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In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in der DDR

Schimansky, Hanns

* 26.5.1949

Geb. in Bitterfeld; Vater Elektroing. u. Volkswirt, Mutter Buchhändlerin; aufgew. in Stralsund u. Rostock; Abitur; 1968 – 72 Landw.-Studium an der Univ. Rostock; 1972 – 77 Berufspraxis als Agraring.; autodidakt. zeichnend, ab 1974 gefördert durch  Gerhard Kettner; 1977 – 80 Mstr.-Schüler an der AdK; Umzug nach Berlin; 1985 Wilhelm-Höpfner-Preis der Winckelmann-Ges. Stendal. 1991 Stipendiat des Kunstrings Folkwang, Essen; 1993 Stipendiat der Stiftung Kulturfonds Berlin; 1994 Mitgl. im Dt.…

Wer war wer in der DDR

Schirdewan, Karl

* 14.5.1907 – ✝ 14.7.1998

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen); aufgew. bei Pflegeltern u. in einem kath. Waisenhaus; 1914 von der Familie Schirdewan adoptiert; Adoptivvater Heizer; kath. Mittelschule; 1922 – 24 Ausbildung zum Kfm. in Breslau; 1922 ZdA, dann Verkehrsbund; 1923 KJVD; 1925 KPD in Breslau; 1925 – 27 KJVD-Funktionär; 1927/28 Sekr., ab 1928 Mitgl. des ZK des KJVD u. Vors. im Bez. Schles.; 1926 – 29 Laufbursche u. Bürobote in Breslau; 1929 – 31 arbeitslos; Frühjahr 1931/32 Ltr. u. 2. Red. des KJVD-Verlags »Junge… Geboren am 14. Mai 1907 in Stettin, Sohn von Josefine Aretz. Er wuchs zunächst als Pflegekind der Familie Barteck, dann im katholischen Waisenhaus in Neurode auf und wurde 1914 von der Familie Robert und Martha Schirdewan adoptiert; war dann Laufbursche, Bürogehilfe und Transportarbeiter. Ab 1923 Mitglied der KJD, 1925 der KPD, 1927 wurde er Sekretär des KJVD in Schlesien und im September 1929 auf dem 11. Kongreß in Berlin-Neukölln in das ZK des KJVD gewählt. Im Frühjahr 1931 Leiter des Verlages Junge Garde in Berlin, er gehörte zum Sekretariat des ZK des KJVD. Während der Auseinandersetzungen innerhalb dessen Führung wurden Schirdewan und Friedrich Schlotterbeck im Herbst 1931 aus ihren Funktionen abgelöst und Schirdewan als KJVD-Sekretär nach Ostpreußen versetzt. Ende 1932 wieder in Berlin, leitete er den AM-Apparat im ZK des KJVD. Er ging im Februar 1933 nach Sachsen, dann als Oberberater nach Hamburg und gehörte zuletzt dem illegalen »Dreierkopf« der KJVD-Inlandsleitung an. Am 19. Februar 1934 in Hamburg festgenommen und schwer gefoltert, am 12. Mai 1934 vom VGH zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Coswig verbüßte. Anschließend »Schutzhaft«, er saß bis 1945 ununterbrochen in verschiedenen KZs. 1945 Mitarbeiter im ZK der KPD bzw. ab April 1946 im SED-PV, hier zählte Schirdewan zu den wichtigsten Spitzenfunktionären der Westabteilung, später Leiter des Arbeitsbüros des ZK der SED. Im März 1952 löste er den 1. Sekretär der SED-Landesleitung Sachsen Ernst Lohagen ab, seit Ende 1952 wieder im Apparat des ZK. Nach den Auseinandersetzungen mit Wilhelm Zaisser und Rudolf Herrnstadt 1953 in das ZK kooptiert, wurde Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, dort bald »zweiter Mann« hinter Walter Ulbricht. Nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 forderte Schirdewan Reformen in der DDR und dachte, diese als Nachfolger Ulbrichts umzusetzen. Er fand im Politbüro und im Sekretariat Unterstützung, doch nach der Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn und den polnischen Ereignissen vom Sommer und Herbst 1956 erlangte Ulbricht wieder die Oberhand, Schirdewan wurde am 6. Februar 1958 auf dem 35. Plenum des ZK der SED gemeinsam mit Ernst Wollweber der »Fraktionstätigkeit« bezichtigt. Schirdewan erhielt eine strenge Rüge, wurde aus dem ZK der SED ausgeschlossen und als Leiter der Staatlichen Archivverwaltung nach Potsdam abgeschoben. Im April 1959 zur öffentlichen Selbstkritik genötigt, ging er 1965 in den Ruhestand. Er bekam 1977 die Ehrenspange zum VVO in Gold, wurde aber erst im Januar 1990 durch die SED/PDS rehabilitiert. Danach gehörte er zum »Rat der Alten« beim PDS-PV, veröffentlichte 1994 den Bericht »Aufstand gegen Ulbricht« und 1998 seine Erinnerungen unter dem Titel: »Ein Jahrhundert Leben«. Karl Schirdewan starb am 14. Juli 1998 in Potsdam. Bernd-Rainer Barth /

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schirmer, Hermann

* 2.12.1897 – ✝ 12.2.1981

Geboren am 2. Dezember 1897 in Stockheim bei Kronach/Oberfranken, Sohn eines Glasarbeiters; selbst Glasarbeiter, später Metallarbeiter in Nürnberg. 1916 trat er in die SPD ein und war von 1917 bis 1918 Soldat an der Ostfront. Er nahm 1919 als Mitglied des Soldatenrates an den bewaffneten Kämpfen der Bayerischen Räterepublik teil. 1919 Mitglied der USPD, 1924 der KPD. Von 1925 bis 1927 erwerbslos, 1927 Geschäftsführer der Zeitung der KPD Nordbayern und Mitglied der BL, kam Schirmer 1929 in den Stadtrat von Nürnberg und war von 1929 bis 1933 Orgleiter der BL Nordbayern. Am 29. Mai 1933 verhaftet und bis März 1935 in »Schutzhaft« gehalten, dann zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, zuletzt bis November 1936 im KZ Dachau. Nach der Freilassung Dreher, im September 1939 und im Juli 1944 erneut inhaftiert. 1945 aktiv beim Aufbau der Gewerkschaften und der KPD in Nürnberg und Nordbayern. Ab November 1945 1. Sekretär der KPD Nordbayern, im Juni 1946 kam er in die Bayerische Verfassunggebende Landesversammlung, dort Vorsitzender der KPD-Fraktion. Im August 1948 Vorsitzender der KPD in Bayern, ab 1951 Mitglied des KPD-PV, von 1954 bis zum Verbot der KPD im August 1956 Sekretär für Organisationsfragen, danach illegal tätig. Schirmer gehörte 1968 zu den Mitbegründern der DKP in Nordbayern. Er veröffentlichte 1974 sein Buch »Das andere Nürnberg«, bekam 1975 von der DDR den Karl-Marx-Orden verliehen. Hermann Schirmer starb am 12. Februar 1981 in Ost-Berlin. Sein Sohn Gregor Schirmer übersiedelte 1950 in die DDR, promovierte 1959 zum Dr. jur. und war ab 1965 Professor für Völkerrecht an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, von 1963 bis März 1990 Volkskammerabgeordneter, ab 1977 stellvertretender Leiter der Abteilung Wissenschaften des ZK der SED.

Wer war wer in der DDR

Schläfer, August

* 4.8.1902 – ✝ 8.3.1967

Geb. in Iserlohn; Vater Maurer; Volksschule, 1916 – 21 Lehre u. Arbeit als Schlosser, Studium des Maschinenbaus am Technikum Hildburghausen, ab 1925 Maschinenbau- u. Elektroing., 1925 – 46 Industrietätigkeit als Ing. bzw. Obering. in Brackwede u. Chemnitz. 1946 SED; 1946/47 Techn. Dir. der Industrieverwaltung 10 in Chemnitz; 1948 Techn. Dir. der Industrieverwaltung Maschinenbau Dresden; 1948 – 52 Hauptdir. der VVB Werkzeugmaschinenwerk Chemnitz; 1952/53 Werkltr. des VEB Konstruktion, Technol. u.…

