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In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Wer war wer in der DDR

Schmutzer, Ernst

* 26.2.1930

Geb. in Labant (Böhmen); 1946 Aussiedl. nach Bayern bzw. Mecklenb.; 1949 Abitur; 1949 – 53 Physikstudium an der Univ. Rostock; hier bis 1957 Assistent bzw. Aspirant; 1955 Prom. bei  Hans Falkenhagen mit einer Arbeit zur Elektrolyttheorie; seit 1957 an der FSU Jena; 1957 – 59 Assistent am Theoret. Physikal. Inst.; 1958 Habil.; 1959/60 Doz.; 1960 Prof. für Theoret. Physik; 1964 – 68 Fachrichtungsltr. Physik; 1968 – 90 Ltr. des Wiss.-Bereichs Relativist. Physik; 1974 – 78 Dekan der…

Wer war wer in der DDR

Schnabl, Siegfried

* 27.2.1927 – ✝ 4.8.2015

Geb. in Limbach (Sachsen); Vater Konstrukteur; OS in Glauchau; 1946 – 48 Grundschullehrer; 1948 – 53 Studium der klin. Psychol. in Leipzig; danach wiss. Assistent u. Lehrbeauftr.; 1955 Prom.; 1956 – 73 Psychotherapeut im Erzgeb.; 1973 Prom. B zum Dr. sc. phil. mit einer Studie über das Sexualverhalten von 3.500 Frauen u. Männern, Weiterführung der Arbeit von staatl. Stellen verboten; 1973 – 93 Ltr. der Ehe- u. Sexualberatungsstelle Karl-Marx-Stadt / Chemnitz; ab 1993 – 2001 Sexualberatung bei…

Wer war wer in der DDR

Schneider, Hans

* 25.7.1914 – ✝ 20.6.1972

Geb. in Oberlosa (Krs. Plauen); Volksschule; 1929 – 32 Schlosserlehre; 1932 – 34 arbeitslos; 1934 – 36 Färbereiarb.; 1936 – 38 u. 1939/40 Wehrmacht; 1938/39 Dreher; 1941 – 45 Prüfer in einer Metallfirma. 1945/46 KPD/SED; 1945 Einstellung bei der Polizei, Krs. Plauen; 1949 Einstellung bei der Verw. zum Schutz der Volkswirtschaft Sachsen (ab Febr. 1950 Länderverw. Sachsen des MfS), Ltr. der Krs.-Dienststelle Plauen; 1951 Abt.-Ltr. in der Krs.-Dienststelle Leipzig; dann Ltr. der Abt. IV…

Wer war wer in der DDR

Schneider, Petra

* 11.1.1963

Geb. in Karl-Marx-Stadt; Beginn mit dem Schwimmtraining im Alter von sechs Jahren bei der BSG Motor Karl-Marx-Stadt / Schönau; ab 1973 KJS u. Mitgl. des SC Karl-Marx-Stadt (Trainer: Eberhard Mothes); Olymp. Spiele 1980: Siegerin über 400 m Lagen, Zweite über 400 m Freistil; 1981 EM über 400 m Lagen, EM-Zweite über 200 m Lagen; 1982 WM über 200 m u. 400 m Lagen, WM-Zweite über 400 m Freistil; VVO; 1982 – 90 SED; 1984 Beendigung der sportl. Laufbahn u. Aufn. eines Fernstudiums in Staats- u.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schneider, Kurt

* 30.4.1899 – ✝ 17.3.1971

Geboren am 30. April 1899 in Chemnitz, Sohn einer Arbeiterfamilie; Modelltischler, 1918 zum Militärdienst einberufen. 1919 schloß er sich der KPD an und war von 1920 bis 1922 Bezirksleiter der FSJ bzw. der KJD in Chemnitz, 1923 Wahl zum Mitglied des ZK. Von 1923 bis 1925 arbeitete er als KJD-Jugendsekretär für Nordwestdeutschland in Hannover, Schneider war von 1927 bis 1930 Gewerkschaftsredakteur der kommunistischen Zeitung »Der Kämpfer«, dann 1931/32 wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu eineinhalb Jahren Festungshaft verurteilt. Nach der Freilassung Redakteur an der »Arbeiterstimme« in Dresden. Ab Februar 1933 Sekretär der KPD-UB Halle und Plauen, am 15.Mai 1933 verhaftet und nach mehrmonatiger »Schutzhaft« vom Kammergericht Halle zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Danach Modelltischler, 1945 zunächst Redakteur, von 1946 bis 1960 Chefredakteur der »Freien Presse« in Zwickau. Er erhielt 1959 den VVO in Silber. Kurt Schneider starb am 17. März 1971.

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schnellbacher, Friedrich

* 20.3.1884 – ✝ 4.12.1947

(* 1884 – † 1947) Geboren am 20. März 1884 in Hanau, Sohn eines Steinmetzes; lernte Lithograph. Er trat 1906 in die SPD ein und löste 1912 Robert Dißmann als Sekretär der SPD-Kreisorganisation Hanau ab. Von 1915 bis 1922 Abgeordneter der Hanauer Stadtverordnetenversammlung, Schnellbacher stand auf dem äußersten linken Flügel der Partei. 1916 zum Militär einberufen, erkrankte er schwer an Gelenkrheumatismus, kam ins Lazarett und wurde aus der Armee entlassen. Auf der Reichskonferenz der SPD im September 1916 Sprecher der Gruppe Internationale und im April 1917 als Vertreter der Spartakusrichtung Mitglied des USPD-Beirates. Er war 1918/19 Vorsitzender des Hanauer Arbeiter- und Soldatenrates, es gelang ihm, mit dem Arzt 4 Dr. Georg Wagner die große Mehrheit der Hanauer USPD bereits im Frühjahr 1919 in die KPD zu überführen. Er wurde Leiter der KPD-Ortsgruppe Hanau und hauptamtlicher Angestellter in der Konsumgenossenschaft Langenselbold. Auf dem III. Parteitag der KPD im Februar 1920 in Karlsruhe wurde Schnellbacher zum Ersatzmitglied der Zentrale gewählt, er war im April 1920 gemeinsam mit Wilhelm Pieck Vorsitzender des IV. Parteitages, wieder Ersatzmitglied der Zentrale und Vertreter Hessens im ZA. Als es Ende September 1920 unter August Thalheimer zur Bildung eines politischen und eines organisatorischen Büros in der Zentrale der KPD kam, wurde Schnellbacher neben Jacob Walcher, Rosi Wolfstein u. a. einer der politischen Kommissare bzw. Vertrauensleute. Diese sollten die Verbindung der beiden Büros mit den Bezirken sichern und die Kontrolle über die dortige Ausführung der Parteibeschlüsse gewährleisten. Da sich das System nicht bewährte, wurden danach sogenannte Oberbezirkssekretäre eingesetzt. Schnellbachers Parteilaufbahn endete 1921/22, aber es fehlen Anhaltspunkte, ob er aus politischen Gründen abgelöst wurde. Ab Ende 1922 wirkte Schnellbacher als Sekretär des »Internationalen Bundes der Kriegsopfer und Kriegshinterbliebenen« für den Bezirk Hessen in Frankfurt/M., ab 1929 besoldeter Sekretär in dessen Hauptvorstand in Berlin. Deshalb zog er im Februar 1929 von Hanau nach Birkenwerder bei Berlin, wurde rasch Vorsitzender der dortigen KPD-Ortsgruppe und im November 1929 auch Abgeordneter des Brandenburgischen Provinziallandtages. Er arbeitete einige Zeit als Sekretär der märkischen Siedlungsbaugenossenschaft »Die kinderreiche Familie«. Im SPD-Organ »Vorwärts« wurden Schnellbacher im November 1930 Amtsmißbrauch und Korruption während seiner Langenselbolder Zeit als Konsumangestellter vorgeworfen. Im Januar 1933 zog er nach Berlin-Neukölln, um den Beobachtungen durch die Nazis zu entgehen. Er wurde mehrmals polizeilich vernommen, blieb aber außer Verfolgung, war lange Zeit erwerbslos, später Lithograph. 1945 wurde er Leiter der Hauptabteilung der Berufsfürsorge für Schwerbeschädigte in der Landesversicherungsanstalt Berlin. Seit April 1946 Mitglied der SED, jedoch politisch nicht mehr aktiv. Friedrich Schnellbacher starb am 4. Dezember 1947. »Neues Deutschland« druckte am 7. und 9.Dezember 1947 nur zwei kleine private Traueranzeigen.

Wer war wer in der DDR

Schnitzler, Karl-Eduard von

* 28.4.1918 – ✝ 20.9.2001

Geb. in Berlin-Dahlem; Vater königl.-preuß. Legationsrat Eduard v. S.; 1924 – 34 Volksschule, Friedenaue- u. Arndt-Gymnasium; 1932 SAJ, illeg. Arbeit, 1933 kurzzeitig verhaftet; ab 1934 Internatsschule (Dt. Kolleg) in Bad Godesberg, 1937 Abitur am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln; anschl. sechs Mon. RAD; 1937 Aufnahme des Studiums der Med. in Freiburg i. Br., abgebrochen (Mitgl. im NS-Studentenbund verweigert); in Freiburg Kontakte zur illeg. KPD, Kurier u. Grenzarbeit; 1938 – 40 Ausbildung…

Wer war wer in der DDR

Schober, Rita

* 13.6.1918 – ✝ 26.12.2012

Geb. in Rumburg (Nordböhmen / Rumburk, Tschechien); Vater Angest., Mutter Schneiderin; 1928 – 36 Realgymnasium; 1936 – 38 u. 1944/45 Studium der klass. Philol. u. Romanistik in Prag; 1940 Aushilfslehrerin in Warnsdorf; März 1945 Prom. zum Dr.phil. an der Dt. Univ. Prag. 1946 – 49 wiss. Assistentin von  Victor Klemperer an der MLU Halle; 1946 SED; 1949 Studentendekan der MLU; 1951 Wahrnehmungsdoz.; 1951/52 Hauptref. für Sprachen im Staatssekr. für HS-Wesen; 1952 Doz. u. Wahrnehmungsprof. mit…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Scholem, Werner

