von seinen Zeitgenossen als »Tatmensch« gelobt, gehaßt oder verachtet. Er spielte in den Aufständen der frühen zwanziger Jahre eine bedeutende Rolle, übte allerdings innerhalb der kommunistischen Parteiorganisation selbst keine wichtigen Funktionen aus. Bekannt wurden seine Memoiren »Vom ?weißen Kreuz? zur roten Fahne«. In der UdSSR ist Max Hoelz am 15.September 1933 in der Oka ertrunken, sofort verbreiteten die Parteikommunisten, es sei ein Unglücksfall gewesen. Doch schon bald wurde vermutet, die sowjetische Geheimpolizei habe den sehr guten Schwimmer Hoelz ermordet. Inzwischen steht fest, daß er ein frühes Opfer der stalinistischen Säuberung war. Denn 1936/37 konstruierte das NKWD sogar eine »konterrevolutionäre, terroristische, trotzkistische Verschwörung«, der neben Erich Wollenberg und Zensl Mühsam angeblich auch der zu diesem Zeitpunkt bereits über drei Jahre tote Max Hoelz angehört haben soll.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoffmann, Erich

* 13.2.1906 – ✝ 14.2.1959

Geboren am 13. Februar 1906 in Zerbst, Sohn einer Arbeiterfamilie; Lehre und Arbeit als Kernmacher in Kiel, ab 1927 in Hamburg. 1922 Mitglied der kommunistischen Jugend, 1927/28 UB-Leiter des KJVD in Hamburg, dann Gausekretär (»Gauführer«) der Roten Jungfront im RFB, zunächst ehrenamtlich, dann als Parteiangestellter. 1929 bis 1932 Volontär bzw. Redakteur an der »Hamburger Volkszeitung«, 1930 »Sitzredakteur« der HVZ, Verurteilung durch das Reichsgericht zu Festungshaft, die er von Januar bis November 1931 auf der Festung Gollnow verbüßte. Von 1931 bis 1933 gehörte Erich Hoffmann der Hamburger Bürgerschaft an. Er wurde 1933 in Lübeck verhaftet und im KZ Fuhlsbüttel schwer mißhandelt. Nach der Freilassung im Juni 1933 zunächst Leiter des illegalen RFB in Hamburg, flüchtete dann nach Dänemark. Dort als Instrukteur der Roten Hilfe im März 1934 ausgewiesen, ging er ins Saargebiet, Ende Februar 1935 nach Paris, im Mai 1937 nach Spanien und kämpfte als Angehöriger der Internationalen Brigaden (Panzerfahrer). Im Juli 1937 bei der Brunete-Offensive schwere Kopfverwundung, danach Politkommissar im Service Sanitär. Ab Mai 1939 Internierung in französischen Lagern, im Sommer 1942 mit der Gruppe jüdischer Kommunisten (u. a. Kurt Goldstein und Hermann Axen) nach Auschwitz deportiert. Bis Anfang 1945 Haft im KZ Auschwitz, von Januar bis April 1945 im KZ Buchenwald. Im Mai 1945 Rückkehr nach Hamburg, Hoffmann wurde dort einer der führenden KPD-Funktionäre. Zunächst Agitpropleiter, im Mai 1946 Chefredakteur der »Hamburger Volkszeitung«, im Februar 1950 Orgleiter der KPD-Landesleitung Hamburg. Von 1951 bis 1953 gehörte er der Hamburger Bürgerschaft an, Vorsitzender der KPD-Fraktion. Nach dem KPD-Verbot 1956 freier Journalist. Wegen einer schweren Erkrankung übersiedelte er 1958 in die DDR. Erich Hoffmann starb am 14.Februar 1959.

Wer war wer in der DDR

Heym, Stefan

* 10.4.1913 – ✝ 16.12.2001

Geb. in Chemnitz; Vater Kfm. (wegen jüd. Herkunft später zus. mit weiteren Angeh. von den Nazis ermordet); Verweisung vom Gymnasium nach Veröff. eines antimilitar. Gedichts; 1932 Abitur in Berlin; erste Veröff. u. a. in der Ztschr. »Weltbühne«; Studium der Philos., Germanistik u. Ztgs.-Wiss. in Berlin; 1933 Emigr. in die ČSR; zum Schutz der Familie Annahme des Ps. S. H., Journalist u. a. für die Ztschr. »Das Wort«, »Neue Dt. Blätter«, »Internat. Lit.«; ab 1935 Studium in Chicago, Magisterarbeit…