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Schlagewerth, Heinrich

* 2.5.1890 – ✝ 11.8.1951

(* 1890 – † 1951) Geboren am 2. Mai 1890 in Duisburg; lernte Einschaler und war wie sein Vater auf dem Bau beschäftigt. Vor dem Weltkrieg übersiedelte er nach München-Gladbach. 1912/13 als Infanterist im Elsaß, von 1914 bis 1918 im Krieg Soldat, verwundet und dann wegen unerlaubter Entfernung von der Truppe 1916 zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt. Schlagewerth trat 1918 der USPD bei und kam mit der Mehrheit 1920 zur KPD. 1923 wurde er in München-Gladbach Vorsitzender der dortigen KPD und wegen seiner politischen Tätigkeit mehrmals zu kurzen Strafen verurteilt. Er stand auf dem ultralinken Parteiflügel. Im Dezember 1924 in den Reichstag gewählt, schloß er sich 1925 der Gruppe um Karl Korsch an. Als deren Organisator wurde er 1926 aus der KPD ausgeschlossen, zeichnete für die Zeitung der Korsch-Gruppe »Kommunistische Politik« verantwortlich. Der KPD-Führer Philipp Dengel bot Schlagewerth 2000 Mark, wenn er sein Reichstagsmandat freiwillig niederlege, der wies dieses Angebot entschieden zurück, blieb bis 1928 als Korsch-Anhänger im Reichstag und bis 1931 als unabhängiger Kommunist Stadtverordneter in München-Gladbach. Dort leitete er ab 1929 den Industrieverband unter Führung von Paul Weyers, eine kleine linksradikale Gewerkschaft. Nach 1933 illegal in verschiedenen linken Gruppen aktiv. Im Oktober 1936 verhaftet, bestritt er zunächst jede politische Tätigkeit, erklärte sich dann aber bereit, auszusagen. Schlagewerths umfassende Aussagen führten dazu, daß die KPO, anarcho-syndikalistische und trotzkistische Gruppen von der Gestapo zerschlagen werden konnten. Er schrieb über seine Beweggründe, er habe »anhand der Praktiken und auch der Theorie gefunden, daß der Nationalsozialismus die Ebene und das Fundament des Sozialismus in sich trägt«. Seine Denunziationen brachten 57 Angeklagte vor den NS-Richter. Besonders schwer belastete er »den Juden Lubinski« ( Dagobert Lubinski), der eine illegale Widerstandsgruppe der KPO leitete. Darüber hinaus beschuldigte Schlagewerth eine trotzkistische Organisation sowie seinen Freund Wilhelm Doll und wollte am 28. Oktober 1936 erneut vernommen werden, um eine syndikalistische Widerstandsgruppe zu entlarven. Über seine Trennung von diesen Gruppen notierte Schlagewerth: »1934 habe ich angefangen, mich mit der nationalsozialistischen Lehre zu befassen und war anhand der praktischen Erfahrungen schon im Begriff, meine ganze frühere Einstellung über Bord zu werfen, und stellte mir die Frage, ob ich die Sache der Gestapo melden sollte. Ich habe mir gesagt, schaue tiefer in die Sache und habe dann auch im Jahre 1935 von Müngersdorf erfahren, was ich hier angeben kann.« Er betonte zugleich: »Wäre ich noch Kommunist und Gegner des Nationalsozialismus, hätte ich jede Strafe über mich ergehen lassen, aber ich hätte geschwiegen wie ein Grab.« Am 6.April 1938 fand vor dem OLG Hamm ein großer Prozeß statt, in dem Schlagewerth selbst angeklagt war und sämtliche Mitangeklagten belastete. Er erhielt drei Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Als das RSHA anschließend »Schutzhaft« über ihn verhängen wollte, wandte sich die Gestapo München-Gladbach dagegen, denn Schlagewerth habe nach seiner Verhaftung »freiwillig ein umfangreiches Geständnis« abgelegt, wodurch der »gesamte illegale Apparat der KPD, KPO, Anarcho-Syndikalisten« aufgerollt werden konnte. Bereits am 16.Mai 1939 aus dem Zuchthaus Lüttringhausen entlassen, arbeitete er zunächst in Duisburg, zog 1940 nach Osnabrück, wo er bis Kriegsende beschäftigt war. Nach 1945 trat er politisch nicht mehr hervor, Heinrich Schlagewerth starb am 11.August 1951 in Duisburg.

Wer war wer in der DDR

Schleef, Einar

* 17.1.1944 – ✝ 21.7.2001

Geb. in Sangerhausen, Mutter Näherin, Vater Architekt; 1950 Einschulung, 1964 Abitur, Mitgl. einer Theatergruppe in Leipzig; 1964 Beginn eines Studiums an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (Malerei), 1964/65 zugleich Arbeit als Szenarist u. Kolorist für die Ztschr. »Mosaik«, 1965 Relegierung von der HS wegen Beleidigung eines Doz., Malerhelfer beim DFF, 1967 Wiederzulassung zum Studium (Bühnenbild), nach Abschluß 1971 Meisterschüler bei  Karl von Appen an der DAK zu Berlin; 1972 Debüt als…

Wer war wer in der DDR

Schlesinger, Erich Ferdinand Nicolaus

* 23.12.1880 – ✝ 17.12.1956

Geb. in Warstade (Krs. Neuhaus an der Oste); Vater Eisenbahning.; Gymnasium in Rostock u. Güstrow, 1900 Abitur; 1900 – 03 Studium der Rechts- u. Staatswiss. an den Univ. Heidelberg, München, Berlin u. Rostock, 1903 – 07 jurist. Referendariat in Güstrow; 1904 Prom. an der Univ. Rostock; 1907 Assessorexamen am Oberlandesgericht Rostock; ab 1907 Jurist in der Landesverw. Mecklenb.-Schwerin sowie in der Dominialverw. u. dem Min. für Justiz u. Inneres; 1919 Ministerialrat, 1929 Ministerialdir., 1929…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schliebs, Arthur

* 25.1.1899 – ✝ 26.1.1952

Geboren am 25. Januar 1899 in Neumarkt/Schlesien, Sohn einer Fabrikarbeiterin; lernte Buchdrukker und nahm 1917/18 als Soldat am Weltkrieg teil. 1919 Mitglied der USPD, ging Ende 1920 in die VKPD, Leiter des KJD-Unterbezirks Zwickau. Von Februar bis April 1924 inhaftiert, nach seiner Freilassung 1924 Bergarbeiter in Waldenburg in Schlesien. 1925 hauptamtlicher Redakteur der KPD-Zeitung »Der Kämpfer« in Chemnitz. Von 1926 bis 1928 Kursant der Internationalen Leninschule in Moskau, wurde im Herbst 1928 Mitarbeiter in der Agitpropabteilung des ZK, anschließend bis 1931 Agitprop- bzw. Orgleiter der KPD-BL Halle-Merseburg. Dann Redakteur der »Arbeiterstimme« Dresden, an der Jahreswende 1932/33 erneut Mitarbeiter im Apparat des ZK der KPD. Schliebs war von April bis Juli 1933 in »Schutzhaft«, wurde im Dezember 1933 wieder festgenommen und vom VGH im Dezember 1935 zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juni 1936 entlassen, erwerbslos, seit 1938 Vertreter für Singer-Nähmaschinen. Im August 1944 erneut verhaftet und im KZ. 1945/46 Mitglied des Sekretariats der KPD-BL Sachsen, später 2. Sekretär des SED-LV Sachsen. Schliebs gehörte zur Gruppe um den sächsischen Innenminister Kurt Fischer und spielte im (neben dem paritätisch besetzten SED-Sekretariat) sogenannten zweiten Apparat der Moskau-Kader eine maßgebliche Rolle. Im April 1951 erhielt Schliebs zunächst eine strenge Rüge und wurde mit völligem Funktionsverlust bestraft. Wegen »parteischädigenden und unmoralischen Verhaltens sowie wegen Nichtdurchführung des Beschlusses des ZK vom April 1951« wurde er am 24. Oktober durch die LPKK Sachsen aus der SED ausgeschlossen. Diesen Beschluß, gegen den er sich wehrte, bestätigte die ZPKK am 7. Dezember 1951. Unmittelbar danach, am 26. Januar 1952, starb Arthur Schliebs in Dresden.

Wer war wer in der DDR

Schlothauer, Michael

* 21.6.1943

Geb. in Großschirma (Krs. Freiberg); Vater Tierarzt; Grund- u. OS; 1962 – 65 Studium an der Offiziers-HS der Landstreitkräfte, 1964 SED; 1965 – 71 Offizier in versch. Dienststellungen im Mot. Schützenregt. 16 der 11. Mot. Schützendiv.; 1971 – 75 Offiziershörer an der Militärakad. »M. W. Frunse« in Moskau, Dipl.-Militärwiss.; 1975 – 78 erneut in der 16. Mot. Schützendiv.; 1978/79 Kdr. Mot. Schützenregt. 24, 1979/80 stellv. Kdr. u. Stabschef, 1980 – 82 stellv. Kdr. für Ausbildung der 4. Mot.…

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Schlupp, Friedrich

* 11.1.1896 – ✝ 1939

Geboren am 11. Januar 1896 in Krausenhof/Krs. Königsberg. Bauarbeiter, seit 1915 Soldat im Ersten Weltkrieg, 1918/19 in Königsberg Teilnehmer an den revolutionären Kämpfen. Seit 1919 Mitglied der USPD, mit deren linkem Flügel kam er Ende 1920 zur KPD, Funktionär im AM-Apparat der BL Ostpreußen. Anfang 1930 Kursant an der M-Schule in Moskau, Schuldeckname Alfred, nach Rückkehr Beauftragter der BL für den illegalen RFB in Ostpreußen, anschließend Leiter des dortigen AM-Apparates. Ab Juli 1931 in Berlin Reichsleiter des speziellen Apparates (Kriegsfall Sowjetunion). Im Zusammenhang mit polizeilichen Ermittlungen flüchtete Schlupp Ende 1931 in die Sowjetunion (Prozeß Klaus Ueberbrück). Dort arbeitete Schlupp für die GRU, illegal reiste er auch nach Deutschland. Seine in Moskau gebliebene Frau Alisa Hermann (* 1894), Mitglied der KPD seit 1920, erhielt noch bis 1939 Unterstützung durch die GRU. Der weitere Lebensweg von Friedrich Schlupp konnte bisher nicht ermittelt werden, sehr wahrscheinlich ist er 1939 während der stalinistischen Säuberungen umgekommen.