* 29.12.1895 – ✝ 17.7.1940

Geboren am 29. Dezember 1895 in Berlin, Sohn des wohlhabenden jüdischen Druckereibesitzers Arthur Scholem, der Vater bestimmte autoritär in der Familie, war nationalistisch und auf Distanz zur jüdischen Religion. Werner Scholem besuchte das Luisenstädtische und Dorotheenstädtische Gymnasium in Berlin und auf Weisung des Vaters ab 1908 die Samsonschule, ein jüdisches Internat streng deutsch-nationaler Prägung in Wolfenbüttel. Er näherte sich dem Zionismus (Studentenvereinigung des »Jung Juda-Kreises«), wurde 1912 Mitglied der sozialistischen Jugend und 1913 der SPD. Deswegen geriet er in Konflikt mit seinem bürgerlichen Elternhaus und wurde vom Vater nach Hannover »verbannt«, um sich als Externer auf das Abitur vorzubereiten. Zum endgültigen Bruch mit dem Vater kam es, als Werner Scholem am 31. Dezember 1917 in Hamm seine Freundin Emmy Wichelt (* 20. 12. 1896 – † 1. 6. 1970) aus Hannover heiratete, denn das Kind einer ledigen Mutter (Martha Rock, später verehelichte Wichelt) aus proletarischem Hause galt als nicht »standesgemäß«. Nach dem Abitur studierte Werner Scholem Geschichte und Jura in Göttingen und Halle. Im Juni 1915 zum Infanterieregiment nach Quedlinburg einberufen, im Sommer 1916 während des serbischen Feldzuges wurde er schwer am Fuß verwundet, er brachte lange Zeit in einem Lazarett in Halle zu. Seit Gründung der USPD 1917 Mitglied dieser Partei. Wegen Teilnahme an einer Antikriegsdemonstration (er war in Uniform aufgefallen) wurde Scholem verhaftet, wegen »Landesverrats« angeklagt, aber nach einigen Monaten entlassen. Nach der Novemberrevolution übernahm der junge Scholem in der USPD wichtige Funktionen. Anfang 1919 Bürgervorsteher (Stadtverordneter) in Hannover-Linden, Mitte 1919 übersiedelte er nach Halle und wurde Redakteur an der USPD-Zeitung »Volksblatt«. Er war Delegierter der USPD-Parteitage im März und November 1919 sowie des Spaltungsparteitags 1920. Scholem kam mit der linken USPD zur KPD, Delegierter des Vereinigungsparteitags im Dezember 1920. Im Januar 1921 trat er in die Redaktion der »Roten Fahne« ein und wurde im Februar 1921 als (jüngster) Abgeordneter für die KPD in den Preußischen Landtag gewählt. Wegen Aktivitäten bei der März-Aktion 1921 polizeilich gesucht, hob der Landtag seine Immunität auf. Scholem lebte zeitweise illegal und wurde am 24.September 1921 verhaftet. Nach einigen Monaten freigelassen, übernahm er verschiedene Aufgaben in der Partei. Er gehörte zur linken Opposition um Ruth Fischer und wurde Ende 1922 Orgleiter des wichtigen Bezirks Berlin-Brandenburg, Delegierter des VIII. Parteitags 1923, dort in die Beschwerdekommission berufen. Auf dem IX. Parteitag 1924 kam Scholem in die Spitze der Linken, wurde in die Zentrale sowie ins Polbüro gewählt und lenkte als Orgleiter die gesamte Orgarbeit der KPD. Nach der Verhaftung Arkadi Maslows 1924 war er neben Ruth Fischer der wichtigste Führer der Partei. Im Mai 1924 zog er im Wahlkreis Potsdam I als Abgeordneter in den Reichstag ein. Nach Auflösung des Reichstags im Oktober 1924 abermals polizeilich gesucht (Steckbrief: »1,67 groß, schwarzes Haar, dunkle Augen, Adlernase, trägt zeitweise Hornbrille«), jedoch im Dezember 1924 im selben Wahlkreis erneut in den Reichstag gewählt. Er war zudem Leiter der Informationsabteilung und des AM-Apparats. Als sich im Frühjahr 1925 die linke Zentrale spaltete, bildete Scholem mit Arthur Rosenberg und Iwan Katz die ultralinke Opposition. Der geschickte Organisator wollte die ultralinken Kräfte im Reich zusammenfassen, gab Fraktionsrundbriefe heraus, die er mit dem Pseudonym »semper idem« unterzeichnete. Auf dem X. Parteitag 1925 war Scholem der Hauptsprecher der ultralinken Opposition und warnte vor der zunehmenden Abhängigkeit von Moskau. Am Ende des Parteitags kam es zu einer Annäherung von Opposition und Führung, Scholem wurde wieder ins ZK (und ins Polbüro) gewählt. Er war auch Teilnehmer des IV. EKKI-Plenums 1924 und des VI. EKKI-Plenums 1926. Den im September 1925 veröffentlichten »Offenen Brief« des EKKI lehnten die Ultralinken unter seiner Leitung ab, Scholem versuchte nunmehr, die »alte Linke« zu sammeln und gegen die neue Führung Ernst Thälmanns und des EKKI zu mobilisieren. Er hielt auf der Parteikonferenz im Oktober 1925 das Korreferat gegen den Parteivorsitzenden Thälmann und wurde auf dieser Tagung sofort aus dem ZK ausgeschlossen, mußte sich einer Kommission stellen, die die Vorwürfe gegen ihn zu prüfen hatte. Denn angeblich sollte er für die finanziellen Transaktionen des Kassierers Arthur König verantwortlich sein, dabei war längst nachgewiesen, daß er damit nichts zu tun gehabt hatte. Scholem war nun einer der eifrigsten Funktionäre der linken Opposition. Im September 1926 organisierte er die Unterschriftensammlung für den »Brief der 700«, deshalb am 5. November 1926 aus der KPD ausgeschlossen. Er war überzeugt, Stalin würde noch 1926 die Komintern auflösen. Mitbegründer und Organisator des Leninbundes und bis 1928 für die Gruppe Linke Kommunisten MdR. Er trat für den Leninbund noch am 20. April 1928 in einer Wahlversammlung in Würzburg auf, verließ dann aber aus persönlichen Gründen kurz vor der Wahl diese Organisation, blieb jedoch Mitarbeiter der Zeitungen des Leninbundes (»Fahne des Kommunismus« und »Volkswille«) sowie des trotzkistischen Blattes »Permanente Revolution«. Ab Ostern 1927 nahm Werner Scholem seine juristischen Studien wieder auf und bestand am 2. März 1931 seine Referendarprüfung. Während seiner Berliner Referendarzeit zwar weiterhin an der Entwicklung der KPD interessiert, engagierte sich aber nicht mehr in der Politik. Die schwere Weltwirtschaftskrise seit 1929 nährte seinen Glauben an eine unmittelbar bevorstehende proletarische Revolution in Deutschland. Seinem Bruder Gerhard (Gershom) schrieb er: »Entweder kommt die Revolution .... oder die Herrschaft der Barbarei«; die Gefahr, die im Falle der Machtübernahme Hitlers auf ihn persönlich zukommen würde, unterschätzte er aber: »Mir werden sie schließlich nichts tun, denn ich bin Kriegsversehrter.« Werner Scholem wurde in der Nacht zum 28.Februar 1933 verhaftet, zunächst ins Polizeigefängnis am Berliner Alexanderplatz und anschließend ins Untersuchungsgefängnis nach Berlin-Moabit gebracht. Nach Protesten am 5.März 1933 entlassen, arbeitete er weiter in einer Anwaltskanzlei und organisierte seine Emigration in die Schweiz. Er wurde jedoch am 23.April 1933 gemeinsam mit seiner Frau Emmy festgenommen und gegen beide ein Hochverratsverfahren wegen »Zersetzung der Reichswehr« eingeleitet. Sie wurden beschuldigt, als Mitglieder einer gewissen »Hansa-Zelle«, die hauptsächlich aus Intellektuellen bestanden haben sollte, Zersetzungsarbeit in der Reichswehr zur Gewinnung von Reichswehrsoldaten für die »Rote Einheitsfront« zu leisten. Werner und Emmy Scholem gerieten dabei in die Ermittlungen gegen die Töchter des Chefs der Heeresleitung, Generaloberst Freiherr von Hammerstein-Equort, die tatsächlich Verbindungen zum Apparat von Hans Kippenberger hatten. Gegen Auflagen wurde Emmy Scholem Ende November 1933 entlassen und flüchtete Anfang Februar 1934 nach London. Von dort aus bemühte sie sich intensiv um die Freilassung ihres Mannes, es gab eine internationale Kampagne für Werner Scholem. Der 1. Senat des VGH sprach ihn am 9. März 1935 zwar frei, er blieb jedoch in »Schutzhaft«, kam zunächst in das KZ Lichtenburg, wurde im Februar 1937 ins KZ Dachau transportiert und im September 1938 ins KZ Buchenwald. Dort hatte er als Jude und ehemals führender Kommunist durch die SS viel zu erleiden, außerdem von den kommunistisch-stalinistischen Häftlingen als »Parteifeind« und »Renegat« geächtet, war er isoliert. Werner Scholem wurde am 17. Juli 1940 in Buchenwald, von einem SS-Wächter erschossen. Seine Frau Emmy Scholem, Ende 1920 Delegierte der USPD auf dem Vereinigungsparteitag mit der KPD, war bis zu seinem Ausschluß 1926 Sekretärin im ZK. Sie flüchtete mit beiden Töchtern nach London und betrieb ein Inseratenbüro, kam nach 1945 aus England in die Bundesrepublik, lebte zunächst in Bad Wimpfen, ab 1963 in Hannover, wo sie als Nichtjüdin auf dem jüdischen Friedhof begraben liegt. Die Töchter blieben in England. Scholems berühmter jüngster Bruder Gershom (Gerhard) war seit 1923 in Palästina und wurde Professor für Religionsgeschichte in Jerusalem, wo er am 21. Februar 1982 starb.