Wer war wer in der DDR

Heynowski, Walter

* 20.11.1927

Geb. in Ingolstadt; Vater ltd. Angest.; OS, Abitur; 1944 Wehrmacht, Luftwaffenhelfer; 1945 amerik. Kriegsgefangenschaft, Lager Bad Kreuznach. 1945/46 Studium der Volkswirtschaft an der Univ. Tübingen; 1946 – 48 Red. der Jugendztschr. »Die Zukunft«, Reutlingen; Ende 1947 Verhaftung durch die frz. Sicherheitspolizei, ohne Urteil sechs Mon. Haft; 1948 nach Haftentlassung Übersiedl. nach Berlin; kurze Zeit Red. der »Berliner Ztg.«; 1948 – 56 Red. bzw. Chefred. der satir. Wochenztg. »Frischer Wind«…

Wer war wer in der DDR

Hilbig, Wolfgang

* 31.8.1941 – ✝ 2.6.2007

Geb. u. aufgew. in Meuselwitz (Thür.); Vater bei Stalingrad vermißt, Mutter Verkäuferin, der miterziehende Großvater war Bergmann; Grundschule; Lehre als Bohrwerksdreher; nach der Wehrpflicht überwiegend als Erdbauarb., Monteur u. Heizer tätig; schon als Jugendl. erste Schreibversuche; lebt bis 1978 sowohl bei der Mutter als auch in Wohnlagern von Außenmontagefirmen; seit Ende der 60er Jahre befreundet mit DDR-krit. Autoren u. Künstlern; nach Scheitern der Einbindung als »schreibender Arbeiter«…

Wer war wer in der DDR

Hillebrand, August

* 17.12.1888 – ✝ 17.4.1953

Geb. in Hennersdorf (Krs. Grottkau, Oberschl./ Sidzina, Polen); Vater Bauer; Volksschule u. Gymnasium; zeitw. im Staatsdienst; seit 1919 selbst. Bauer; Abg. des Krs.-Tags sowie des Provinziallandtags; 1928 – 32 Abg. des Dt. Reichstags (Dt. Bauernpartei); Mitgl. des Dt. Landw.-Rats u. der Oberschles. Landw.-Kammer; nach 1933 aus allen Ämtern entfernt; Umsiedl. 1945 Neubauer; 1945 Mitbegr. der CDU in Lommatzsch u. Sachsen; 1946 Abg. des Sächs. Landtags; 1947 u. 1948 – 52 Mitgl. des Hauptvorst. der…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hilsenbeck, Romuald

* 7.3.1897 – ✝ 25.12.1961

Geboren am 7. März 1897 in Hinteruhlberg/ Crailsheim; von Beruf Postschaffner. Im Oktober 1932 wurde Hilsenbeck für die KPD in den Württembergischen Landtag gewählt. Am 11.März 1933 wurde er inhaftiert und befand sich bis Mai 1934 in »Schutzhaft«. Hilsenbeck setzte auch nach seiner Entlassung die illegale Arbeit gegen das NS-Regime fort. Anfang 1935 erneut verhaftet, kam er in das KZ Heuberg und wurde dann im August 1944 nochmals für einen Monat in Ulm festgehalten. Nach der Befreiung gehörte Hilsenbeck ab Sommer 1945 zum engeren Führungskreis der neugegründeten KPD in Nordwürttemberg. Ab Mai 1946 Mitglied des Stuttgarter Gemeinderats, kandidierte er noch 1950 in Stuttgart für den Landtag Württemberg-Baden. Romuald Hilsenbeck starb am 25.Dezember 1961 in Stuttgart.

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Hindemith, Harry

* 16.6.1906 – ✝ 21.1.1973

Geb. in Brüssel-Anderlacht; Vater Böttcher, Mutter Waschfrau; bis 1914 aufgew. in Brüssel; 1914 Übersiedl. der Fam. nach Mannheim; Realschule; 1921 – 28 Laufbursche / Angest. der Süddt. Disconto Gesell. in Mannheim; 1925 KJV, 1928 KPD; 1928 – 30 Studium an der Musikhochschule Mannheim; 1930 – 37 Schauspieler am Stadttheater Würzburg; 1937 NSDAP (Versuch illeg. Arbeit für die KPD innerhalb der NSDAP); 1937 – 40 Schauspieler am Landestheater Allenstein; 1940 / 41 Schauspieler am Stadttheater…