Wer war wer in der DDR

Schmeing, Richard

* 25.5.1909 – ✝ 25.10.1984

Geb. in Follwark (Krs. Oppeln, Schles. / Folwark, Polen); Volksschule; 1924 – 29 Lehre u. Arbeit als Tischler; 1929/30 arbeitslos; 1929 KPD; 1931/32 Tiefbauarb.; 1932/33 Tischler; 1933/34 arbeitslos; illeg. Parteiarbeit; 1934/35 Kraftfahrer; 1935 Verurteilung zu vier Jahren Zuchthaus, Brandenb.-Görden, dann KZ Sachsenhausen; 1944 Fluchtversuch, danach Todesurteil, Verlegung zur »Versuchsanstalt für Fleckfieberforschung« ins KZ Buchenwald. 1945 Einstellung bei der Polizei, Kripo Limbach; 1949…

Wer war wer in der DDR

Schmidt, Annerose

* 5.10.1936 – ✝ 10.3.2022

Geb. in Wittenberg; ab 1941 Klavierunterricht bei ihrem Vater; 1945 erstes öffentl. Konzert; 1948 Berufsausweis als staatl. anerkannte Konzertpianistin; seit 1949 Konzerte beim Berliner Rundfunk; 1953 – 57 Studium an der HS für Musik Leipzig; 1957 Beginn der internat. Konzerttätigkeit; ihr Repertoire umfaßt annähernd 80 Solokonzerte des 18. u. 19. Jh. bis zu Kompositionen der Gegenwart, u. a. sämtl. Klavierkonzerte von Wolfgang A. Mozart, Ludwig v. Beethoven, Béla Bartók, Frédéric Chopin,…

Wer war wer in der DDR

Schimmer, Rudi

* 25.4.1929 – ✝ 25.9.1985

Geb. in Lauterbach (Schles.); Vater Arbeiter; Volks- u. Berufsschule, Lehre u. Arbeit als Tischler; Febr. – Mai 1945 Wehrmacht, 1945 / 46 amerikan. Kriegsgef. 1946 / 47 Arbeit als Tischler; 1947 SED; 1948 Instrukteur bzw. Sekr. der SED-KL Görlitz; 1950 Besuch der SED-LPS Sachsen; 1951 – 55 Sekr. der SED-KL Dresden u. Dresden-Land bzw. der SED-Stadtltg. Dresden; 1955 – 58 Studium an der SED-PHS, Dipl.-Gesellschaftswiss.; 1958 – 60 Sekr. für Agit. u. Prop. der SED-BL Dresden; 1960 – 62 2. Sekr.…

Wer war wer in der DDR

Schirmer, Gregor

* 1.4.1932 – ✝ 22.2.2023

Geb. in Nürnberg; Vater Arbeiter, KPD-Funktionär Hermann S.; Volks- u. Oberrealschule; 1949 KPD u. FDJ-Krs.-Vors. der FDJ Nürnberg; 1950 Übersiedl. in die DDR im Zusammenhang mit dem Verfahren eines amerik. Militärgerichts in Nürnberg wegen FDJ-Aktivitäten; Instrukteur beim ZR der FDJ; 1951 SED; 1951 Abitur; 1951 – 55 Studium der Rechtswiss. an der KMU Leipzig, Dipl.-Jur.; 1955 – 59 Aspirantur u. Assistent an der ASR Potsdam u. der HU Berlin; 1959 Prom. zum Dr. jur.; 1959 – 61 Sekr. der SED-GO…

Wer war wer in der DDR

Schirmer-Pröscher, Wilhelmine

* 9.7.1889 – ✝ 2.3.1992

Geb. in Gießen; Vater Angest.; dort Höhere Töchterschule; 1905 – 11 Ausbildung zur Drogistin u. Besuch des Lehrerinnenseminars Eisleben; 1911 – 19 Lehrerin in Seidan (Bautzen); 1919 – 48 Drogistin in Berlin-Mariendorf; 1918 – 33 DDP bzw. Dt. Staatspartei. 1945 Mitbegr. der LDPD in Berlin; ab Febr. 1946 Mitgl. des PV u. des Hauptaussch. bzw. Pol. Aussch. des Zentralvorst. der LDPD; 1947 Mitbegr. des DFD u. ab 1948 stellv. Vors. des Bundesvorst.; 1948/49 Mitgl. des Dt. Volksrats; 1948 – 53…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlaffer, Joseph

* 27.3.1891 – ✝ 26.4.1964

Geboren am 27. März 1891 in Kallmünz/Bayern, Sohn eines bayerischen Gendarmerieoberwachtmeisters, wuchs in Armut auf. Nach Beendigung der Schlosserlehre 1907 Wanderschaft, 1911 als Heizer zur Marine eingezogen. Ende 1912 Mitglied der SPD. Während des Weltkrieges Matrose auf einem U-Boot. Nach Ausbruch der Revolution 1918 Mitglied des Soldatenrates in Brunsbüttelkoog. Ende 1918 Rückkehr nach München, dort Übertritt zur USPD und Betriebsratsvorsitzender bei der Reichsbahn. 1920 mit der linken USPD zur KPD, wurde 1921 zu drei Jahren Festung verurteilt, weil er während der März-Aktion 1921 an den Aufstandsvorbereitungen teilgenommen hatte. Da er 1924 als Kandidat für die Reichstagswahlen aufgestellt wurde, vorzeitig aus der Festung Niederschönenfeld entlassen. In den Bayerischen Landtag gewählt, war Schlaffer Führer der weiterhin illegalen bayerischen Kommunisten. Der IX. Frankfurter Parteitag 1924 berief ihn in den ZA, er war Delegierter des V. Weltkongresses der Komintern im Juli 1924, Polleiter für Süd- und Nordbayern. Im August 1924 erhielt er – obwohl Abgeordneter – erneut drei Monate Gefängnis. Im Urteil hieß es: »Schlaffer ist gerichtsbekanntermaßen nicht nur kommunistischer Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender, sondern überhaupt der führende Mann und leitende Geist der kommunistischen Bewegung in Bayern.« Der X. Parteitag 1925 wählte Schlaffer in Abwesenheit ins ZK. Im Januar 1926 vom Staatsgerichtshof wegen Weiterführung der illegalen KPD in Bayern zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, lebte er illegal und war 1925/26 einige Monate Polleiter des KPD-Bezirks Halle-Merseburg (Pseudoym Rudi Berger). Nach Aufhebung seiner Immunität als bayerischer Abgeordneter im Februar 1926 schickte ihn die KPD zur Komintern nach Moskau. Von dort kam er Ende 1926 als Polleiter ins Saargebiet (Pseudonym Paul Richter). Der XI. Parteitag im März 1927 wählte Schlaffer zum Mitglied des ZK. Im August 1927 in Saarbrücken verhaftet, aus dem Saargebiet ausgewiesen, nach Deutschland abgeschoben, abermals inhaftiert und 1928 amnestiert. Ab Frühjahr 1929 Polleiter in Württemberg, vom XII. Parteitag 1929 wieder ins ZK berufen und im September 1930 zum Reichstagsabgeordneten gewählt. Wegen der Niederlage der KPD bei den Kommunalwahlen in Württemberg Ende 1931 wurde Schlaffer im Januar 1932 angegriffen. Dort seiner Funktion enthoben, war er anschließend im Rheinland tätig, dann bis Dezember 1932 in Berlin Leiter des Kampfbundes gegen den Faschismus. Er kam im Juli 1932 über den Reichswahlvorschlag der KPD erneut in den Reichstag, war aber in der Partei als Anhänger der Remmele-Neumann-Gruppe isoliert. 1933 wohnte Schlaffer (zusammen mit Hermann Remmele) vier Monate illegal in Berlin, war dann unter falschen Namen (Kurt Hagert und Oswald Jaeschke) Kaufmann. Darüber heißt es in seinem Lebenslauf: »Mit meinen neuen illegalen Papieren und mit Hilfe meines Bruders Anton, der auf meinen Vorschlag einen Eiweiß-Großhandel (Milchpulver mit Lecithin) neben seiner Bäckerei und Konditorei aufgenommen hatte, dessen Geschäftsführung ich nun unter meinem illegalen Namen übernommen hatte, verdiente ich persönlich sehr gut und vergrößerte diesen Betrieb immer mehr... Meine erste Verhaftung im Jahre 1936 ... machte dieser geschäftlichen Aufwärtsentwicklung ein Ende. Ich wurde in das SS-Gefängnis in die Prinz-Albrecht-Str. eingeliefert – fast sechs Wochen lang verhört und auch einmal verprügelt –, aber meine jahrelange geschäftliche Betätigung, die von der Gestapo genau nachgeprüft wurde, war ein solch überzeugendes Alibi, daß die Gestapo auch von einer Bestrafung wegen Urkundenfälschung, d. h. wegen Führung falscher Papiere, Abstand nahm und mich wieder auf freien Fuß setzte. Von Juni oder Juli 1936 an konnte ich wieder legal, d. h. unter meinem richtigen Namen auftreten ...« Im April 1937 erneut verhaftet und in das KZ Sachsenhausen eingeliefert, wurde Schlaffer nach Unterschreiben eines Revers, sich nicht mehr kommunistisch zu betätigen, im August desselben Jahres freigelassen. Er arbeitete bis 1943 in verschiedenen Berufen, dann zum Militär eingezogen, geriet er im April 1945 in sowjetische Gefangenschaft bei Küstrin. Später berichtete er: »Von den ca. 60 im Lager Küstrin vorhandenen Kommunisten wurde ich zum Leiter gewählt und wurde schließlich politischer Kommandant des Lagers ... Nach meiner Entlassung im September 1945 meldete ich mich im neuen ZK der KPD ... Dahlem schickte mich sofort zur sowjetischen Militärverwaltung nach Karlshorst. Dort wurde ich von General Gorochow beauftragt, eine neue Zentralverwaltung für die Umsiedlung der Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten östlich der Oder-Neiße-Linie zu bilden...« Nach Differenzen mit Besatzungsoffizieren von diesem Posten entlassen, wurde Schlaffer Direktor des Industrieverbandes Eisen und Metall des Landes Brandenburg, dann Direktor der Hüttenwerke Hennigsdorf. Dort kündigte er im Sommer 1948, angeblich, um sich aus Gesundheitsgründen ins Privatleben zurückzuziehen. Am 24. August 1948 von Heinrich Rau, damals Vorsitzender der DWK, nach Hennigsdorf bestellt, um sein restliches Gehalt abzuholen, erwartete ihn dort nicht Rau, sondern der NKWD-Major Popow und der deutsche Kriminalkommissar Beater. Sie verhafteten ihn unter dem Vorwand: Unstimmigkeiten in der Kasse. Schlaffer war in West-Berlin (er wohnte im französischen Sektor) allerdings mit dem Sozialdemokraten Gustav Klingelhöfer, den er aus der bayerischen Festung Niederschönfeld kannte, in Verbindung getreten und hatte ihm einen Bericht über die Zustände im Sowjetsektor gegeben. Wegen dieses Treffens denunziert, wurde Schlaffer vom 24. August bis 20. Oktober 1948 vom NKWD festgesetzt. Als angeblicher Gestapoagent den deutschen Behörden übergeben. Am 14. März 1949 unter Einstellung seines Falles auf freien Fuß gesetzt, wurde er aber nach einem Parteiverfahren aus der SED ausgeschlossen. Mitte Oktober 1956 wurde er von der ZPKK parteipolitisch rehabilitiert. Das Politbüro ordnete die Anerkennung seiner Parteimitgliedschaft an, doch er blieb in West-Berlin und betätigte sich nicht mehr für die SED, mit der er innerlich längst gebrochen hatte. Joseph Schlaffer starb am 26. April 1964 in West-Berlin an einem Herzinfarkt. Im Jahrbuch für historische Kommunismusforschung erschien 2008 eine Biographie Schaffers von Kurt Schilde.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlanert, Karl

* 25.10.1891 – ✝ 6.9.1972

Geboren am 25. Oktober 1891 in Lübeck; dort Schiffszimmerer. 1920 trat Schlanert der KPD bei und gehörte von 1924 bis 1928 der Lübecker Bürgerschaft an. Nach 1933 betätigte er sich illegal für die KPD, wurde am 11. Oktober 1935 festgenommen und am 30. September 1936 vom Hanseatischen OLG zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt, kam anschließend in die KZs Sachsenhausen und Buchenwald. Im Zuge der Amnestie anläßlich Hitlers 50.Geburtstag wurde Schlanert am 20. April 1939 entlassen. Am 20. August 1944 erneut verhaftet, saß er bis zum 23. Oktober 1944 im KZ Neuengamme. 1945 gehörte er der ernannten Bürgerschaft von Lübeck an und arbeitete als Gewerkschaftssekretär. Karl Schlanert starb am 6.September 1972 in Lübeck.