Wer war wer in der DDR

Scholz, Gunther

* 9.10.1944

Geb. in Görlitz; Eltern Angest.; 1951 – 59 Grundschule in Dresden u. Berlin; 1959 – 63 Internatsoberschule Wickersdorf; 1962 SED (bis 1989); 1963 – 65 Lehre als Schriftsetzer; Studium der Theaterwiss. (ohne Abschluß); NVA, 1967 – 71 Studium an der HFF in Potsdam-Babelsberg, Dipl. als Regisseur; 1972 Regieass. im DEFA-Studio für Spielfilme Potsdam-Babelsberg; ab 1978 Spielfilmregisseur, Debütfilm »Ein April hat 30 Tage«; 1979 Kunstpreis des FDGB; Filme: »An einem Februarvormittag« (1981),…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Scholze, Paul

* 13.4.1886 – ✝ 11.5.1938

Geboren am 13. April 1886 in Dresden, Sohn eines Arbeiters; lernte Werkzeugschlosser. Er war Revisor des sozialdemokratischen Zentralwahlvereins Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg, stand während des Weltkrieges in Opposition zur offiziellen Parteipolitik und schied aus der SPD aus. In einem Bericht schrieb der Berliner Polizeipräsident, Scholze gehöre »zu den radikalsten Elementen der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft. Er versucht überall, wo es ihm nur möglich ist, Unzufriedenheit zu schaffen und eine umstürzlerische Tätigkeit zu entwickeln.« Scholze organisierte 1917 den ersten Munitionsarbeiterstreik in Berlin, war dort ab April 1917 Mitglied der Leitung der Revolutionären Obleute sowie des Arbeiterrates und in den Revolutionsmonaten 1918/19 einer der führenden Funktionäre des Spartakusbundes. Am 11.Dezember 1918 übernahm er die Leitung des Pressedienstes des Vollzugsrates. Paul Scholzes Name stand neben denen von Karl Liebknecht und von Georg Ledebour unter dem Aufruf des »Revolutions-Ausschusses« vom 6. Januar 1919 zur »Absetzung« der Ebert-Regierung. Er blieb zunächst in der USPD und kam mit deren linkem Flügel Ende 1920 zur KPD, war Delegierter des USPD-Spaltungsparteitages 1920. In den Jahren der Weimarer Republik war er führend in der IAH, zeitweise deren Leiter und verantwortlicher Redakteur ihrer Zeitung »Sichel und Hammer«. Von 1929 bis 1932 saß er in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Bereits im April 1933 verließ Scholze Deutschland, ging zunächst nach Paris und war dort im Umfeld Willi Münzenbergs, bei der IAH aktiv. Zusammen mit Paul Scholze hatten seine Ehefrau und beider Sohn Frank Deutschland verlassen, kehrten jedoch nach einiger Zeit nach Berlin zurück. Ab 1935 lebte Scholze in Moskau, wo ihn die Gestapo noch 1941 vermutete. Als er 1938 von den deutschen Behörden ausgebürgert wurde, hieß es in einem Gestapobericht, Scholze sei seit 1921 in zweiter Ehe verheiratet und habe zwei Kinder; die Ehefrau, die zusammen mit den Kindern in Berlin-Prenzlauer Berg lebte, wurde so charakterisiert: »In staatspolizeilich und krimineller Hinsicht ist Nachteiliges über sie nichts zu ermitteln. Sie gibt an, mit ihrem Ehemann nicht mehr in Verbindung zu stehen und seinen Aufenthaltsort nicht zu kennen.« Dies entsprach, wie Sohn Frank Scholze später berichtete, nicht den Tatsachen. Vielmehr hatte seine Mutter inzwischen erfahren, daß Paul Scholze aus Moskau deportiert und als ein Opfer der stalinistischen Säuberungen umgekommen war. Trotz vieler Versuche gelang es der Familie nicht, irgendwelche Einzelheiten über das Schicksal Paul Scholzes in Erfahrung zu bringen. Erst seit der Öffnung der NKWD-Archive war sein Lebensweg in der UdSSR zu rekonstruieren. Scholze kam 1935 in die Sowjetunion, wurde nach eigener Überprüfung selbst Mitarbeiter der Kommission zur Übernahme der KPD-Mitglieder in die KPdSU(B). Er geriet ein Jahr später in die Parteisäuberungen, wurde am 4. November 1936 vom NKWD verhaftet und zusammen mit Hans Rogalla und Josef Schneider beschuldigt, »Mitglied einer konterrevolutionären faschistisch-trotzkistischen Gruppe zu sein«. Nach dem Prinzip der Kontaktschuld wurde ihnen vorgeworfen, daß sie bei Besuchen des einstigen RFB-Führers Willy Leow in Moskau mit ihm in Hotelzimmern und Kneipen Gespräche »trotzkistischen Inhalts« geführt hätten. Deshalb wurde Scholze zusammen mit Rogalla und Schneider vom NKWD-Sondertribunal am 10.Juli 1937 zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt, anschließend in ein Lager nach Magadan verbannt. Dort wegen »Schädlingsarbeit« und »faschistischer Agitation« zum Tode verurteilt und am 11. Mai 1938 erschossen. Nach Stalins Tod insgeheim »rehabilitiert«, aber erst am 18.Oktober 1991 durch die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation öffentlich rehabilitiert. Sein Sohn Frank Scholze (* 1928), lange Zeit Schauspieler u. a. am Theater in Karlsruhe, bemühte sich intensiv, das Schicksal seines Vaters aufzuklären.

Wer war wer in der DDR

Schöne, Gerhard

* 10.1.1952

Geb. in Coswig; Vater Pfarrer; 1958 – 68 POS; 1968 – 70 Lehre als Korpusgürtler; 1970 – 73 kirchl. Mitarb.; 1973 – 78 Briefträger; 1974 – 78 Fernstudium Unterhaltungsmusik / Gesang an der HS für Musik »Carl M. v. Weber« Dresden; 1978/79 Bausoldat; seit 1979 freischaff.; trat anfangs vorw. im kirchl. Rahmen auf, dann zunehmend auch in öffentl. Veranstaltungen u. in den Massenmedien; 1980 – 88 Auftritte beim Berliner Festival des pol. Liedes; 1981 erste LP, 1982 große Popularität der zweiten LP…

Wer war wer in der DDR

Schmutzler, Gerhard

* 21.1.1930

Geb. in Zwickau; Vater Bergarb.; Volksschule; 1944 – 47 Lehre als Rechtsanwaltsgehilfe; 1947 Einstellung bei der Polizei, Krs.-Amt Zwickau; 1948 SED; 1948 Lagerltr. beim FDJ-Krs.-Vorst. Zwickau; dann FDJ-Instrukteur bzw. -Sekr.; 1949 Abt.-Ltr. beim FDJ-Landesvorst. Sachsen; 1951 Jahreslehrgang an der SED-LPS Meißen; 1952 HA-Ltr. in der Landesreg. Sachsen; Sept. 1952 2. Sekr. der GST-BL Dresden; 1954 Einstellung beim MfS, Abt. V (Staatsapparat, Kirchen, Untergrund) der BV Dresden; 1956 Ltr. der…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schneck, Karl

* 21.4.1886 – ✝ 3.2.1943

Geboren am 21. April 1886 in Hageloch/Württemberg; lernte Schreiner. 1907 wurde Schneck Mitglied der SPD, stand auf dem linken Flügel seiner Partei und war ab 1910 Vorsitzender der SPD im Stadtbezirk Stuttgart-West. Seit 1915 Soldat, Unteroffizier. Im Frühjahr 1919 Übertritt zur USPD, hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär in Stuttgart. Ging 1920 mit der linken USPD zur KPD, obwohl er anfänglich gegen den Anschluß an die Komintern gestimmt hatte. Ein Jahr lang Redakteur der Stuttgarter KPD-Zeitung, übernahm er 1921 in der BL Württemberg die Kommunalabteilung und zog als Abgeordneter in den Landtag von Württemberg ein, dem er ununterbrochen bis 1932 angehörte. 1923 Leiter der IAH in Württemberg, Teilnahme am II. RGI-Kongreß und am IV. Weltkongreß der Komintern 1922. Anfang 1924 trotz seiner Immunität verhaftet und am 27. September 1924 im Prozeß gegen führende württembergische Kommunisten zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. 1925 freigelassen, war Schneck von Februar bis Juni 1926 Polleiter des Bezirks Württemberg, dort ab 1927 Orgleiter und von 1928 bis 1932 auch Vorsitzender der kommunistischen Gruppe im Landtag. Auf der Sitzung der BL am 16./17. Januar 1932 wurde er seiner Funktion als Orgleiter enthoben. Ihm, wie dem gleichfalls abgesetzten Polleiter Joseph Schlaffer, wurde vorgeworfen, den »Hauptstoß« nicht gegen die Sozialdemokratie gerichtet zu haben. Nun hauptamtlicher Sekretär in Westfalen und ab Ende 1932 Orgleiter des Bezirks Baden. Am 8. Februar 1933 in Mannheim verhaftet, saß er bis Ende März 1934 in den KZs Heuberg und Kislau in »Schutzhaft«. Nach seiner Entlassung illegal für die KPD tätig, Schneck emigrierte im Januar 1935 über die ?CSR in die Sowjetunion und war dort bis Ende Januar 1940 unter dem Namen Ernst Feldmann Referent im Sekretariat der IRH. Er wurde 1941 zuerst ins Wolgagebiet und später nach Ostkasachstan evakuiert, aber faktisch verbannt. Karl Schneck starb dort am 3.Februar 1943 an einer schweren Lungenentzündung, die er sich bei der Beschaffung von Bauholz zugezogen hatte. Seine Tochter Gertrud Schneck (* 31. 12. 1911) lebte ab 1945 mit Robert Leibbrand zusammen. Funktionärin der KPD in Württemberg, 1953 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Auf Parteibeschluß mit ihrem Mann in die DDR übergesiedelt, arbeitete sie u. a. beim Ausschuß für Deutsche Einheit. Gertrud Leibbrand starb am 12. Juli 2002 in Berlin.