Wer war wer in der DDR

Hinze, Erwin

* 8.8.1909 – ✝ 18.2.1972

Geb. in Nowawes (Krs. Teltow); Volksschule; Lehre u. Arbeit als Bootsbauer; 1932 SPD; 1940 Wehrmacht; 1945 kurzzeitige sowj. Kriegsgef. 1945 zunächst Mitarb. bei der Konsumgenossensch. Potsdam-Babelsberg; ab Dez. 1945 Sekr. des SPD-KV Potsdam; 1946 SED, Mitgl. des SED-KV Potsdam, 1947 – 49 Mitgl. des Sekr. (Kommunalpolitik) des SED-LV Brandenb., 1949 / 50 Abt.-Ltr. im SED-LV Brandenb.; Juli 1950 Bürgermstr., ab Sept. 1952 OB von Frankfurt (Oder) (Nachf. von  Willy Jentsch); 1953 zusätzl. Vors.…

Wer war wer in der DDR

Hirsch, Rudolf

* 17.11.1907 – ✝ 7.6.1998

Geb. in Krefeld in einer jüd. Familie; Vater Schuhhändler; Realgymnasium; 1924 – 28 Ausbildung zum Kfm.; 1928 – 31 kfm. Angest.; 1931 Übernahme des väterl. Schuhgeschäfts in Krefeld; 1931 KPD; 1933 Emigr. in die Niederlande, abgeschoben nach Belgien; 1934 – 37 illeg. in Dtl., Mitgl. der Widerstandsgr. »Neu Beginnen«; 1937 Emigr. nach Palästina; 1938/ 39 in Stockholm, illeg. Arbeit für »Neu Beginnen«, ausgewiesen; 1939 – 49 in Palästina, dort Schuhfräser; zus. mit  Arnold Zweig Mitbegr. einer…

Wer war wer in der DDR

Hochmuth, Arno

* 27.2.1930 – ✝ 16.6.2012

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Volkschule, OS in Berlin, 1948 Abitur; 1948 – 51 Lehrerstudium Dt. / Geschichte an der PHS Berlin; 1951 – 57 Doz. am IfL Berlin; 1952 SED; 1958 – 62 Aspirant, 1962 – 66 Doz. am IfG, Lehrstuhl für Lit. u. Kunstwiss.; 1962 Prom. zum Thema »Lit. u. Dekadenz«; 1963 – 90 Mitgl. des Präsidialrats des KB; 1966 – 72 Ltr. der Abt. Kultur des ZK der SED (Nachf. von  Siegfried Wagner); 1972 – Sept. 1990 ord. Prof. an der Sekt. Ästhetik-Kunstwiss. der HU Berlin; 1977 – 90…

Wer war wer in der DDR

Hockenholz, Willi

* 27.2.1898 – ✝ 29.12.1950

Geb. in Brandenb. (Havel); Vater Malermstr.; Volksschule, Präparandenanstalt u. Lehrerseminar; 1917/18 Militärdienst; Erste u. Zweite Lehrerprüfung; 1920 – 33 Lehrer in Berlin-Neukölln; 1922/23 Studium an der Handel-HS Berlin; 1924 SPD; 1924 – 33 Ltr. der SPD-Abt. 97 in Berlin-Neukölln; 1933 Entlassung aus dem Schuldienst; selbst. Kfm. u. Handelsvertreter für Industrie-Lacke; Mitgl. einer sozialdemokrat. Widerstandsgr.; 1939 u. 1943 – 45 Wehrmacht; 1945 sowj. Kriegsgefangenschaft im Lager…

Wer war wer in der DDR

Hoerning, Hanskarl

* 28.12.1931

Geb. in Leipzig; Schauspielstudium in Leipzig; Debüt 1954 am Hallenser Theater der Jungen Garde; danach Halberstadt, Eisleben; in dieser Zeit schon versch. Kabarettversuche; 1957 / 58 Funkkabarett Tandaradei; 1958 – 97 Mitgl. der Leipziger »Pfeffermühle«, einer ihrer profiliertesten Darsteller; einige Jahre Standardszene »Straßenbauarb.« (mit  Manfred Stephan); auch Texter u. Stückautor (Fernsehmusical »Zimmerkomödie« 1963); 1976 – 79 Soloprogramm »Brettldoz.«. Nach 1990 vor allem Buchautor;…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Hoffmann, Adolph