Wer war wer in der DDR

Schleiff, Henning

* 2.11.1937

Geb. in Malchow (Mecklenb.); OS, Abitur; Studium an der Univ. Rostock, 1960 Dipl.-Ing.-Ökon.; Sekr. der FDJ-Hochschulgr.; 1959 SED; 1963 – 69 1. Sekr. der FDJ-KL Rostock-Stadt u. Mitgl. der SED-KL; 1963 – 71 Mitgl. des ZR der FDJ; 1965 – 70 u. erneut ab 1974 Stadtverordn. von Rostock; 1970 – 74 Aspirant am IfG, Prom.; 1974/75 1. Stellv. des OB, ab 1975 OB von Rostock (Nachf. von Heinz Kochs); 1974 – 89 Mitgl. des Sekr. der SED-KL Rostock; 1976 – 81 Kand., 1981 – 89 Mitgl. der SED-BL; Vors. der…

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Schlesinger, Klaus

* 9.1.1937 – ✝ 11.5.2001

Geb. in Berlin; Vater Arbeiter; Grundschule; Ausbildung zum Chemielaboranten; studierte mehrere Semester an der Ing.-HS in Berlin (West) u. Fürstenwalde; erste liter. Veröff. 1960; seit 1964 freier Journalist u. Schriftst.; 1964/65 Reportagekurs bei Jean Villain; 1971 erste Buchveröff. (Roman »Michael«); 1972 Fernkurs am Lit.-Inst. »Johannes R. Becher« in Leipzig; seit 1973 Mitgl. im SV; org. mit  Bettina Wegner 1974/75 bis zum staatl. Verbot in Berlin die Veranstaltungsreihen »Eintopp« bzw.…

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Schlimme (jun.), Hermann

* 11.4.1921 – ✝ 6.11.1980

Geb. in Halle (Saale), Vater  H. S. (sen.) Gewerkschaftsfunktionär; Volksschule u. Realgymnasium; 1934 – 40 Lehre u. Arbeit als Spediteur u. Expedient bei der Fa. Gustav Knauer Berlin; 1940/41 RAD; 1941 – 45 Wehrmacht, 1945/46 brit. Kriegsgef. in Italien. 1946 – 49 Expedient, 1949/50 Sozialdir., 1950 – 53 kaufm. Dir. u. Vorstandsmitgl. des Unternehmens »Derurta« Berlin; 1952 – 54 GD der Staatl. Oderschiffahrtsges.; 1954 – 1964 GD der »Deutrans«; 1958 – 61 Studium an der PHS der SED,…

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Schlott, Volker

* 20.4.1958

Geb. in Oelsnitz (Vogtl.), dort erste musikal. Ausb. an der Musikschule; 1974 – 78 Studium an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin (Saxophon, Flöte, Klavier), dort seit 1995 Dozent; seit 1978 profess. Musiker in versch. Genres: in Wolfgang Fiedlers Band »Fusion« (1978 Auftritt bei der »Jazzbühne Berlin«, auf LP veröffentlicht), 1980 – 83 im Quartett von  Uwe Kropinski (1981 auf Kleeblatt-LP veröffentlicht), zeitweilig Mitgl. der Hannes Zerbe Blechband, im Trio Fiedler-Einer-Schlott…

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Schlüter, Klaus

* 24.7.1939

Geb. in Hof Jörnstorf (Krs. Bad Doberan) in der Familie eines Gutspächters, aufgew. in Schwerin; 1958 Abitur; 1958 – 60 Lehre als Landvermesser; anschl. Studium der Geodäsie an der TU Dresden, unterbrochen durch achtmonatige Haft wegen »aufrührer. Zusammenrottung« u. durch »Bewährung in der Praxis« als Landvermesser in Mecklenb.; 1969 Abschl. des Studiums als Dipl.-Ing. für Geodäsie; danach bis 1989 versch. Tätigkeiten auf dem Gebiet der EDV; seit der Schulzeit im Naturschutz engagiert, später…

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Schmellenmeier, Heinz Paul Philipp

* 6.1.1909 – ✝ 31.8.1994

Geb. in Berlin; Vater Beamter im Telegraphendienst; 1920 – 27 Königstädt. Oberrealschule in Berlin, Abitur; nach anfängl. Studium der Germanistik u. Gesch. ab 1929 Studium der Physik u. Chemie an der Univ. Berlin, dort 1935 Prom.; ab 1932 Mitarb. der Studiengesell. für elektr. Beleuchtung (OSRAM), dort Schüler von Marcello Pirani; 1932 KPD, 1936 wg. illeg. Arbeit 5 Monate bei der Gestapo in U-Haft; danach u. a. bei der C. Lorentz AG in Berlin beschäftigt; 1941 Gründung des…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmidt, Marie

* 10.2.1895 – ✝ 14.6.1971

Geboren als Marie Kühn am 10. Februar 1895 in Egelsbach bei Darmstadt, zweitjüngste von sieben Töchtern eines Landwirts. Sie ging nach Darmstadt »in Stellung«. Im April 1914 heiratete sie den Stukkateur Adolf Theodor Schmidt. Über die proletarische Freidenkerbewegung, wo sich beide stark engagierten, gelangte Marie Schmidt in die KPD. Sie wurde in den Gemeinderat von Egelsbach gewählt und als Rednerin für die KPD in Hessen bekannt. Dabei soll sie sehr aggressiv aufgetreten sein, erhielt deshalb den Namen »Rote Marie«. Am 15. November 1931 als eine der drei weiblichen Abgeordneten in den Hessischen Landtag gewählt, hielt sie ihre einzige kleine Rede im Februar 1932 in der Debatte zu einer Regierungsvorlage. Im März 1933 mit ihrem Mann verhaftet, nach einigen Wochen entlassen. Ihr Sohn Theo flüchtete 1934 ins Saargebiet und ging 1936 nach Spanien, wo er als Angehöriger der Internationalen Brigaden 1937 bei Taragona fiel. Nach dem Tod ihres Mannes 1943 arbeitete Marie Schmidt in einem Frankfurter Postamt. 1945 übersiedelte sie nach Neu-Isenburg zu ihrer Tochter Margot, wurde wieder Mitglied der KPD und des DFD und zog sich dann aus dem politischen Leben zurück. Marie Schmidt starb am 14.Juni 1971 in Neu-Isenburg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schinkel, Helmut

* 14.10.1902 – ✝ 31.5.1946

Geboren am 14. Oktober 1902 in Kosten/Posen, Sohn eines Eisenbahners; wuchs in Brandenburg auf, besuchte bis 1918 die Mittelschule, anschließend die Präparandenanstalt und von 1919 bis 1922 das Volksschullehrerseminar in Kyritz. Da er sich gegen die Prügelstrafe wandte und für reformpädagogische Ideen eintrat, verlor er bereits im September 1923 seine Stelle als Lehrer in Brandenburg. Seit 1920 Mitglied der KJD, 1922 der KPD, engagierte sich Schinkel besonders in dem 1924 auf der Reichskonferenz der Kommunistischen Kindergruppen gegründeten JSB. Im August 1924 kam er zunächst nach Berlin und fuhr anschließend nach Worpswede auf den Barkenhoff und arbeitete hier mit Heinrich Vogeler zusammen. Bis Dezember 1925 Lehrer und Erzieher, verfaßte Kinder- und Jugendlieder sowie Bücher. Seit Januar 1926 wieder in Berlin tätig, Lehrer an Reformschulen. Im April 1929 Delegierung zur Arbeit in das Internationale Kinderbüro, einer Organisation der Kommunistischen Jugendinternationale nach Moskau. Schinkel organisierte im Juli 1930 das Internationale Kindertreffen in Berlin, schied aber im selben Jahr aus dem Apparat der KJI aus und wurde Lehrer an einer deutschsprachigen Schule im Nordkaukasus. Von 1932 bis 1934 Direktor der deutschen Karl-Liebknecht-Schule in Moskau. Im September 1934 abgelöst, begann er 1934 an der KUNMS zu studieren. Zuletzt war er in der ASSR der Wolgadeutschen u. a. als Lehrer tätig. Er wurde am 5. Juli 1937 unter dem Vorwurf »Mitglied einer konterrevolutionären faschistischen Gruppe« zu sein, vom NKWD verhaftet, am 10. Januar 1938 zu acht Jahren Lager verurteilt, Helmut Schinkel starb am 31.Mai 1946 in einem NKWD-Lager im Nordosten des europäischen Teils der Sowjetunion. Ulla Plener veröffentlichte 1996 eine Biographie Schinkels.