Wer war wer in der DDR

Schneider, Maria

* 9.2.1923

Geb. in Merka (Krs. Bautzen); Vater Landarb.; Volks- u. Handelsschule; 1938 – 41 kfm. Lehre; anschl. als kfm. Gehilfin u. Sekr. tätig; 1945 Mitgl. der Domowina; 1948 SED; 1952 – 58 Instrukteurin für Frauenarbeit bei der MTS Lüttewitz (Krs. Bautzen) u. Sachbearb. im VEB Elektroporzellanwerk Großdubrau; dort 1958 – 62 Ltr. der Abt. Arbeit; 1957 – 61 Abg. des Krs.-Tags Bautzen; 1961 – 64 Studium an der TH Ilmenau, Dipl.-Ing.-Ökon.; ab 1964 Assistentin, ab 1971 Dir. für Ökon. beim VEB RFT…

Wer war wer in der DDR

Schneider, Rolf

* 17.4.1932

Geb. in Chemnitz, aufgew. in Wernigerode; Vater Former, Werkmeister; Mutter Textilarbeiterin; OS; 1952 – 55 Studium der Pädagogik u. Germanistik in Halle; 1955 – 58 Red. der Ztschr. »Aufbau« Berlin; dann freischaff.; 1962 Lessing-Preis; 1972 Kunstpreis des FDGB; im Nov. 1976 Mitunterz. der Protestresolution gegen die Ausbürgerung  Wolf Biermanns; vom MfS im OV »Germanist« überwacht; Juni 1979 mit acht weiteren Schriftst. Ausschl. aus dem SV (1989 Aufhebung des Ausschl. u. im Dez. Austritt aus…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schneider, Josef

* 18.3.1882 – ✝ 18.11.1939

Geboren am 18. März 1882 in Hontheim in der Eifel, Sohn eines Försters. Er ging auf eine streng katholische Schule und sollte nach dem Willen des Vaters Pfarrer werden, statt dessen fuhr er zur See, war dann 14 Jahre Schiffsjunge, Leicht- und Vollmatrose und Quartiermeister. Nach Besuch der Steuermanns- und Schiffsschule erhielt er das Große Schiffspatent. Von 1901 bis 1904 leistete er Militärdienst, nun begann auch seine politische Entwicklung. Zeitweise hatte sich Schneider den Anarchisten angeschlossen und organisierte auf einem Schlachtschiff eine kleine Meuterei, wofür er 18 Monate Festungshaft erhielt (fünf wegen guter Führung erlassen). 1905 in Hamburg Mitglied der SPD, seine Arbeitskollegen wählten ihn 1909 zum Sekretär des Seemannsverbandes. 1914 zur Kriegsmarine einberufen, diente er auf verschiedenen Schiffen und war am Ende des Krieges Signalmaat in einer Kaserne in Wilhelmshaven. Mit Ausbruch der Revolution stand Josef Schneider, der 1917 der USPD beigetreten war, an der Spitze des Arbeiter- und Soldatenrates in Wilhelmshaven und wurde Mitglied des 21er Rates, der dort als eine Art Präsidium des Arbeiter- und Soldatenrates die Macht ausübte. Einige Zeit gehörte er zur Führung der am 7. November 1918 ausgerufenen Republik Oldenburg-Ostfriesland, deren Präsident der USPD-Funktionär Paul Kuhnt war. Wegen seines Engagements während der nur eintägigen Herrschaft der »Sozialistischen Räte-Republik Wilhelmshaven« wurde Schneider am 1. Februar 1919 verhaftet, nach Berlin gebracht, wo er bis Juni 1919 im Gefängnis saß. Im Auftrag der USPD-Führung ging er im September 1919 als Redakteur an die »Mansfelder Volkszeitung« nach Eisleben und wurde sehr schnell zu einem unter der Arbeiterschaft anerkannten Vertrauensmann. Während des Kapp-Putsches im März 1920 Mitglied im Aktionsausschuß für den Generalstreik und Leiter des Sicherheits- und Polizeiwesens. Ende 1920 war Schneider für den Anschluß an die III. Internationale und für die Vereinigung mit der KPD zur VKPD. Dank seines Einsatzes kam er im März 1921 an die Spitze des aus VKPD, KAP und Betriebsräten gebildeten Aktionsausschusses, der sich am 19. März nach dem Einmarsch der Sicherheitspolizei ins Mansfelder Land konstituiert hatte. Hier traf Schneider am 22. März 1922 erstmals mit Max Hoelz zusammen und wurde in der Folgezeit dessen Stellvertreter. Hoelz berichtete darüber in seinem Buch »Vom ?weißen Kreuz? zur roten Fahne«: »Schneider war Redakteur an der Parteizeitung in Eisleben und leitete dort die Bewegung. Es war zum Schreien komisch, wenn dieser auffallend kleine, überfette Mensch in einem kleinen Wanderauto, daß er irgendwo requiriert hatte, durch die von streikenden Arbeitern angefüllten Straßen fuhr. Wer ihn nicht persönlich kannte, mußte ihn für einen kapitalistischen Ausbeuter halten. Trotz seines ungeheuren Körperumfangs war Schneider von einer erstaunlichen Beweglichkeit. Bei den in den folgenden Tagen stattfindenden Kämpfen zeigte es sich, daß er organisatorisch begabt war. Ich übertrug ihm die Verpflegung der Truppe sowie die Verwaltung der beschlagnahmten Gelder. Beide Aufgaben erledigte er mit Geschick.« Im Unterschied zu Hoelz, der verhaftet und verurteilt wurde, gelangte Schneider nach Sowjetrußland, wurde aber in Abwesenheit wegen »Hochverrats, Mordes oder Mordversuchs, Freiheitsberaubung, schweren Raubs« u. a. angeklagt. Erst nach der 1928 erlassenen Amnestie hielt sich Schneider 1930 – nur für vier Wochen – in Deutschland auf. In Moskau kam er zunächst in die Presseabteilung der Komintern und schrieb 1921 die Broschüre »Die blutige Osterwoche im Mansfelder Land«. Darin lobte er im Auftrag der Komintern und der KPD einerseits Hoelz als mutigen Revolutionär, kritisierte ihn aber auch wegen seiner anarchistischen »nichtkommunistischen« Auffassungen. Schneider ging 1922 nach Leningrad, arbeitete in der Hafenverwaltung, wurde als Betriebsleiter einer heruntergekommenen Fabrik für deren Mißmanagement verantwortlich gemacht und sogar verhaftet. Anschließend in die Tatarische ASSR entsandt und – im Auftrag der Hungerhilfe – einige Zeit Leiter eines großen Staatsgutes in der Gegend von Kasan, dessen Erträge und Gewinne der IAH zugute kamen. Ab 1930 bei der Verwaltung der Staatsverlage angestellt und zeitweilig Sekretär der deutschen Sektion des sowjetischen Schriftstellerverbandes. Wegen seiner langjährigen journalistischen und schriftstellerischen Tätigkeit wurde die kleine Wohnung der Schneiders (1933 übersiedelten Frau und Tochter in die Sowjetunion) in der Moskauer Gorkistraße ein beliebter Treffpunkt deutscher Emigranten. Bereits Ende 1935 geriet er in die Mühlen der stalinistischen Säuberungen, verlor zunächst seine Anstellung im Schriftstellerverband und wurde am 5. Januar 1936 aus der KPdSU ausgeschlossen. Am 5. November 1936 vom NKWD verhaftet, wurde er mit Hans Rogalla und Paul Scholze der »konterrevolutionären trotzkistisch-faschistischen Tätigkeit« bezichtigt und am 10. Juli 1937 von einem NKWD-Sondertribunal zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt. Während Rogalla und Scholze 1938 nach erneuter Anklage, Sabotage verübt zu haben, erschossen wurden, starb Josef Schneider am 18.November 1939 infolge Unterernährung und fehlender medizinischer Betreuung. Schneiders Tochter Annemarie (verheiratete Raddünz) erfuhr 1991 erstmals von Fridolin Seydewitz, selbst einst Gulaghäftling: »Deinen Vater traf ich 1939 im Lager für Invaliden ... Ich kam im September dorthin und nicht allzu lange Zeit [danach] ist er, offensichtlich wegen seines kranken Herzens, verstorben. Er war am ganzen Körper geschwollen, ging am Stock und gab in der Speisehalle Löffel aus, so daß er wenigstens in der letzten Zeit nicht übermäßig hungern mußte.«