* 22.3.1858 – ✝ 1.12.1930

Geboren am 22. März 1858 in Berlin, aufgewachsen als Pflegesohn in einer Tuchmacherfamilie; er konnte nur drei Jahre die Volks- bzw. Armenschule besuchen. Hoffmann, der sich autodidaktisch weiterbildete, arbeitete in den siebziger Jahren bei Binnenschiffern, Holzfällern und Korbmachern, anschließend nahm er eine Lehre als Graveur auf und war dann Vergolder, Buchhändlergehilfe und Maler. Über die Freireligiöse Gemeinde kam Hoffmann mit der Sozialdemokratie in Berührung und wurde 1876 ihr Mitglied. In den folgenden Jahren war er der populärste und anerkannteste Berliner SPD-Funktionär. Er nahm am Gründungskongreß der II. Internationale sowie an fast allen SPD-Parteitagen bis zum Ausbruch des Weltkrieges teil. Er erhielt mehrmals Gefängnisstrafen, war von 1890 bis 1893 Redakteur am »Volksboten« in Zeitz bzw. am »Volksblatt« in Halle. In seiner (1891 gedruckten) Rede »Die zehn Gebote und die besitzende Klasse«, die ihm den Beinamen »Zehn-Gebote-Hoffmann« einbrachte, attackierte er die bürgerliche Gesellschaft. Seine 1892 veröffentlichte Broschüre »Vorsicht! Hütet Euch! Die Sozialdemokraten kommen!«, die bis Mitte 1893 in über 100 000 Exemplaren verbreitet wurde, half der deutschen Sozialdemokratie wesentlich bei der Landagitation. Schließlich gab er später biographische Skizzen heraus (»Adolph Hoffmanns Erzählungen« und »Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit«). 1893 kehrte Hoffmann nach Berlin zurück, lebte und arbeitete fortan als Buchhändler und Verleger. Von 1900 bis 1921 und erneut ab 1925 war Hoffmann Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, von Januar 1904 bis Januar 1907 Abgeordneter des Reichstages (Wahlkreis: Sachsen 22) und von 1908 bis 1918 mit kurzer Unterbrechung des Preußischen Abgeordnetenhauses. In den Parlamenten war Hoffmann wegen seiner scharfen Zwischenrufe und seines Mutterwitzes berühmt. Er kritisierte 1914 die Burgfriedenspolitik des Parteivorstandes und nahm an den internationalen Konferenzen in Zimmerwald und Kienthal in der Schweiz teil. Von Juni 1916 bis Ende 1918 war er Vorsitzender des Zentralvorstandes des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlin und Umgegend. Wegen seiner antimilitaristischen Haltung und seiner Kritik an der SPD-Führung schloß ihn die Mehrheit der SPD-Abgeordnetenhausfraktion (zusammen mit Adolf Hofer, Paul Hoffmann und Heinrich Ströbel) im Januar 1917 aus der Fraktion aus. Adolph Hoffmann gehörte zu den Begründern der USPD, war Delegierter ihrer Parteitage und wurde im April 1919 in Leipzig in das ZK der USPD gewählt. Vom 12. November 1918 bis Anfang Januar 1919 leitete er gemeinsam mit Konrad Haenisch das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, kam im Januar 1919 in die Preußische Landesversammlung, in der er bis April 1921 als USPD bzw. VKPD-Abgeordneter blieb. Im Juni 1920 wurde er im Wahlkreis Berlin in den Reichstag gewählt, dem er bis Mai 1924 angehörte. Hoffmann setzte sich 1920 entschieden für den Anschluß an die Kommunistische Internationale und die Vereinigung mit der KPD ein und wurde auf dem Spaltungsparteitag in Halle im Oktober 1920 neben Ernst Däumig Vorsitzender der USPD (Linke). Der Vereinigungsparteitag im Dezember 1920 berief ihn zum Beisitzer der Zentrale in die Führung der VKPD. Im Februar 1921 gehörte Hoffmann zu der Gruppe von Zentralausschußmitgliedern, die den Kurs Paul Levis unterstützten. Berühmt wurde sein Ausspruch bei einer Berliner Funktionärskonferenz der KPD, wo ihn in der Diskussion Ruth Fischer, leicht bekleidet, temperamentvoll angriff und ihr dabei ein Träger des Kleides verrutschte. Dagegen »berlinerte« Hoffman (wie immer): »Jenossen, gegen so viel nackte Tatsachen komme ick nicht an, ick verzichte aufs Schlußwort.« Hoffmann trat mit Ernst Däumig, Clara Zetkin und Otto Brass aus der Zentrale aus und verließ im September 1921 die KPD-Fraktion. Er bildete mit anderen ausgeschlossenen und ausgetretenen ZA-Mitgliedern die KAG. Da er sich weigerte, sein Reichstagsmandat zurückzugeben, wurde er im Januar 1922 aus der KPD ausgeschlossen. Daraufhin ging er im Februar 1922 wieder zur USPD und kehrte mit ihr im September 1922 zur SPD zurück. Hoffmann stand auf dem linken Flügel der SPD, setzte sich 1926 für die Fürstenenteignung ein und wurde im Mai 1928 für die SPD wieder in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Adolph Hoffmann starb am 1. Dezember 1930 in Berlin.