Wer war wer in der DDR

Schirmer, Herbert

* 8.7.1945

Geb. in Stadtlengsfeld (Krs. Eisenach); bis 1966 Ausbildung zum Maschinist u. Heizer; Buchhändler mit FS-Abschl.; 1974/75 in Dresden in diesem Beruf tätig; 1976 – 78 Mitarb. im Bez.-Kabinett für Kulturarbeit Dresden; 1977 Chefred. von »Kultur-Report« Dresden; Fernstudium der Journalistik an der KMU Leipzig; danach bis 1986 Abt.-Ltr. im Verlag der Kunst; 1985 – 90 CDU; 1989 wiss. Mitarb. der Staatl. Kunstsammlung Cottbus; Herbst 1989 Mitbegr. u. Sprecher des Neuen Forums Beeskow; Nov. 1989 – März…

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Schkopik, Franz

* 5.1.1900 – ✝ 18.10.1980

Geb. in Salgótarján (Ungarn); Vater Glasbläser, Mutter Landarb.; Volksschule in Graz (Österreich); 1914 – 22 Lehre u. Arbeit als Glasbläser; 1918/19 Soldat in der österr.-ungar. Armee u. der Roten Armee Ungarns; 1920 Flucht in die ČSR; 1921 KPČ; 1922 – 38 arbeitslos bzw. Hilfsarb.; 1925 – 38 Mitgl. der KPČ-BL; 1931 – 38 Politltr. der KPČ Bezirk Teplitz; 1939 Emigr. in die UdSSR; Metallfräser in Tscheljabinsk; 1943 Besuch der KI-Schule in Ufa; 1943/44 Politinstrukteur in der Roten Armee; 1945/46…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlag, Otto

* 5.1.1889 – ✝ 22.4.1944

Geboren am 5. Januar 1889 in Kraftsdorf/Thüringen, Sohn eines sozialdemokratischen Arbeiters, lernte mit acht Geschwistern früh das Proletarierleben kennen. Noch während der Schlosserlehre 1905 Mitglied der sozialistischen Jugend, kam 1910 nach Hohenmölsen und arbeitete als Lokheizer, 1912 Mitglied der SPD. Im Krieg zur Marine eingezogen, beteiligte er sich im November 1918 am Flottenaufstand in Kiel. Zurück in Hohenmölsen schloß er sich der USPD an, dort im Januar 1920 Mitbegründer der KPD. Von 1920 bis 1928 arbeitete er im Bergbau, war Betriebsratsvorsitzender und Kreistagsabgeordneter in Weißenfels. Schlag wurde 1928 in den Preußischen Landtag gewählt und blieb bis 1933 Abgeordneter des Parlaments. Seit 1928 hauptamtlicher Funktionär, er leitete ab 1929 die RGO-Gruppe Bergbau in Mitteldeutschland. 1933 arbeitete Schlag illegal, wurde am 14. April 1933 verhaftet und kam in die KZs Lichtenburg, Esterwegen und Sachsenhausen. 1939 als Schwerkranker entlassen, ging er nach Halle. Dort starb Otto Schlag am 22. April 1944 an den Folgen der Haft. Sein Sohn Walter Schlag (* 13. 9. 1914 – †21. 11. 1981) wurde 1933 als Mitglied des KJVD verhaftet und saß bis 1945 im Zuchthaus. Ab 1945 Geschäftsführer der KPD-BL Halle bzw. ab 1946 des SED-Landesvorstandes Sachsen-Anhalt, war dann in der KVP und schied 1970 als Oberstleutnant aus der NVA aus. Annika Sprodowski veröffentlichte 2003 einen biographischen Artikel über Otto Schlag.

Wer war wer in der DDR

Schläwicke, Willi

* 10.4.1917 – ✝ 15.11.2003

Geb. in Berlin; Vater Lokführer; Volksschule; 1931 – 44 Lehre u. Arbeit als Buchhalter; 1941 – 44 Abendgymnasium; Sept. – Nov. 1944 Wehrmacht; dann wieder Buchhalter. Mai 1945 Einstellung bei der Kripo Berlin; 1945/46 KPD/SED; 1950 Einstellung beim MfS, Ltr. der Abt. Finanzen; 1953 Oberst; Ltr. der Abt. X (Fahndung); 1954 Ltr. der Abt. M (Postkontrolle); 1957 als MfS-OibeE stellv. Ltr. der HA Paß- u. Meldewesen des MdI; 1960 Ltr. der Abt. Nachrichten II der HV der DVP; 1963 Entlassung,…

Wer war wer in der DDR

Schleime, Cornelia

* 4.7.1953

Geb. in Berlin; 1970 – 72 Friseurlehre; dann bis 1974 Studium Maskenbildnerei an der HS für Bildende Kunst (HfBK) Dresden, Abbruch des Studiums; Pferdepflegerin an der Vollblutrennbahn Dresden; 1975 – 80 Studium der Grafik u. Malerei an der HfBK Dresden; 1980 – 82 Kand. des VBK; 1981 Ausstellungsverbot; Gründungsmitgl. einer Dresdener Psychedelic-Punkband; 1982 Austritt aus dem VBK; 1984 Übersiedl. nach Berlin (West); Verlust der bis dahin entstandenen künstler. Arbeiten, deren Verbleib bis…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlich, Robert

* 24.9.1875

Geboren am 24. September 1875 in Wittenberg; Arbeiter, übersiedelte um die Jahrhundertwende nach Breslau und wurde Mitglied der SPD. Seit März 1910 Angestellter des Transportarbeiterverbandes in Breslau, im Weltkrieg Soldat. Er gehörte zur Spartakusgruppe, seine Frau betreute 4 Rosa Luxemburg im Gefängnis. Schlich war als Breslauer Delegierter auf dem Gründungsparteitag der KPD Ende 1918. Anfang 1919 führte er die KPD-Organisation in Breslau, wurde im Frühjahr 1919 verhaftet, kam aber im April wieder frei. Robert Schlich trat später in der KPD nicht mehr hervor, Daten seines Lebenslaufs ließen sich nicht ermitteln.

Wer war wer in der DDR

Schlimme (sen.), Hermann

* 14.9.1882 – ✝ 10.11.1955

Geb. in Langensalza; Vater Arbeiter; Volksschule; 1896 – 1903 Wanderschaft; Drechsler; 1899 Dt. Holzarbeiterverb.; 1904 – 07 Handelshilfsarb.; 1906 Dt. Transportarbeiterverb.; SPD; 1906 – 11 ehrenamtl. Gewerkschafts- u. Parteiarbeit, maßgebl. an Streikkämpfen beteiligt; 1907 – 11 Kontorist u. Buchhalter; 1911 –21 hauptamtl. Bez.-Ltr. des Dt. Transportarbeiterverb. in Halle; 1915 – 18 Kriegsdienst; 1918 USPD; danach wieder SPD; 1920 Teiln. an der Abwehr des Kapp-Putsches; 1922/23 FS für Verw.…

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Schlotterbeck, Anna

* 2.5.1902 – ✝ 24.7.1972

Geb. in München; Vater Arbeiter, Mutter Hausfrau; Volksschule in München, anschl. Maschinenbauschule in Esslingen, Abschluß als techn. Zeichnerin; ab 1917 kunstgewerbl. Zeichnerin u. Stenotypistin bei der Bosch AG in Stuttgart-Feuerbach; 1918 SAJ, FSJ; Teiln. an den Nov.- u. Jan.-Kämpfen des Spartakusbundes in Stuttgart; 1924 KJVD u. KPD; Mitgl. der KJVD-BL in Königsberg, Danzig, Halle u. Berlin; verh. mit dem KPD-Funktionär Robert Leibbrand; 1927 / 28 Stenotypistin bei der KI in Moskau; KPdSU;…

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Schlüter, Otto

* 12.11.1872 – ✝ 12.10.1959

Geb. in Witten (Ruhr); Vater Rechtsanwalt u. Notar; Burggymnasium Essen; 1891 – 95 zunächst Geschichts- u. Germanistikstudium, später Studium der Geogr., Geol., Mineral. u. Petrogr. in Freiburg i. Br., Halle u. Berlin; 1896 Prom. in Halle; 1898 – 1900 Assistent bei der Berliner Ges. für Erdkunde; 1906 Habil. im Fach Geogr. an der Univ. Berlin; hier 1906 – 11 Priv.-Doz.; 1911 – 38 ord. Prof. für Geogr. u. Dir. des Geograph. Inst. an der Univ. Halle; 1938 – 51 mit kurzen Unterbrechungen…

Wer war wer in der DDR

Schmid, Hans Hermann

* 23.1.1884 – ✝ 23.10.1963

Geb. in Wien; Vater Kunstmaler; 1890 – 1902 Besuch des Humanist. Gymnasiums Wien, Matura; 1902 – 07 Medizinstudium an den Univ. Heidelberg u. Wien, 1907 Approbation u. Prom. in Wien, anschl. Ass. an der Universitätsfrauenklinik Wien, 1908 – 11 an der Chirurg. Universitätsklinik Wien; 1911 – 21 Oberarzt an der Universitätsfrauenklinik Prag, dort 1919 Habil., 1924 außerord. Professor; 1925 – 38 Dir. der Städt. Frauenklinik in Reichenberg (Liberec, Tschechien); 1938 von den Nationalsozialisten aus…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmidt, Kurt

* 14.1.1905 – ✝ 14.3.1938

Geboren am 14. Januar 1905 in Marten/Krs. Dortmund; Schlosser, zeitweise Betriebsrat in Dortmund. 1927 trat er in die SPD ein, 1931 wechselte er zur KPD. 1932/33 gehörte Kurt Schmidt der Leitung des UB Dortmund an, er wurde am 5. März 1933 in den Preußischen Landtag gewählt, konnte das Mandat aber wegen der einsetzenden Verfolgung durch das NS-Regime nicht ausüben. Nach kurzer Inhaftierung emigrierte er in das Saargebiet, war dort unter dem Decknamen August Hartmann führend in der Emigrationsleitung tätig. Nach der Saarabstimmung ging er nach Frankreich, arbeitete im Koordinierungsausschuß für Spanienfreiwillige und ging Ende 1937 selbst nach Spanien. Als Angehöriger der Internationalen Brigaden war er Führer einer Maschinengewehr-Kompanie im »Edgar-André-Bataillon«. Kurt Schmidt fiel am 14. März 1938 bei Alcansis an der Ebrofront.