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Schneller, Ernst

* 8.11.1890 – ✝ 11.10.1944

Geboren am 8. November 1890 in Leipzig, sechstes Kind eines Eisenbahnassistenten, der vorher zwölf Jahre bei der königlich-sächsischen Armee gedient hatte und 1895 starb. Ernst Schneller besuchte das Lehrerseminar in Grimma, bestand 1911 die Schulamtskandidaten-Prüfung und war bis 1913 Hilfslehrer in der kleinen Stadt Kirchberg im Erzgebirge. Nach der Abschlußprüfung 1913 Lehrer an der vierten höheren Bürgerschule in Leipzig. Er meldete sich 1914 freiwillig, kam an die Front und wurde 1916 nach einem Ausbildungskurs für Offiziere Leutnant, später Oberleutnant, schließlich 1917/18 Bataillonsadjutant an der Ostfront. Bei Ausbruch der Revolution in den Soldatenrat gewählt, kam Schneller im Januar 1919 nach Sachsen zurück, war ab März 1919 Lehrer in Schwarzenberg/Erzgebirge. Die Linke protestierte im Gemeinderat zunächst gegen die Berufung eines Offiziers, zog den Protest aber zurück, als er der SPD beitrat. Schneller war bis April 1920 Mitglied der SPD und deren Stadtverordneter. Im Erzgebirge wurde dieser unpolitische, kleinbürgerliche Lehrer, der vor dem Kriege Nationalist war, radikalisiert. Während des Kapp-Putsches leitete er in Schwarzenberg die militärische Abwehr gegen die Kapp-Truppen, arbeitete dann eng mit den Kommunisten zusammen und trat zur KPD über, die ihn im November 1920 als Kandidat zur Landtagswahl aufstellte. Zunächst nicht gewählt, rückte er aber im April 1921 anstelle des ausgeschiedenen Abgeordneten Gottfried Weimer für die KPD in den Sächsischen Landtag nach. Bei der März-Aktion 1921 übernahm Schneller wieder militärische Aufgaben und sympathisierte 1921 einige Zeit mit der Levi-Gruppe. Ende 1921 zum UB-Leiter der KPD in Aue-Schwarzenberg gewählt, blieb aber Lehrer. Er lebte asketisch, war Abstinenzler und Anhänger der Brandler-Führung, die ihn 1923 mit der Leitung der Proletarischen Hundertschaften und anderen militärischen Aufgaben betraute. Nach der Niederlage im Oktober 1923 schwenkte er sofort zur Mittelgruppe über, doch kurz vor dem Parteitag 1924 bekannte er sich zur Parteilinken, kam als Delegierter zum IX. Frankfurter Parteitag und wurde dort erstmals in die Parteizentrale gewählt. Im Dezember 1924 zog Schneller auch in den Reichstag ein, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. In der KPD-Zentrale wurden ihm wichtige militärische und organisatorische Aufgaben übertragen. Im November 1924 aus dem Schuldienst entlassen, kam er als hauptamtlicher Funktionär nach Berlin. Schneller leitete als Anhänger der Ruth-Fischer-Führung sehr bald die theoretische Arbeit und die Agitation der KPD. Nachdem die Ultralinken und mit ihnen Karl Korsch im Frühjahr 1925 in einen Gegensatz zur Zentrale gerieten, wurde Schneller Herausgeber der theoretischen Zeitschrift »Internationale« und Leiter der »Marxistisch-leninistischen Zirkel«. Er machte sich einen Namen als Hauptvertreter des »Kampfes gegen den Trotzkismus und Luxemburgismus«. Auf dem X. Parteitag 1925 erstattete er den Bericht der Zentrale und galt als »Generalsekretär« der Partei, obwohl es diese Funktion offiziell nicht gab. Nach dem »Offenen Brief« 1925 wechselte Schneller sofort zur neuen Thälmann-Führung, aber seine ständigen Schwenkungen riefen viel Kritik hervor. Bucharin soll ihn sogar als das »politisch charakterloseste Subjekt« der KPD bezeichnet haben; die Opposition meinte höhnisch, Schneller spiele nur deshalb eine wichtige Rolle, weil er »klüger als Ernst Thälmann und fleißiger als Philipp Dengel« sei. Auch in der neuen Führung erhielt er eine bedeutende Position, ging im März 1927 als Polleiter in den Bezirk Erzgebirge-Vogtland, um die dortige linke Gruppe um Paul Bertz und Heinrich Wesche zu isolieren. Vom XI. Parteitag 1927 wieder ins ZK und auch wieder ins Polbüro gewählt, kam er im Oktober 1927 als einer der vier Mitglieder des Politsekretariats zurück nach Berlin. Delegierter des VI. Weltkongresses der Komintern 1928, der ihn zum Kandidaten des EKKI berief. Am 26. September 1928 leitete Schneller die ZK-Sitzung, die beschloß, Ernst Thälmann wegen der Wittorf-Affäre als Parteichef abzusetzen. Nachdem Thälmann von Stalin rehabilitiert wurde, mußte Schneller für seine Abweichung büßen, wurde sofort aus dem Polbüro entfernt, 1929 auf dem XII. Parteitag auch nicht mehr ins ZK gewählt und in die Geschäftsabteilung des ZK abgeschoben, dort für Partei-Druckschriften verantwortlich. Seit Jahren wegen seiner militärpolitischen Arbeit in der KPD und im RFB bekannt, gehörte er zu den gefährdeten Funktionären der Partei. Nach der 3. Parteikonferenz im Oktober 1932 erneut zu Führungsaufgaben herangezogen, leitete er die Agitpropabteilung des ZK und wurde wieder in das ZK berufen. Dort übernahm er die Informationsabteilung und kam auch ins Polbüro. Er war Teilnehmer der Funktionärssitzung in Ziegenhals am 7. Februar 1933. Als Schneller in der Nacht des Reichstagsbrandes vom 27. auf den 28. Februar 1933 – entgegen einem Parteibeschluß – bei seiner Familie weilte, wurde er verhaftet und kam ins Gefängnis Alt-Moabit. Die Polizei streute sofort das Gerücht, er sei zur NSDAP übergelaufen und habe Thälmann verraten. Und diese Zwecklüge fand in KPD-Kreisen anfangs sogar Glauben. Schneller wurde ins KZ Sonneburg gebracht, im November 1933 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Waldheim verbüßte. Danach im Juni 1939 ins KZ Sachsenhausen eingeliefert, gehörte er dort zur Führung der illegalen KPD. Ernst Schneller wurde am 11. Oktober 1944 zusammen mit 26 anderen Häftlingen von der SS erschossen. Sein Bruder Wilhelm Schneller (* 23. 7. 1894 – † 7. 12. 1979) war ebenfalls aktiver KPD-Funktionär, von 1924 bis 1930 Stadtverordneter in Leipzig und einige Zeit Ultralinker, wurde 1933 gemaßregelt und aus dem Schuldienst entlassen. 1945 zunächst Lehrer in Leipzig, ab 1950 Abteilungsleiter im Ministerium für Volksbildung der DDR. Von Juli 1955 bis zu seinem Ausscheiden 1960 leitete er die Pressestelle im Volksbildungsministerium.

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Schnur, Wolfgang

* 8.6.1944 – ✝ 16.1.2016

Geb. in Stettin (Szczecin, Polen), Waisenkind; Ausbildung zum Maurer; nach dem Abitur Studium der Rechtswiss., 1973 Dipl.-Jur.; 1965 –89 vom MfS als IM »Torsten« bzw. »Dr. Ralf Schirmer« erf.; ab 1978 Rechtsanwalt in Binz (Rügen) u. später in Rostock; als Einzelanwalt Rechtsbeistand für Vertreter der Opp., u. a. im Jan. 1988 für Inhaftierte nach der Berliner Karl-Liebknecht-Rosa-Luxemburg-Demonstration; Mitgl. der Synode der Ev. Kirche in Mecklenb.; zeitweise Vizepräses der Synode der Ev. Kirche…

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Schoenbeck, Willi

* 14.2.1886 – ✝ 12.12.1957

Geboren am 14. Februar 1886 in Berlin, Sohn eines Graveurs; besuchte das Luisenstädtische Realgymnasium, das er nach dem Tod des Vaters verlassen mußte, daraufhin Lehre und Arbeit als Kaufmann. Schoenbeck wurde 1905 Mitglied der SPD, 1907 Unterbezirkskassierer und Vorstandsmitglied des 3. Berliner SPD-Wahlkreises. 1910 besuchte er die Parteischule in Berlin, von 1911 bis 1914 führte er eine selbständige Betriebswerkstatt für Herrenkonfektion in Brüssel, dort aktiv im DAV. Im August 1914 als Schneider wieder in Berlin, hielt er Verbindung zu Julian Borchardt, dem Herausgeber der Zeitschrift »Lichtstrahlen« und Johann Knief in Bremen. 1915/16 Heeresdienst, desertierte im Juni 1916, lebte bis November illegal in Berlin. Mitglied des Spartakusbundes, flüchtete nach Amsterdam und war hier Mitbegründer der Deutschen Sektion der Sozialistischen Partei Hollands sowie Redaktionsmitglied der Wochenschrift »Der Kampf«. Am 20. November 1918 kehrte Schoenbeck nach Berlin zurück, war bis Mitte Januar 1919 Sekretär des Polizeipräsidenten von Neukölln Josef Koering. Schoenbeck war Delegierter des Gründungsparteitags der KPD Ende 1918. Von Januar bis März 1919 Herausgeber und Redakteur der KPD-Zeitung »Spartakus« und Leiter des Bezirksbüros der KPD in Essen, dann bis November 1919 Haft im Zuchthaus Werl (zusammen mit Otto Brass). Während des Kapp-Putsches mit Walter Stoecker im Aktionsausschuß Rheinland/Westfalen in Düsseldorf. Er war Delegierter des II., III. und IV. Parteitags der KPD, auf dem IV. Parteitag in die Mandatsprüfungskommission gewählt. 1921 zog Schoenbeck als Abgeordneter in den Preußischen Landtag ein. Von 1920 bis 1922 Orgleiter für Rheinland/Westfalen-Süd in Düsseldorf, vom 1.Januar 1923 bis Ende 1924 Sekretär in der Gewerkschaftsabteilung der Zentrale der KPD. Ab 1925 Geschäftsführer der »Schlesischen Arbeiter-Zeitung« in Breslau, im Januar 1926 Sekretär im Reichsausschuß zur entschädigungslosen Enteignung der Fürsten, von 1927 bis 1930 Prokurist des Kosmos-Verlages (ein Münzenberg-Unternehmen) und Geschäftsführer der »Welt am Abend«. Dort im Januar 1929 gemaßregelt, weil er sich weigerte, die Rechten zu entlassen. Daraufhin im Februar 1929 aus der KPD ausgeschlossen, bis 1930 aktiv in der KPO, näherte sich dann wieder der KPD. Der durch Schwerhörigkeit behinderte Schoenbeck fand Beschäftigung im »Münzenberg-Konzern« und konnte von 1930 bis 1933 unter Kurt Kersten bei der »Welt am Abend« mitarbeiten. Im März 1933 entzog er sich der Verhaftung durch Flucht und hielt sich längere Zeit in Zeitz und Merseburg auf. Bis 1938 erwerbslos, leistete er gemeinsam mit Jakob Schloer und Karl Baier in Berlin illegale Arbeit und wurde 1945 noch inhaftiert. Seit Juni 1945 in der KPD, übte er nur kleinere Funktionen in der Gewerkschaft aus. Im September 1945 gemeinsam mit Otto Brass Begründer der Verlages Die Freie Gewerkschaft und ab 1948 Hauptabteilungsleiter der Vertriebsleitung des Tribüne-Verlages. Willi Schoenbeck starb am 12. Dezember 1957 in Ost-Berlin.

Wer war wer in der DDR

Scholz, Alfred

* 11.2.1921 – ✝ 11.8.1978

Geb. in Groß-Ullersdorf (ČSR / Velké Losiny, Tschechien); Vater Zimmermann; Realschule; 1936 – 39 Drogistenlehre; dann Arbeit als Laborant; 1941 Wehrmacht; 1942 sowj. Gefangenschaft, 1943 Antifa-Schule; Mitgl. der BFD; 1944 Einsatz als Partisan u. Aufklärer der Partisanenbrigade Dyma in Belorußland, später im Raum Danzig. 1945 KPD/SED; 1945 stellv. Ltr., 1946 Ltr. der Stadtpolizei Rostock; Mitgl. der KPD-KL Rostock; 1948 Politkulturltr. der Grenzpolizeibereitschaft Brandenb.; 1949 Ltr. der Abt.…

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Scholz, Heinrich

* 11.12.1933 – ✝ 1.3.2003

Geb. in Friedrichshain (Niederlausitz); Vater kaufm. Angest.; Volksschule; 1948 – 51 Lehre als Industriekaufm.; 1948 FDGB u. FDJ; 1951 – 56 Finanzbuchhalter, Oberbuchhalter u. Referent in der Finanzrevision; 1956 – 61 Ltr. der Buchhaltungen der Dt. Lufthansa bzw. der Interflug; 1956 – 58 Studium an der VHS; 1958 SED; 1958 – 63 Fernstudium an der HfÖ Berlin, Dipl.-Wirtschaftler; 1961 – 73 Abt.-Ltr., Fachdir. u. Stellv. des GD der Interflug; 1973 – 80 stellv. Abt.-Ltr. im Min. für Verkehrswesen,…

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Schön, Otto

* 9.8.1905 – ✝ 15.9.1968

Geb. in Königsberg (Ostpr./Kaliningrad, Rußland); Stiefvater Töpfer; Volksschule in Königsberg, Realschule in Berlin; 1920 – 23 Ausbildung zum Versicherungs- u. Bankangest.; 1923 – 28 Bankangest. in Berlin; 1921 ZdA u. 1922/23 ZA von dessen Jugendorg.; 1922 KJVD; 1923 – 27 Funktionen in Berlin-Friedrichshain u. Berlin-Brandenb.; ab 1925 Mitgl. der KJVD-Revisionskommission; KPD u. RHD; 1927/28 Mitgl. u. 1928 Sekr. der KPD-UBL Berlin-Kreuzberg; 1928/29 Mitgl. der BL Ostsachsen; 1929/30 Ltr. des UB…

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Schöne-Ehrig, Andrea

* 1.12.1960

Geb. in Dresden; 1968/69 Paarläuferin im Eiskunstlaufen; Mitgl. des SC Einheit Dresden; ab 1969 Eisschnellauf (späterer Trainer:  Rainer Mundt); 1976 Olymp. Spiele: 2. Platz (3.000 m); bei Europa- u. Weltmeisterschaften zwischen 1983 u. 1988: fünfmal EM u. zweimal WM (im Mehrkampf); 1984 Olymp. Spiele: Siegerin (3.000 m), 2. Platz (1.000 m u. 1.500 m); 1988 Olymp. Spiele: 2. Platz (3.000 m u. 5.000 m), 3. Platz (1.500 m); 1988 endete ihre sportl. Laufbahn; VVO; Verdienter Mstr. des Sports;…

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Schnabel, Günter

* 18.1.1926

Geb. in Katzhütte (Krs. Saalfeld); Vater Glasarbeiter; Volksschule in Katzhütte; kaufm. Lehre u. Arbeit als Angest. bei der Thüring. Zellwolle AG Schwarza; 1944 / 45 Wehrmacht; 1945 / 46 amerikan. Kriegsgef. in Frankreich. 1947 / 48 Bauhilfsarb. in Katzhütte u. Bremen bzw. Matrose beim Dt. Minenräumdienst in Cuxhaven; 1948 Waldarb. in Rudolstadt; 1948 – 51 hauptamtl. Funktionär der FDJ-KL Rudolstadt bzw. der FDJ-LL Thüringen; 1951 – 53 Betriebsass. im VEB Sägewerk Erfurt; 1953 – 58 Werkltr. der…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schneeweiß, Helmut

* 10.3.1903 – ✝ 6.5.1989

Geboren am 10. März 1903 in Berlin; Arbeiter, 1920 Mitglied der KJD und der KPD. 1923 Gründer und Sprecher des Erwerbslosenausschusses Oranienburg bei Berlin, dort auch Mitbegründer des RFB, leitete nach dessen Verbot 1929 den proletarischen Selbstschutz. Da er auch mit KPO, Linken Kommunisten und SAP-Mitgliedern bei der Abwehr von Naziüberfällen zusammenarbeitete, schloß ihn die KPD aus ihren Reihen aus. Er bildete eine starke Gruppe der trotzkistischen LO und blieb ein wichtiger Führer der lokalen Arbeiterbewegung in Oranienburg, war 1932 Mitorganisator an einer gemeinsamen 1. Mai-Demonstration und eines zeitweiligen Aktionsbündnisses von ADGB, SPD, KPD und LO in Oranienburg, was ihm im Herbst 1932 noch einmal gelang. Er nahm im November 1932 an der Kopenhagener Konferenz der Internationalen Linken Opposition teil, wo Trotzki die zeitweilige Aktionseinheit der Arbeiterparteien in Oranienburg in Anlehnung an den Masseneinfluß der griechischen Linksopposition als »Klein-Griechenland« bezeichnete. 1933 emigrierte Schneeweiß an die Saar, war 1935 beteiligt an der Gründung der trotzkistischen Gruppe IKD in Amsterdam. Im Mai 1938 durch die NS-Behörden ausgebürgert, lebte er während des Krieges illegal in den Niederlanden. Er wohnte nach 1945 in Osnabrück und soll maßgeblich an Fälschungsaktionen der Vierten Internationale in Zusammenarbeit mit der algerischen Befreiungsbewegung beteiligt und deswegen zeitweise inhaftiert gewesen sein. Der niederländische Trotzkist Sal Santen und andere Trotzkisten haben ihn als Mitarbeiter östlicher Geheimdienste verdächtigt. Helmut Schneeweiß starb am 6. Mai 1989 in Bad Essen/Landkreis Osnabrück. Peter Berens veröffentlichte 2007 eine Arbeit über Trotzkisten gegen Hitler und nahm darin Bezug auf das Wirken von Helmut Schneeweiß.

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Schneider, Max

* 19.11.1909 – ✝ 2.2.1958

Geb. in Böhmisch Leipa (Böhmen/Česká Lípa, Tschechien); Vater Angest.; Volks- u. Fortbildungsschule; Lehre u. Arbeit als kfm. Angest.; 1923 KJV der ČSR; 1928 KPČ; 1930 – 33 Sekr. des KJV in Reichenberg; ab 1930 Mitgl. des ZK des KJV der ČSR; 1930 u. 1934/35 Aufenthalt in der UdSSR, Lehrgang an der KJI-Schule, 1931 – 33 Bez.-Jugendsekr. des KJV Nordböhmen; 1934 Instrukteur der KJI in Moskau; 1935/36 Sekr. des ZK des KJV der KPČ; 1937/38 Prop.-Ltr. bei der »Roten Fahne« in Prag; 1939 Emigr. nach…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schneider, Richard

* 12.8.1876 – ✝ 26.2.1941

Geboren am 12. August 1876 in Crottendorf/ Erzgebirge, Sohn eines Kleinbauern; Landarbeiter, übernahm 1912 den väterlichen Hof von sechs Hektar. Von 1914 bis 1918 Soldat im Weltkrieg. Durch die Not der Kleinlandwirte während der Krise und Inflation 1923 radikalisiert, schloß er sich 1924 dem kommunistischen »Bund schaffender Landwirte« an und übernahm 1925 den Vorsitz dieser Organisation im Bezirk Erzgebirge-Vogtland. Ab 1926 Mitglied der KPD, zeitweise Gemeindevertreter in Crottendorf und Kreistagsmitglied von Annaberg. Von 1929 bis 1933 gehörte Schneider dem Sächsischen Landtag an und war Agrarexperte der KPD. Ab 1932 Mitglied der Reichsleitung des »Bundes schaffender Landwirte«, im März 1933 wurde er verhaftet, befand sich bis Herbst 1934 in »Schutzhaft« im Gefängnis Annaberg und im KZ Colditz. An den Haftfolgen starb Richard Schneider am 26. Februar 1941 in Crottendorf.

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Schneidewind, Kurt

* 6.3.1912 – ✝ 29.6.1983

Geb. in Erfurt; Vater Metallarb., Mutter Zigarrenarb.; 1918 – 26 Volksschule; 1925 Arbeiterturnverein; 1926 – 29 Lehrling in einer Schuhfabrik in Erfurt; 1927 KJVD; RH; 1929 Ausschl. aus dem KJVD wegen Unterstüt- zung der Heinrich-Brandler-August-Thalheimer-Gruppe, 1931 Wiederaufn.; 1929 – 32 arbeitslos, Wanderschaft u. Gelegenheitsarbeiten in Kassel, Cuxhafen, Berlin; Schuhmacher; 1930 – 32 mehrere kurzz. Verhaftungen; 1932 Org.-Ltr. der KJVD-BL Thür.; Dez. 1932 – Dez. 1933 im Auftrag des KJVD…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schnetter, Richard

* 5.3.1884 – ✝ 1943

Geboren am 5. März 1884 in Wüstenahorn bei Coburg; lernte bis 1902 Lithograph. Anschließend übte er seinen Beruf in Frankfurt/M., Leipzig und Stuttgart aus, später in Darmstadt Betriebsführer. 1903 Mitglied der SPD, von 1907 bis 1909 Vorsitzender der Coburger SPD, ab Oktober 1910 hauptamtlicher Funktionär, Lokalredakteur am »Thüringer Volksfreund« in Sonneberg, dann Redakteur dieses Blattes in Erfurt. lm Krieg Soldat, Übertritt zur USPD und Redakteur der »Tribüne« in Erfurt. Mit der linken USPD kam Schnetter Ende 1920 zur KPD, Delegierter des USPD-Spaltungs- und Vereinigungsparteitages mit der KPD. Bis August 1921 Sekretär der KPD in Thüringen, dann Chefredakteur des »Klassenkampfes« in Halle. 1921 zog er für die KPD in den Preußischen Landtag ein. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 berief Schnetter in die Redaktionskommission. Ende 1923 Anhänger der Mittelgruppe, deswegen 1924 als Chefredakteur des »Klassenkampfes« abgelöst, aber erneut in den Preußischen Landtag gewählt. Bis 1927 zunächst Redakteur des »Echo des Ostens« in Königsberg, dann der »Tribüne« in Magdeburg. Schnetter übersiedelte 1927 nach Berlin, wurde dort Redakteur der »Welt am Abend«, kam 1928 aber nicht mehr in den Landtag. Da er zu den Versöhnlern neigte, bekam er keine leitende Funktion mehr und verschwand von der politischen Bühne. Richard Schnetter starb 1943 in Berlin.