Wer war wer in der DDR

Schipanski, Dagmar

* 3.9.1943 – ✝ 7.9.2022

Geb. in Sättelstädt (b. Eisenach); Mutter Lehrerin, Vater Pfarrer; 1962 Abitur in Ilmenau; 1962 – 67 Studium der angew. Physik an der TH Magdeburg, Dipl.-Ing.; 1967 – 85 Assistentin u. Oberassistentin. an der TH Ilmenau; 1972 Zusatzstudium am Inst. für Halbleiter der AdW der UdSSR in Nowosibirsk; 1976 Prom. u. 1985 Habil. auf dem Gebiet der Festkörperelektronik; 1985 Doz., 1990 Prof. für Festkörperelektronik an der TH Ilmenau. 1990 – 93 Dekanin der Fak. für Elektrotechnik u. Informationstechnik…

Wer war wer in der DDR

Schirmer, Wolfgang

* 3.3.1920 – ✝ 16.4.2005

Geb. in Berlin in der Familie eines Kfm.; ab 1939 Studium der Chemie, Physik u. Allg. Naturwiss. an der Friedrich-Wilhelm-Univ. u. an der TH Berlin; Mitarb. im Forschungslabor der Firma C. Lorenz AG Berlin-Schönefeld; zeitw. bei der Wehrmacht. Ab 1945 wiss. Mitarb. u. 1949 Prom. an der TH Berlin; 1950 – 53 Werkdir. des Stickstoffwerks Piesteritz; 1952 SED; 1953 – 62 GD des VEB Leuna-Werke »Walter Ulbricht«; 1954 zugl. Doz. u. 1955 Prof. mit Lehrauftrag für physikal. Chemie an der TH für Chemie…

Wer war wer in der DDR

Schlaak, Ulrich

* 1.11.1932 – ✝ 25.2.2016

Geb. in Schartowstal (Landkrs. Oststernberg / Czartów, Polen); Vater Mittelbauer; Volksschule, Zentralschule u. OS; 1949 FDJ, 1951 SED; 1949 – 51 Instrukteur u. Sekr. für Agit. u. Prop. der FDJ-KL Neuruppin; 1951 – 53 Instrukteur des FDJ-ZR; 1954 Sekr. der FDJ-GO im VEB Traktorenwerk Brandenb.; 1954 – 59 1. Sekr. der FDJ-KL Brandenb.; 1958 – 61 Lehre als Meliorationsfacharb.; 1959 – 61 Ltr. des Jugendobjekts »Milchader Berlin«; 1961 –65 1. Sekr. der FDJ-BL Potsdam; 1965 – 67 Studium am…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlag, Martha

* 26.2.1875 – ✝ 14.6.1956

Geboren am 26. Februar 1875 in Zwickau, Tochter eines Bergwerkzimmermanns; Hausangestellte und Säuglingspflegerin. Sie heiratete 1897 und übersiedelte 1906 nach Chemnitz, arbeitete in Textilbetrieben und wurde Mitglied der SPD. Ab 1912 war sie Führerin der Chemnitzer Frauenbewegung, ab 1915 in der Gruppe Internationale. 1918 trat sie der USPD und dem Spartakusbund bei, war nach Ausbruch der Revolution im Chemnitzer Arbeiter- und Soldatenrat und im Januar 1919 Mitbegründerin der KPD in Chemnitz. Martha Schlag war Delegierte des III. Parteitages 1920 und des VII. Parteitages in Jena 1921. Während des Kapp-Putsches 1920 wurde sie (im Auftrag der Zentrale Wanderrednerin im Reich) in Wismar vom Freikorps »Baltikum« verhaftet, von streikenden Arbeitern jedoch befreit. Sie gehörte dem Präsidium der 1. Reichsfrauenkonferenz am 8. Dezember 1920 in Berlin an und wurde 1921 hauptamtliche Frauenleiterin für die sächsischen KPD-Bezirke. Am 9. Januar 1923 kam sie als Nachfolgerin für Ernst Grube in den Sächsischen Landtag. Martha Schlag stand auf dem rechten Parteiflügel, sie trat 1924 von ihren Funktionen zurück, blieb aber zunächst in der Landtagsfraktion. Am 1. Februar 1925 verließ sie die KPD wegen des ultralinken Kurses, zehn Tage vorher hatte sie bereits ihren Austritt aus der KPD-Fraktion erklärt. Wieder Mitglied der SPD, zog sie nun für diese erneut in den Sächsischen Landtag ein, dem sie bis 1933 angehörte. Nach 1933 zunächst erwerbslos, später Hausgehilfin, machte 1938/39 noch eine kaufmännische Lehre und arbeitete von Mai 1940 bis März 1945 als Angestellte im Chemnitzer Wirtschaftsamt. 1945 Mitglied der SPD, Delegierte des 40. Parteitages der SPD und des Gründungsparteitages der SED im April 1946 in Berlin. 1946/47 in der Abteilung Statistik des SED-KV Chemnitz beschäftigt, dann Rentnerin. Martha Schlag starb am 14. Juni 1956 in Karl-Marx-Stadt.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlecht, Paul

* 26.9.1882 – ✝ 1947

Geboren am 26. September 1882 in Rixdorf bei Berlin, Sohn eines Arbeiters; lernte von 1896 bis 1900 in einer Kunstschlosserei. Anschließend Werkzeugmacher in verschiedenen Berliner Betrieben. 1900 Mitglied der SPD, übte kleine ehrenamtliche Parteifunktionen aus. Er kam nicht zum Militär und gehörte während des Krieges der Berliner Opposition in der SPD an, 1917 trat er der USPD bei und war 1918 einer der Revolutionären Obleute. 1919 für die USPD Gemeindevertreter und später Bezirksverordneter in Berlin-Treptow. Mit dem linken Flügel der USPD kam Schlecht Ende 1920 zur KPD. Bis 1923 im Kabelwerk Oberspree beschäftigt, war er seit 1921 ehrenamtliches Mitglied der Berliner BL. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählte Schlecht als Kandidat in den ZA. Nachdem die Linken auf dem IX. Frankfurter Parteitag im April 1924 die Mehrheit hatten, rückte er zur Spitzenführung der KPD auf. Er wurde als Arbeiter Mitglied der Zentrale und auch ins Polbüro gewählt. Im Mai 1924 (sowie im Dezember 1924) zog er als Abgeordneter (Wahlkreis Potsdam I) in den Reichstag ein. Polizeilich gesucht (Steckbrief: »1,60 m groß, graue Augen, hellblondes, kurzes Haar«), wurde Schlecht Anfang Mai verhaftet. Der Reichstag entschied jedoch am 27. Juni 1924 über seine Freilassung. Anfang Juli 1924 schickte ihn die Zentrale als Polleiter in den Bezirk Erzgebirge-Vogtland, wo zuvor die Mittelgruppe dominierte. Auf dem V. Weltkongreß der Komintern wurde Schlecht Mitglied des EKKI und Kandidat des EKKI-Präsidiums. Ende 1924 übernahm er die Leitung des Bezirks Oberschlesien. Der X. Parteitag 1925 wählte ihn wieder ins ZK der Partei und auch erneut ins Polbüro. Bei den Auseinandersetzungen mit den Ultralinken war Schlecht ein treuer Anhänger der Ruth-Fischer-Führung. Er stand Ende August/September 1925 zusammen mit Arkadi Maslow und Anton Grylewicz als Mitglied der Berliner KPD-BL von 1923 vor Gericht. Das Verfahren gegen Schlecht wurde durch Amnestie eingestellt. Als 1925 der »Offene Brief« der Komintern gegen die Ruth-Fischer-Führung veröffentlicht wurde, galt Schlecht, da er keiner der »intellektuellen« Führer war und doch zur linken Opposition hielt, als eine der stärksten Stützen dieser Gruppe. Gemeinsam mit Hugo Urbahns stimmte er im ZK gegen den Ausschluß von Ruth Fischer, später wandte er sich ebenso gegen Urbahns Parteiausschluß. Alle Versuche Ernst Thälmanns, den Proletarier Schlecht für seine Linie zu gewinnen, schlugen fehl. Schlecht unterschrieb den »Brief der 700« und trat zusammen mit Wolfgang Bartels und Anton Grylewicz als Vertreter der Urbahns-Gruppe auf dem XI. Essener Parteitag 1927 hervor. Sofort nach dem Parteitag, am 1.April 1927, erfolgte sein Ausschluß aus der KPD. Schlecht nahm an der Konferenz linker Kommunisten im März 1928 teil, und hat im April 1928 den Leninbund mitgegründet, den er jedoch zusammen mit Ruth Fischer und Arkadi Maslow kurz vor der Wahl im Mai 1928 wieder verließ. In der Folgezeit war er politisch nicht mehr aktiv. Nachdem 1928 sein Reichstagsmandat erloschen war, eröffnete er im Osten Berlins eine Gastwirtschaft. Schlecht sympathisierte noch immer mit der linken Opposition und in seinem Lokal konnte 1933 die letzte illegale Sitzung der Reichsleitung des Leninbundes stattfinden. Nach 1933 wechselte er mehrmals seine Wohnung, war nach 1945 noch Gastwirt in Ost-Berlin. Paul Schlecht soll aber der SED nicht angehört haben und 1947 gestorben sein.

Wer war wer in der DDR

Schlesinger, Artur

* 18.4.1890 – ✝ 28.3.1981

Geb. in Zittau; Besuch der Volksschule; Ausbildung zum Mechaniker; 1908 Gesellenprüfung; Studium; Kfz-Ing. u. vereidigter Sachverständiger für Kfz- u. Verkehrswesen; 1914 – 18 Soldat; 1933 – 35 Haft; Wehrdienst. 1945 LDPD; Ltr. eines VEB in Görlitz; 1948 Stadtrat für Verkehr in Görlitz; 1949 Ltr. der HA Verkehr im Min. für Industrie u. Verkehr in Sachsen (Ministerialdir.); 1949 – 52 Abg. des Landtags Sachsen; 1951/52 Minister für Gesundheitswesen der Landesreg. Sachsen (Nachf. von Walther…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlichting, Alois

* 8.3.1886 – ✝ 25.12.1953

Geboren am 8. März 1886 in Heyerode/Thüringen; lernte Schlosser und arbeitete später auch als Handelsvertreter. 1917 Mitglied der USPD, ging Ende 1920 mit dem linken Flügel zur KPD. Auf dem VII. Jenaer Parteitag 1921 als Vertreter des Bezirkes Wasserkante in den Zentralausschuß der KPD gewählt. Schlichting war einige Zeit Polleiter des KPD-UB Kiel und gehörte bis 1928 der Stadtverordnetenversammlung von Kiel an. 1931/32 Vorsitzender der Roten Hilfe in Kiel. Über Verhaftungen nach 1933 ist nichts bekannt, er gehörte ab 1945 wieder der KPD an, trat aber politisch nicht mehr hervor. Alois Schlichting, der einen kleinen Gemüsehandel betrieb, starb am 25. Dezember 1953 in Kiel.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schloer, Jakob

* 24.4.1888 – ✝ 24.8.1956

Geboren am 24. April 1888 in Holzkirchhausen/Bayern, Sohn einer kleinbäuerlichen Familie; lernte Kellner. 1911 trat er in die SPD ein, stand auf dem linken Flügel und gehörte 1918 zur Spartakusgruppe. Während des Krieges arbeitete er eng mit Paul Levi in Frankfurt/M. zusammen und kam gegen Kriegsende nach Mannheim, wo er 1919 einer der Mitbegründer der KPD wurde. Zunächst hauptamtlicher Sekretär und Redakteur an der Mannheimer KP-Zeitung, dann Polsekretär der KPD Badens und der Pfalz. Anschließend einige Zeit Geschäftsführer der Zentrale der KPD in Berlin, war Delegierter des II., III. und IV. Parteitags der KPD 1919/20. Auf dem III. Parteitag in den ZA gewählt, solidarisierte er sich 1921 mit der KAG, blieb aber in der KPD. Schloer wurde Leiter der noch in den Anfängen steckenden Roten Hilfe. Er kam 1923 nochmals nach Süddeutschland, war bis Anfang 1924 Orgleiter im Oberbezirk Süd (Hessen, Baden, Württemberg, Südbayern). Als Anhänger der Rechten 1924 einige Zeit ohne Funktion, übernahm er 1926 als Generalsekretär erneut die Leitung der Roten Hilfe. Bei den Auseinandersetzungen Ende 1928 wurde er (ebenso wie andere Rote Hilfe-Sekretäre, die den Rechten anhingen, z. B. Fritz Altwein, Adolf Ehlers oder Wilhelm Deisen) seiner Funktion enthoben und im Mai 1929 aus der KPD ausgeschlossen. Schloer trat sofort der KPO bei und übernahm bis 1933 die Leitung der Internationalen Hilfsvereinigung, eine von der KPO geschaffene Parallelorganisation der Roten Hilfe. Wegen Widerstands gegen das NS-Regime 1933, 1934 und 1937 inhaftiert, saß er zeitweise in den KZs Oranienburg und Lichtenburg. Von 1936 bis 1945 arbeitete er als Korrektor in der Görner-Druckerei in Berlin. Schloer hatte über Georg Dünninghaus Kontakt zu der von Anton Saefkow geleiteten Widerstandsgruppe. Im August 1945 wurde er Leiter des Sekretariats und persönlicher Referent des Präsidenten der Deutschen Verwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge Gustav Gundelach, dort 1947 Leiter der Verwaltungsabteilung. 1948/49 Hauptreferent in der Personalabteilung des ZS der SED, dann ab 1949 Geschäftsführer der Zentralen Leitung der HO. Die Säuberungen innerhalb der SED Anfang der fünfziger Jahre überstand Schloer trotz seiner KPO-Zeit zunächst unbeschadet, erhielt aber im März 1953 durch die ZPKK eine Rüge wegen Desavouierung einer chinesischen Regierungsdelegation auf der Leipziger Messe. Ab Juni 1953 arbeitete er in der IG Nahrung-Genuß-Gaststätten im FDGB. Nach längerer Krankheit starb Jakob Schloer am 24. August 1956 in Ost-Berlin. Doch wurde er nicht – wie sonst bei ehemaligen KPD-Führern üblich – mit einem Nachruf des ZK gewürdigt; nur seine Wohnparteigruppe Lichtenberg veröffentlichte eine kleine Todesanzeige im »Neuen Deutschland«. Seine Frau Helene Schloer, geborene Lorenz (* 28. 6. 1887 – † 17. 4. 1964), ebenfalls vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD, Kontoristin und Buchhalterin, von 1912 bis 1914 Näherin in Brüssel, dort hatte sie persönliche Verbindung zu Julian Borchardt. 1917 offiziell als Näherin in Amsterdam, aber als Kurier der Spartakusgruppe eingesetzt und arbeitete eng mit Wilhelm Pieck, Willi Schoenbeck und Oskar Triebel zusammen. Anfang 1918 illegal zurück nach Deutschland, von Mai 1919 bis Februar 1933 Buchhalterin und Kassiererin im ZK der KPD, nach dem Verbot der Partei im illegalen Kassenapparat der KPD. Von Februar bis Juni 1934 in »Schutzhaft«, stand sie anschließend unter Polizeiaufsicht; von 1937 bis 1946 Buchhalterin in Berlin. Bei der illegalen Arbeit hatte Helene Schloer Kontakt zur Saefkow-Gruppe. Sie schloß sich 1945 wieder der KPD und 1946 der SED an, wirkte aber nur noch bei der VVN in Berlin-Lichtenberg.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schlotterbeck, Friedrich

* 6.1.1909 – ✝ 7.4.1979

(* 1909 – † 1979) Geboren am 6. Januar 1909 in Reutlingen, Sohn eines Metallarbeiters; lernte Tischler und schloß sich 1923 der KJD und 1927 der KPD an. Schlotterbeck war Vorsitzender des KJVD in Stuttgart und Gauleiter der Roten Jungfront in Württemberg. 1929 kam er ins ZK des KJVD, 1929/30 Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau, nach Rückkehr zunächst Sekretär des KJVD in Württemberg. Dann nach Berlin geholt, hauptamtlicher Agitpropsekretär und Mitarbeiter am KJVD-Organ »Junge Garde«. Nach Auseinandersetzungen innerhalb des Sekretariats wurde Schlotterbeck seiner Funktionen enthoben, Ende 1931 als Instrukteur der KJI nach Skandinavien geschickt. Pfingsten 1933 organisierte er anläßlich des Europäischen Antifa-Kongresses in Paris eine antifaschistische Jugendkonferenz, kehrte Anfang August 1933 zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück, Instrukteur des KJVD in Ostsachsen. Dort am 1.Dezember 1933 festgenommen, zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und ab Mai 1937 in »Schutzhaft«. Am 28. August 1943 aus dem KZ Welzheim entlassen, arbeitete Schlotterbeck mit seiner ganzen Familie in Stuttgart-Untertürkheim aktiv gegen das NS-Regime, flüchtete vor erneuter Verhaftung Anfang Juni 1944 in die Schweiz. Hier veröffentlichte er den Erlebnisberichts eines Arbeiters »Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne«. Sämtliche Angehörige, Vater, Mutter, Schwester sowie seine Braut Else Himmelheber wurden am 30. November 1944 in Stuttgart hingerichtet. Schlotterbeck hatte in der Schweiz Anna von Fischer, geschiedene Anna Leibbrand, kennengelernt (sie heirateten im März 1951). Im Juni 1945 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er Vorsitzender der VVN in Württemberg, engagierte sich als Präsident des DRK in Baden-Württemberg und war dort Mitglied der KPD-Landesleitung. Gemeinsam mit Anna von Fischer übersiedelte er im April 1948 in die SBZ. Als Mitglieder der SED gerieten beide bei der Überprüfung von Westemigranten in das Visier der ZPKK und des gerade gegründeten MfS. Bis Mitte Oktober 1950 Stadtrat für Volksbildung beim Rat der Stadt Dresden, Anfang 1951 wurde er entlassen und am 15.Februar 1951 wegen »Spionageverdachts« aus der SED ausgeschlossen. Schlotterbeck wurde bezichtigt, ein V-Mann der Gestapo gewesen zu sein, vor allem wurden ihm seine Kontakte zu Noel H. Field und Herta Jurr-Tempi in der Schweiz vorgeworfen. Die ZPKK ordnete die Einstampfung seines Buches »Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne« an. Ab Mitte April 1951 war er Bergarbeiter bei der SDAG Wismut im Erzgebirge. Am 15. Februar 1953 wurden er und seine Frau verhaftet und beide am 27. April 1954 vom 1. Strafsenat des Bezirksgericht Rostock wegen »Verbrechens gemäß Artikel 6 der DDR in Verbindung mit einem Vergehen gegen die Kontrollratsdirektive 38« und wegen »verbrecherischen Beziehungen zu dem amerikanischen Agenten Noel H. Field« zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafe wurde 1954 in drei Jahre umgewandelt. Am 15. Februar 1956 nach genau drei Jahren Haft freigelassen, erfolgte dann beider nichtöffentliche »Rehabilitierung« (Strafregistertilgung) und ihre Wiederaufnahme in die SED. Sie lebten in Groß-Glienicke (Bezirk Potsdam), arbeiteten als Schriftsteller und Hörspielautoren. Friedrich Schlotterbeck starb am 7.April 1979.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmeer, Heinrich