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Schöbel, Frank

* 11.12.1942

Geb. in Leipzig; Mutter Gesangspädagogin; Gesangs- u. Gitarrenunterricht; Mechanikerlehre; ab Mai 1962 Berufsmusiker, erste Band: Kapelle Heinz Müller (Leipzig); Sept. 1962 nach Berlin zum Erich-Weinert-Ensemble der NVA (Gesangs- u. Schauspielunterricht); seit 1964 Solist; 1967 »Lieb mich so, wie dein Herz es mag« (1. Platz Schlagerwettbewerb); 1969 Gastsolist bei  Klaus Lenz u. Orchester, erste LP (Duette), erste eigene Show mit  Chris Doerk u. Horst Feuerstein; Erfolgstitel: »Looky, Looky«,…

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Schoenefeld, Kurt

* 21.9.1924 – ✝ 11.8.2005

Geb. in Oberthau (Krs. Merseburg); Vater Klempner, Mutter Saisonarb.; Volks- u. Berufsschule, kaufm. Lehre in der Pappenfabrik Halle; 1942 – 45 Wehrmacht; 1945 amerikan. Kriegsgef. 1945 / 46 kaufm. Angest. in der Pappenfabrik Halle; 1947 SED; 1947 – 50 kaufm. Angest., Personalltr. u. Ltr. der Planungsabt. der SAG Papierfabrik Wehlitz; 1950 – 65 Kalkulator, Brigadier, Abt.-Ltr. der Betriebsabrechnung, Hauptbuchhalter, kaufm. Dir. u. Produktionsdir. des VEB Verlade- u. Transportanlagen Leipzig;…

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Scholz, Ernst

* 19.7.1913 – ✝ 12.6.1986

Geb. in Berlin; Vater Angest., Mutter Verkäuferin; Volksschule u. Realgymnasium in Berlin; Mitgl. der Wandervogelbew., Pfadfinder, Arbeitersportbew. »Fichte«; 1932 Zimmerer in Groß Köris; 1932/33 Studium der Bauwirtschaft an der TH Berlin, am Bauhaus Berlin u. der Univ. Rostock; 1933 kurzz. verhaftet; 1933/34 Studium an der École Spéciale d’Architecture in Paris; 1934 SAP Paris; Übertritt zur KPD; 1934 – 37 freischaff. Architekt in Berlin; illeg. pol. Arbeit für die RH; verantw. für die…

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Scholz, Paul

* 2.10.1902 – ✝ 23.6.1995

Geb. in Braunau (Krs. Löwenberg, Oberschles. / Wronów, Polen); Vater Kleinbauer; Volksschule; Land- u. Fabrikarb.; 1925 KPD, versch. Funktionen; in der NS-Zeit wegen antifa. Tätigkeit mehrmals inhaftiert, 1936 wegen »Vorber. zum Hochverrat« verurteilt; Gebietsberater der illeg. KPD in Berlin. 1945/46 KPD/SED; FDGB; VdgB; ab Juni 1945 Mitgl. der Red. des KPD-Zentralorgans »Dt. Volksztg.«, nachf. bis Ende 1947 der Ztg. »Neues Dtl.«; ab 1948 stellv. Chefred. der VdgB-Wochenztg. »Der freie Bauer«;…

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Schönauer, Josef

* 5.11.1894 – ✝ 28.4.1984

Geb. in Köln-Ehrenfeld; Gymnasium in Eberswalde; Beginn des Theol.-Studiums 1914; Unterbrechung des Studiums durch Militärdienst; 1921 Priesterweihe in Breslau durch Adolf Kardinal Bertram; 1922 Alumnat-Senior im Breslauer Priesterseminar; 1922 – 26 Vikar in Breslau, St. Nikolaus; 1926 Domvikar; 1926 – 34 Diözesanpräses der Jugend in Breslau; 1934 – 47 Pfarrer an der Breslauer Univ.-Kirche St. Matthias. 1945 Geistl. Rat; Stadtverordneter im Breslauer Stadtparl.; 1945/46 Bemühungen um…

Wer war wer in der DDR

Schönemann, Horst

* 19.1.1927 – ✝ 14.6.2002

Geb. in Wuppertal-Elberfeld; Vater Grafiker; 1947/48 Schauspieler am Stadttheater Wernigerode; 1948 – 50 Ausbildung an der Schauspielschule des Dt. Theaters Berlin (DT) u. a. bei  Gerda Müller; 1949 – 54 Schauspieler u. Regieassistent am DT; seit 1951 als Schauspieler in zahlr. DEFA-Filmen; 1952 erste Inszenierung am Theater der Bergarb. in Senftenberg; dort 1954 – 59 Oberspielltr.; 1959 Kunstpreis; 1959 – 63 Regisseur am Maxim-Gorki-Theater Berlin; 1963 – 66 Oberspielltr. der Vereinigten Bühnen…

Wer war wer in der DDR

Schnabel, Heinz

* 1.12.1927 – ✝ 10.11.2003

Geb. in Greifswald; Vater Fleischer, Mutter Verkäuferin; Volks- u. Mittelschule; 1943 Luftwaffenhelfer, 1944/45 RAD, Wehrmacht; 1945 – 48 amerik., dann frz. Kriegsgefangenschaft. 1948 Übersiedl. in die SBZ (Greifswald); Arbeit in der Landw.; FDJ; Mai 1948 SED; Vors. der FDJ Greifswald; 1949 Jugend-HS Bogensee; Ende 1949 Ltr. der Abt. Kultur des FDJ-LV Mecklenb.; 1950 Sekr. für Laienkunst der Dt. Volksbühne Mecklenb.; stellv. Vors. des KB im Land Mecklenb.; 1952/53 Sekr. für Laienkunst beim ZV…

Wer war wer in der DDR

Schneider, Georg

* 25.3.1909 – ✝ 6.6.1970

Geb. in Saarbrücken; Volks- u. Aufbauschule in Gotha; 1928 – 31 Studium der Naturwiss., insbes. Zoologie an der Univ. Jena; 1931 St.-Ex. für Volksschullehrer; 1930 KPD; 1931 Übersiedl. in die UdSSR; 1931 – 32 Lehrer am Pädagog. Technikum Marxstadt u. 1932 – 36 an der Karl-Liebknecht-Schule in Moskau; 1936 – 41 wiss. Mitarb. am Labor für Entwicklungsmechanik des Sewerzow-Inst. für Evolutionsmorphol. der AdW in Moskau (ab 1941 in Frunse); 1941 – 43 Sanitätsinspekteur im Swerdlowsker Raum; 1943 –…

Wer war wer in der DDR

Schneider, Max

* 23.1.1915 – ✝ 8.1.1987

Geb. in Röthenbach (a. d. Pegnitz, Bayern); Vater Arbeiter; Volksschule; Gymn.; Lehre u. Arbeit als Bankkaufmann; Wehrmacht (Oberltn.); 1943 sowj. Kriegsgef., NKFD. 1945 Rückkehr nach Dtl.; Neulehrer; 1946 SED; 1948 Mitbegr. der NDPD; 1948 / 49 Chefred. sowie Verlagsdir. der »National-Zeitung« (Nachf. von Albrecht Albert) u. Dir. der NDPD-Parteischule in Buckow; 1949 polit. Geschäftsf., ab 1950 stellv. Vors. des NDPD-LV Groß-Berlin, 1952 – 60 stellv. Vors. des NDPD-BV Berlin; 1950 – 60 Stellv.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schneider, Martin Friedrich

* 10.11.1885

Geboren am 10. November 1885 in Zschackwitz bei Dresden, Klempnerlehre, bis 1914 in Dresden Klempner und Schlosser, im Krieg Soldat. 1918 Eintritt in die USPD, ging 1920 mit der linken USPD zur KPD. Aktiver Funktionär, einer der wenigen Linksoppositionellen in Dresden, wurde im Mai 1924 Polleiter des Bezirks Ostsachsen, blieb in dieser Funktion als Anhänger der Ruth-Fischer-Führung bis zum »Offenen Brief« 1925. Delegierter des V. Weltkongresses in Moskau im Juli 1924, im Dezember 1924 Kandidat bei den Reichstagswahlen, aber nicht gewählt. Nach dem »Offenen Brief« wurde Schneider als Polleiter abgelöst und durch Siegfried Rädel ersetzt. Er gehörte der linken Opposition an, wurde 1927 aus der KPD ausgeschlossen und sympathisierte mit dem Leninbund. Vor 1933 näherte er sich aber wieder der KPD, doch ist unbekannt, ob er wieder Parteimitglied wurde. 1933 mußte er aus Dresden flüchten, emigrierte in die Tschechoslowakei, wo er 1934/35 aktiv in der deutschen Emigration wirkte. Weitere Daten seines Lebenslaufs ließen sich nicht ermitteln, er soll während der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei ums Leben gekommen sein. Laut Mitteilung des Ordnungsamtes Pirna wurde Martin Friedrich Schneider am 31. Juli 1956 für tot erklärt.

Wer war wer in der DDR

Schnell, Emil

* 10.11.1953

Geb. in Packebusch (Krs. Stendal); 1960 – 68 POS in Bismark (Altmark); 1968 – 72 EOS Seehausen, Abitur; 1972 – 75 NVA; 1975 – 80 Studium der Physik an der TH »Otto von Guericke« in Magdeburg, Dipl.-Phys.; 1980 – 83 wiss. Ass. an der TH Magdeburg; 1983 – 90 wiss. Mitarb. u. 1988 – 90 Abt.-Ltr. der AdW-Forschungsstelle für Hochdruckforsch. in Potsdam; 1984 Prom. an der TU Magdeburg mit einer Arbeit über die Kinetik der Einkomponenten-Magnetbürstenentw.; Okt. 1989 SDP, dann SPD, Geschäftsf. der SPD…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schnichels, Hubert

* 27.9.1892 – ✝ 1938

Geboren am 27. September 1892 in Wussem/ Eifel; wurde Bergarbeiter. Er trat 1916 der SPD bei, war ab 1921 KPD-Funktionär in Brühl bei Köln, dort von 1924 bis 1933 Stadtverordneter und seit 1925 Kreistagsabgeordneter. Funktionär der BL Mittelrhein, war u. a. im AM-Apparat, ab Ende der zwanziger Jahre Angestellter, dann Redakteur beim KPD-Organ »Sozialistische Republik« in Köln. Im April 1933 flüchtete Schnichels nach Holland und emigrierte dann im Februar 1934 in die UdSSR, wohin ihm seine Frau mit den beiden Kindern folgte. Dort vom NKWD im November 1937 verhaftet, soll Hubert Schnichels 1938 im Gulag umgekommen sein. Auch seine Frau wurde inhaftiert, die Familie gilt als verschollen.

Wer war wer in der DDR

Schöbel, Heinz

* 14.10.1913 – ✝ 26.4.1980

Geb. in Leipzig; Vater Metallarb.; Volksschule; Fußballer im Arbeiter-Turn-u.-Sport-Bund Leipzig; 1928 – 31 Dt. Buchhändler-Lehranstalt Leipzig u. Lehre bei Grunow; 1931 – 35 Gehilfe bei F. Volckmar KG; ab 1938/39 Abt.-Ltr. u. Prokurist im Paul-List-Verlag Leipzig; 1934 – 39 Reichsbund Dt. Buchhändler; 1939 – 45 Wachtmstr. in einem Artillerieregt. Ab 1945 Treuhänder, Lizenzträger u. Ltr. des Paul-List-Verlags; 1945 SPD; 1946 SED; 1949 Gründer u. danach Ltr. des Fachbuchverlags; 1960 – 78 Ltr.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schoenlank, Reinhold

* 2.1.1890 – ✝ 6.1.1960

Geboren am 2. Januar 1890 in Nürnberg, Sohn des sozialdemokratischen Journalisten und Reichstagsabgeordneten Bruno Schoenlank (*16. 5. 1859 – † 30. 10. 1901); besuchte die Höhere Bürgerschule in Leipzig und Erfurt und lernte Drogist. 1907 wegen antimilitaristischer Jugendarbeit verhaftet, wanderte dann nach Brasilien aus, gründete dort mit Gleichgesinnten eine »kommunistische Kolonie«, war schließlich Bierbrauer und Apotheker und kehrte wieder nach Deutschland zurück. Als Hotelangestellter 1910 durch einen Unfall erblindet, war er ab 1911 Zögling an der Hallenser Blindenanstalt. Dort 1913 wegen politischer Betätigung entlassen, später Leiter eines Arbeiterjugendheimes in Halle. 1917 Mitglied der USPD, wurde wegen aktiver Antikriegsarbeit festgenommen, kam erst bei Ausbruch der Revolution frei. Seit 1919 Mitglied der KPD, reiste als Wanderredner der Zentrale durch Deutschland, nahm am III., IV. und V. Parteitag 1920 in Karlsruhe, bzw. in Berlin sowie am VII. Parteitag im August 1921 in Jena teil, wo er für den Bezirk Halle-Merseburg in den ZA gewählt wurde. Schoenlank veröffentlichte am 14. Oktober 1925 im Bezirksorgan »Klassenkampf« einen Artikel, der sich u. a. kritisch mit der Taktik der Komintern befaßte. Er wurde deshalb am 20. Oktober 1925 gegen die Stimmen der Ultralinken aus der Partei ausgeschlossen, protestierte zwar dagegen, doch die Komintern bestätigte seinen Ausschluß. Später wieder Mitglied der SPD, er war ein bekannter Schriftsteller und engagierte sich im Zentralverband der Arbeitsinvaliden. Nach 1933 Berufsverbot, aber nicht verhaftet. 1945 wieder Mitglied der SPD, dann der SED, zunächst wurde Schoenlank Oberregierungsrat für Sozialwesen in der Provinzialverwaltung Sachsen-Anhalt, dann Dozent an der Universität Halle. Er geriet 1950 in die stalinistischen Säuberungen, wurde zeitweilig aus der SED ausgeschlossen, später »rehabilitiert« und Arbeiterveteran in Halle. Reinhold Schoenlank starb am 6. Januar 1960 in Berlin. Sein jüngerer Bruder Bruno Schoenlank (* 31. 7. 1891 – † 1. 4. 1965) lernte Buchhändler bei J.H. W. Dietz in Stuttgart, schrieb Artikel für die »Gleichheit«, die »Schwäbische Tagwacht« und den »Vorwärts«. Leistete während des Weltkrieges wie sein Bruder antimilitaristische Arbeit in Berlin und in der Armee. Mitglied der USPD, ab Mitte November 1918 Feuilletonredakteur der »Freiheit«. Während der Januarkämpfe 1919 aktiv auf seiten der Spartakisten an der Besetzung des »Vorwärts«-Gebäudes beteiligt, veröffentlichte in der »Freiheit« am 20. Januar 1919 ein Gedicht auf Rosa Luxemburg. Von 1919 bis 1921 gehörte er der KPD an, trat aber 1921 als Anhänger Paul Levis wieder aus und wurde später Mitglied der SPD. Als Schriftsteller und Redakteur zugleich ein führender Sprechchordichter der sozialdemokratischen Arbeiterkulturbewegung, emigrierte er 1933 in die Schweiz und wohnte bis zu seinem Tod in Zürich.

Wer war wer in der DDR

Scholz, Gerhard

* 1.10.1903 – ✝ 31.8.1989

Geb. in Liegnitz (Niederschl. / Legnica, Polen); Vater Lehrer; Studium der Germanistik, Lit.-Geschichte u. Allg. Geschichte in Tübingen, Heidelberg u. Berlin; 1926 soz. Studentengr.; SPD; 1931 SAP; wiss. Assistent; 1932 Referendar im höheren Schuldienst, Mai 1933 entfernt; 1936 Verfolgung wegen »Vorber. zum Hochverrat«; 1936 Emigr. nach Prag; Mitarb. u. Berater im tschech. Kultusmin.; Hrsg. einer Briefschule; Mitarb. an der Zürcher Ztschr. »Mass u. Wert« bzw. in der Thomas-Mann-Ges. dt. Emigr.…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Scholz, Gustav Adolf

* 13.1.1890 – ✝ 22.6.1980

Geboren am 13. Januar 1890 in Eibau/Krs. Bautzen, Sohn eines Zimmermanns; Lehre als Holzbildhauer, dann auf Wanderschaft. 1908 Mitglied der SPD, 1910 leistete er seinen Militärdienst in Metz ab, war ab 1912 in einer Pianofabrik in Löbau beschäftigt und zog dann nach Lemgo. 1914 Soldat im Weltkrieg, Verwundung, anschließend Armierungssoldat. Ende 1918 Rückkehr nach Lemgo, hier Anfang 1919 Mitbegründer und 1. Vorsitzender der USPD, ab Mai 1919 Vorsitzender der USPD im Freistaat Lippe-Detmold. Im Dezember 1920 Delegierter zum Vereinigungsparteitag mit der VKPD in Berlin, stand Scholz bis 1933 an der Spitze der KPD in Lippe-Detmold. Auf dem VII. Parteitag in Jena 1921 sowie dem VIII. Parteitag 1923 in Leipzig wurde er zum Mitglied des ZA gewählt, gehörte der erweiterten BL Ruhr an. Von 1921 bis 1933 war er Abgeordneter des Landtags von Lippe-Detmold. Am 6. Dezember 1933 verhaftet, am 7.Dezember 1934 vom OLG Hamm zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus verurteilt, danach bis 1938 in »Schutzhaft« im KZ Sachsenhausen. Scholz kehrte dann nach Eibau zurück und arbeitete als Tischler. Von April 1944 bis April 1945 erneut KZ-Haft. Ab Juni 1945 wieder in Eibau, beteiligte er sich am Aufbau der KPD, dann bis August 1947 1. Vorsitzender des SED-KV Löbau. Später Vorsitzender des Kreistages Löbau, er erhielt 1976 den VVO in Gold. Adolf Scholz starb am 22. Juni 1980 in Herrnhut.

Wer war wer in der DDR

Schönbeck, Franz

* 15.9.1931

Geb. in Essen; Vater Maurer; Grundschule; 1946 – 49 Lehrling u. Angest. im Landratsamt Ludwigslust (Mecklenb.); 1948 SED; 1949 / 50 ABF; 1950 – 52 Sachbearb. bei der SPK; 1952 – 55 Stud. an der DASR Potsdam, Dipl.-Jurist; 1956 – 60 Ltr. der Org.-Instrukteur-Abt. u. Sekr. des Rats des Krs. Perleberg, 1960 – 62 Ltr. der Org.-Instrukteur-Abt. des Rats des Bez. Schwerin; 1962 – 64 Vors. des Rats des Krs. Gadebusch, 1965 – 69 Vors. des Rats des Krs. Lübz; 1969 – 71 OB von Schwerin (Nachf. von Günter…

Handbuch Deutsche Kommunisten

Schönfeld, Betty

* 26.5.1910 – ✝ 9.6.1999

Geboren am 26. Mai 1910 in Berlin als Betty Wick, Tochter einer Arbeiterfamilie. Bis 1931 Stenotypistin bei verschiedenen Berliner Konfektionsbetrieben. Seit 1927 aktiv im Arbeitersportverein »Fichte« und seit 1929 in der KPD. Im Sommer 1932 reiste sie im Auftrag der KPD in die Sowjetunion, sie hatte noch in Berlin den sowjetischen Kommunisten Dmitri Jegarew kennengelernt, der 1935 in Moskau als Trotzkist verhaftet und ermordet wurde. In Moskau arbeitete sie im Apparat des EKKI, u. a. im Büro von Wilhelm Pieck. Im September 1936 wurde sie wegen »Verbindung mit konterrevolutionären Elementen« aus der KPD ausgeschlossen, im Juni 1937 in Moskau verhaftet, dann »wegen Mitgliedschaft in einer trotzkistischen Gruppe« zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt. Bis 1945 im Gulag, anschließend wurde eine lebenslängliche Wohnortbeschränkung verfügt, die erst 1954 aufgehoben wurde. Sie erhielt Arbeit als Maschinistin und Stenotypistin, dann als Sanitäterin. Ihr zweiter Mann, mit dem sie seit 1948 verheiratet war, wurde im März 1952 von Banditen ermordet. Im Juli 1957 kam sie mit ihren zwei Töchtern Ludmilla und Swetlana in die DDR und begann in der Direktion der Lufthansa bzw. Interflug zu arbeiten. Betty Schönfeld starb am 9. Juni 1999 in Berlin.