* 20.3.1906 – ✝ 7.2.1960

Geboren am 20. März 1906 in Triberg/Baden, wuchs bei seinem Großvater, einem Versicherungsinspektor, auf. Er war bis 1925 Bürogehilfe, Volontär, Hoteldiener und Bauarbeiter. Seit August 1920 in der KJD, ab 1925 hauptamtlicher KJVD-Funktionär, Leiter des UB Torgau und ab 1929 Agitprop- bzw. Orgleiter des KJVD Halle-Merseburg. 1929 Mitglied der KPD, von Dezember 1930 bis Frühjahr 1931 Schüler an der Parteischule in Leningrad, anschließend Praktikant beim EK der KJI in Moskau. Im Mai 1932 kehrte Schmeer nach Deutschland zurück, wurde Jugendsekretär im Reichserwerbslosenausschuß und gehörte dem Sekretariat des RGO-Reichskomitees an. Bis Ende 1933 ZK-Instrukteur des KJVD, im Januar 1934 festgenommen und im April 1934 vom Kammergericht Berlin zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juli 1936 emigrierte Schmeer nach Prag, Instrukteur der AL Zentrum (Deckname Harry). Ab Oktober 1938 in Göteborg, reiste er 1939/40 mehrmals als Instrukteur der AL Nord nach Berlin und sollte dort im August 1940 gemeinsam mit Willi Gall die illegale Arbeit koordinieren. Am 9. September 1940 verhaftet und nach schwerer Folter im Juli 1941 vom VGH angeklagt. Der Oberreichsanwalt forderte die Todesstrafe, Schmeer erhielt jedoch lebenslang Zuchthaus und saß bis Ende April 1945 in Brandenburg. Er wurde nach der Befreiung stellvertretender Vorsitzender der KPD bzw. ab 1946 der SED in Berlin-Spandau, im Juli 1947 Nachrichtenredakteur beim Berliner Rundfunk und dann bis 1959 Mitarbeiter beim Staatlichen Rundfunkkomitee der DDR. Heinrich Schmeer starb am 7. Februar 1960 in Ost-Berlin.

Wer war wer in der DDR

Schmidt, Alfred

* 24.11.1891 – ✝ 9.10.1985

Geb. in Wintersdorf (Thür.); Vater Schuhmachermeister u. Sozialdemokrat; nach Abschluß der Schule Fabrikarbeiter; 1908 Eintritt in die Gewerkschaft, 1909 SPD; Arbeit als Brauereiarbeiter u. Rangierer; 1912 – 18 Militärdienst, Teiln. am 1. Weltkrieg; 1917 USPD u. Spartakusbund, 1919 KPD; 1921 – 24 Haft wg. kommunist. Betätigung; 1924 – 28 KPD-Vors. in Erfurt, Stadtverordn. in Erfurt, 1928 – 32 Mitgl. des Preußischen Landtags; Dez. 1928 Ausschluß aus der KPD wg. »Rechtsabweichung«; Eintritt in die… Geboren am 24. November 1891 in Wintersdorf/ Thüringen, Sohn eines Schuhmachermeisters und Sozialdemokraten, hatte zwölf Geschwister und arbeitete in verschiedenen Fabriken. 1908 Mitglied der Gewerkschaft und 1909 der SPD. Anfangs Brauereiarbeiter, dann viele Jahre bei der Reichsbahn in Erfurt als Rangierer beschäftigt. Von 1912 bis 1918 Soldat, im Weltkrieg Kriegsgegner, Anhänger der Spartakusgruppe, 1917 Mitglied der USPD. Seit Gründung der KPD 1919 Funktionär der Partei und von 1924 bis 1928 Vorsitzender der KPD in Erfurt, Stadtverordneter (Fraktionsführer). Bis 1928 Akquisiteur der KPD-Zeitung »Das Rote Echo«. Im Mai 1928 wurde Schmidt als Abgeordneter in den Preußischen Landtag gewählt. Er gehörte zum rechten Parteiflügel der KPD, deswegen im Dezember 1928 ausgeschlossen, behielt aber sein Mandat im Landtag bis 1932 für die KPO. In der KPO-BL Thüringen und ab 1930 in deren Reichsleitung aktiv. Nach 1933 leitete Schmidt die illegale KPO im UB Erfurt, schrieb für das KPO-Organ »Arbeiterpolitik«. Im Mai 1934 verhaftet, bis Ende Juni 1934 im Gestapogefängnis, im August 1935 erneut festgenommen und bis Mai 1939 in den KZs Esterwegen und Sachsenhausen. Bereits in der Weimarer Republik war er wegen seiner politischen Tätigkeit für die KPD zweieinhalb Jahre inhaftiert gewesen. Während des Zweiten Weltkrieges entwarf er zusammen mit Otto Engert das Manifest der Widerstandsgruppe um Georg Schumann, war Kohlenträger und Bauarbeiter. 1945 trat Schmidt in Thüringen der KPD, dann der SED bei. Er wurde Landesleiter der IG Nahrung-Genuß-Gaststätten für Thüringen und 2. Vorsitzender der Zonenleitung. Doch schon 1947 hat ihn die SED wegen »antisowjetischer Einstellung« aus der Partei ausgeschlossen. Vom NKWD am 6. Juli 1948 verhaftet, wurde er im Dezember 1948 von einem sowjetischen Militärtribunal in Weimar wegen »antisowjetischer Propaganda« zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde in 25 Jahre Arbeitslager umgewandelt und Schmidt zur Verbüßung in die Strafanstalt Bautzen gesperrt. Da er seine oppositionell-kommunistischen Vorstellungen offen vertrat und als Kommunist sowohl die sowjetische Besatzungspolitik als auch die Haltung der SED angriff, bestrafte ihn die sowjetische Besatzungsmacht schärfer, als er je für seine kommunistische Tätigkeit in der Weimarer Republik und selbst unter Hitler belangt worden war. Nach mehr als acht Jahren Haft in der Strafanstalt Bautzen wurde er am 25. Juli 1956 entlassen. Da Schmidts Frau seit 1954 in der Bundesrepublik wohnte, wollte er zu ihr nach Westdeutschland ziehen, mußte sich aber mit Abgesandten der SED und der sowjetischen Militärpolizei auseinandersetzen, ehe ihm das gestattet wurde. Schmidt ging nach Salzgitter, fand dort Arbeit (bis 1959) und schloß sich der rechtskommunistischen Gruppe Arbeiterpolitik an. Allerdings wurde 1958 wieder ein politisches Verfahren gegen Schmidt eingeleitet. Obwohl er im Zuchthaus Bautzen wegen seiner oppositionell-kommunistischen Haltung denunziert worden war und ihm daraufhin Vergünstigungen gestrichen worden waren, zeigte ein ehemaliger Mitgefangener Schmidt 1958 in der Bundesrepublik an. Er behauptete, daß Schmidt bei seiner politischen Auffassung in der Bundesrepublik wohl im geheimen für die SED und die Organe der Sowjetunion arbeiten würde. Aufgrund dieser Unterstellung wurde Schmidt von der politischen Polizei mehrmals vernommen. Der Generalbundesanwalt stellte am 19. Januar 1959 das »Verfahren« ein, weil Zeugenaussagen Bautzener Mithäftlinge die Beschuldigungen widerlegt hatten. Schmidt hatte unter verschiedenen Regimen wegen seiner politischen Tätigkeit und Überzeugung über 15 Jahre hinter Gefängnismauern und Stacheldraht verbringen müssen. Alfred Schmidt starb am 9. Oktober 1985 in Frankfurt/Main.Bernd Florath

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schmidt, Karl

* 14.8.1897 – ✝ 22.3.1938

Geboren am 14. August 1897 in Prag, Sohn eines Oberstleutnants der österreichischen Armee. Nach dem Gymnasium meldete er sich 1915 freiwillig zur Artillerie. Wie viele durch die Fronterlebnisse radikalisiert, gehörte er 1918 in Brünn dem Soldatenrat an und gründete eine sozialistische Studentengruppe. Seit 1920 in der KP der âSR (u. a. Redakteur), 1921 ging er nach Berlin. In der KPD zunächst Redakteur des theoretischen Organs »Die Internationale«, hat er viele Artikel (unter K.S.) publiziert. Karl Schmidt polemisierte gegen alle Abweichungen, trat vor allem in der Kostufra vehement für die Parteilinie ein. Dennoch wegen ultralinker Tendenzen im September 1926 nach Moskau versetzt, dort Referent in der Agitpropabteilung des EKKI. 1928 wieder nach Berlin in die Informationsabteilung des ZK berufen, war Schmidt aktiv am Kampf gegen die Versöhnler beteiligt. Im Mai 1931 kam er erneut nach Moskau, Mitarbeiter im MELI, erhielt dort wegen »nicht genügender Wachsamkeit« eine Rüge. Um seine Parteiloyalität zu beweisen, meldete Schmidt dem Parteisekretär Fritz Heckert im März 1933, daß er in der Wohnung von Hermann Taubenberger mit seinem Freund Erich Wollenberg und einigen anderen die Wahlergebnisse in Deutschland gehört habe und darüber diskutiert wurde. Er denunzierte Rakow (Felix Wolf), der gesagt habe: »Gott sei Dank, daß der Trottel, der Teddy [Ernst Thälmann] verhaftet ist.« Diese private Zusammenkunft bei Taubenberger nahm das NKWD später zum Anlaß einer großangelegten Säuberung, der dann Karl Schmidt selbst zum Opfer fiel. Im August 1936 wurde auch er aus dem MELI entlassen und im Dezember 1937 aus der KPdSU ausgeschlossen. Am 22. März 1938 verhaftet und wegen »Spionage« am 17. Mai von einer Sonderberatung des NKWD zum Tode verurteilt, wurde Karl Schmidt am 28. Mai 1938 in Butowo erschossen. Seine Frau Hildegard Schmidt, geborene Falk (* 5. 6. 1902), war Zeichnerin, seit 1926 Mitglied der KPD. 1926 arbeitete sie in der Presse- und Verlagsabteilung des EKKI. Nach einem Sanatoriumsaufenthalt reiste sie im Juli 1928 erneut nach Moskau und war während des VI. Weltkongresses technische Mitarbeiterin. Ab Sommer 1931 zunächst am Moskauer Institut für Weltwirtschaft, später am MELI-Institut. Wegen einer Lungenkrankheit wurde sie Invalidin. Am 12. September 1941 in Moskau verhaftet, ist sie am 8. Februar 1942 in Frunse umgekommen.